Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
| Film | |
| Titel | Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße |
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| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Wolfgang Becker, Achim von Borries |
| Drehbuch | Constantin Lieb, Wolfgang Becker |
| Produktion | Stefan Arndt, Achim von Borries |
| Musik | Lorenz Dangel |
| Kamera | Bernd Fischer |
| Schnitt | Jörg Hauschild |
| Besetzung | |
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Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße ist ein deutscher Spielfilm von Wolfgang Becker aus dem Jahr 2025. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maxim Leo, handelt er davon, wie ein „Held“ öffentlichkeitswirksam „gemacht“ wird. Mit einem weiteren sympathiewürdigen „Lügner“ in der Hauptrolle, gespielt von Charly Hübner, knüpft Beckers letzter Film noch einmal an seinen größten Erfolg an: die Tragikomödie Good Bye, Lenin!. Die Dreharbeiten konnte der Regisseur und Co-Autor des Skripts noch abschließen, bevor er im Dezember 2024 verstarb. In seinem Sinne vollendet wurde der Film von Achim von Borries und startete am 11. Dezember 2025 in den deutschen Kinos.
Handlung
Im Herbst 2019 rückt ein rundes Jubiläum näher: Am 9. November jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum dreißigsten Mal. Das zu erwartende öffentliche Gedenken ist jedoch längst in Routine erstarrt. Da käme eine bis dato noch gänzlich unentdeckte Story gerade recht, findet der Chefredakteur des Wochenmagazins „Fakt“, als in der Redaktionssitzung eine solche in Aussicht gestellt wird, noch dazu mit einem völlig unbekannten Helden: Die größte Massenflucht aus der DDR, die 127 Passagiere einer Ostberliner S-Bahn in den Morgenstunden des 23. Juni 1984 unplanmäßig in den Westteil der Stadt brachte, sei ein gezielter Sabotageakt des zuständigen Stellwerkmeisters gewesen, versichert „Fakt“-Reporter Alexander Landmann.
Landmann war auf den einstigen Reichsbahn-Angestellten Michael Hartung beim Studium alter Stasi-Akten gestoßen und hatte ihn im Prenzlauer Berg aufgