Der Kurier des Zaren

Der Kurier des Zaren (auch Michael Strogoff) ist ein Roman des französischen Autors Jules Verne. Der Roman wurde erstmals 1876 von dem Verleger Pierre-Jules Hetzel unter dem französischen Titel Michel Strogoff. Moscou-Irkoutsk veröffentlicht. Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1876 unter dem Titel Der Courier des Czar. Von Moskau nach Irkutsk.[1] Das Werk unterteilt sich in zwei Teile und 32 Kapitel.

Im Gegensatz zu den sonst sehr nüchternen techniklastigen Werken von Verne zeichnet es sich durch einen lebendigen Stil sowie eine anschauliche Landschaftsschilderung aus.

Handlung

Die Handlung spielt in Russischen Kaiserreich. Erzählt wird die Geschichte des Sibiriers Michael Strogoff, eines Offiziers, der als Kurier im Dienste des Zaren steht. Als Tataren während eines Aufstands in Sibirien die Telegrafenleitungen unterbrechen, erhält Strogoff vom Zaren den Befehl, eine Depesche nach Irkutsk zu bringen. In dem Brief warnt der Zar seinen Bruder, dort Großfürst, vor dem Verräter Iwan Ogareff. Ogareff will sich am Bruder des Zaren rächen, weil der ihn, als er noch Offizier war, persönlich degradierte. Nun haben Ogareff und sein Heer von Gesetzlosen sich mit dem des Tatarenfürsten Feofar Khan zusammengetan.

Strogoff ist ein athletischer kräftiger Sibirier mit bestem Charakter und ein tapferer Soldat, der seine einfachen Wurzeln nicht vergessen hat. Er liebt seine Mutter und sein Vaterland innig. Wegen der herumstreunenden räuberischen Tataren kann Strogoff nicht in offizieller Mission, sondern nur inkognito als Tuchhändler Nikolaus Korpanoff reisen. Mit der Eisenbahn, per Dampfschiff, mit Pferd und Wagen – einem Tarantass – und zu Fuß macht sich Strogoff auf den gefährlichen Weg durch Sibirien. Auf dem Weg lernt er die junge Nadja Fedor aus Riga kennen, die ebenfalls nach Irkutsk unterwegs ist. Sie will bei ihrem Vater bleiben, der dort in der Verbannung lebt. Außerdem lernt Strogoff zwei Kriegsberichterstatter kennen, die ebenfalls nach Sibirien unterwegs sind: den Briten Harry Blount von der Londoner Zeitung Daily Telegraph und den Franzosen Alcide Jolivet aus Paris. Beide wollen von der dortigen Tatarenrebellion berichten. Strogoff hat ein Abenteuer nach dem anderen zu bestehen, und dass Ogareff seinen Auftrag kennt, macht die Sache für ihn noch gefährlicher.

Die Reiterarmee der Tataren fällt in die weiten Ebenen Westsibiriens ein. Es gelingt ihnen durch Zufall, Strogoffs Mutter gefangen zu nehmen. Die verschlagene Zigeunerin Sangarre, die die Geliebte und Helferin des verräterischen Ogareff ist, schöpft Verdacht. Strogoff, der sich ebenfalls im Lager befindet, wird identifiziert, indem seine Mutter durch Auspeitschen (mit einer "neunköpfigen Katze" bzw. "Nagaika") gefoltert wird. Er enttarnt sich und wird dem Führer der Tataren präsentiert. Ohnmächtig müssen Strogoffs Mutter und Nadja, die inzwischen ihre Liebe zu Strogoff entdeckt hat, mit ansehen, wie Strogoff mit einem glühenden Schwert geblendet wird. Ogareff erbeutet den Brief, damit scheint Irkutsk verloren zu sein. Strogoff und Nadja entkommen und setzen mit Nadja als Führerin den weiten Weg nach Osten fort.

Ogareff schleicht sich als Strogoff in die belagerte Stadt Irkutsk ein. Er lauert auf einen günstigen Augenblick, um den Bruder des Zaren zu töten und die Stadt für die Tataren zu öffnen.

Inzwischen erreichen Strogoff und Nadja Irkutsk und Nadja entdeckt Ogareff. Ogareff will Nadja töten, damit diese seine Tarnung nicht aufdeckt. Doch Strogoff stellt Ogareff zum Kampf und kann ihn besiegen. Strogoff war gar nicht erblindet. Die Tränen, die er für seine gefolterte Mutter vergoss, haben seine Augen vor der sengenden Hitze des glühenden Schwertes geschützt. Nach dem Sieg offenbart er seine wahre Identität und führt seinen Auftrag aus.

Charaktere

Die Figur des Michael Strogoff, Offizier bei der Elitetruppe der Kuriere des Zaren, ist ein klischeehaft gezeichneter Held, geprägt durch „den Mut des echten Helden, den Mut ohne Zorn“, Selbstvertrauen, Intelligenz, Entschlusskraft, edle Gesinnung/Tugendhaftigkeit, körperliche Stärke, Ausdauer und eine eiserne Disziplin und Selbstbeherrschung – Eigenschaften, mit denen er schier übermenschliche Hindernisse überwindet. Es ist die Pointe des Romans, dass ihn seine Tränen als Ausdruck dieser Emotionalität schließlich retten.

Für Humor sorgen die Journalisten Harry Blount und Alcide Jolivet, die einander in „herzlicher Abneigung“ zugetan sind und eher gegeneinander arbeiten, sich aber nach ihrer Gefangennahme durch die Räuberbande gegenseitig unterstützen und beschließen, fortan zusammenzuarbeiten. Alcide Jolivet ist stets gut gelaunt, Frauen gegenüber besonders höflich und humorvoll, wobei seine Witze häufiger auf Kosten von Harry Blount gehen. Harry Blount verkörpert in überzeichneter Form den typischen Briten: Statt vornehm ist er steif und umständlich, statt fair ist er eiskalt und emotionslos. Dabei ist er stets überkorrekt. Sie sind die Karikaturen eines Briten und eines Franzosen.

Für Spannung sorgen Michael Strogoff und sein Versuch, unerkannt über eine Distanz von 5.523 km durch die von den Räubern besetzten Gebiete zu reisen. Dabei muss er einen Peitschenhieb durch Iwan Ogareff aushalten, für den er sich später rächt. Um seinen Auftrag ausführen zu können, muss er diese Demütigung hinnehmen, später seine Mutter verleugnen, sich von den Schurken gefangen nehmen lassen und eine Blendung ertragen.

Historischer Hintergrund

Vernes Roman spielt vor dem Hintergrund der russischen Expansion in Zentralasien. Zwischen 1865 und 1868 brachte das Zarenreich allmählich die bis dahin unabhängigen islamischen Khanate und Emirate auf dem Gebiet des heutigen Usbekistan, Turkmenistan etc. unter Kontrolle und gründete am 23. Juli 1867 das Generalgouvernement Turkestan. Das Emirat Buchara blieb de facto unabhängig, geriet jedoch in wirtschaftlich-politische Abhängigkeit von Russland. Die abwertende Sammelbezeichnung „Tataren“ für die verschiedenen muslimischen Turkvölker (welche mit den echten Tataren nichts gemein hatten) machte die russische Fremdherrschaft wohl nicht beliebter. Diese Opposition wird im Roman verkörpert durch Feofar Khan, den Verne „Oberhaupt des tatarischen Khanates Buchara“ nannte.

Bearbeitungen

Zusammen mit Adolphe d’Ennery arbeitete Jules Verne seinen Roman zu dem Bühnenstück Michel Strogoff um, das am 17. November 1880 im Pariser Théâtre du Châtelet Premiere hatte.

Im 20. Jahrhundert wurde das Buch dann mehrfach verfilmt:

Die Geschichten Micky als Kurier des Zaren und Donaldoff, Kurier des Zaren in den Lustigen Taschenbüchern Ausgabe 17[3] und 211[4] stellen Comic-Bearbeitungen des Stoffes dar.

Hörspiele

Literatur

  • Heinrich Pleticha (Hrsg.): Jules Verne Handbuch. Deutscher Bücherbund / Bertelsmann, Stuttgart/München 1992.
  • Volker Dehs, Ralf Junkerjürgen: Jules Verne. Stimmen und Deutungen zu seinem Werk. Phantastische Bibliothek Wetzlar, Wetzlar 2005.
  • Volker Dehs: Jules Verne. Eine kritische Biographie. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2005, ISBN 3-538-07208-6.
Commons: Michael Strogoff – Sammlung von Bildern
Wikisource: Michel Strogoff – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise

  1. Nachbemerkungen zu: Der Kurier des Zaren, Reclam, Ditzingen 2020, ISBN 978-3-15-020616-4, S. 285.
  2. https://www.imdb.com/de/title/tt0235588/
  3. lustige-taschenbuecher.de (Memento vom 21. Februar 2015 im Internet Archive), Inducks.
  4. lustige-taschenbuecher.de (Memento vom 25. Juli 2014 im Internet Archive), Inducks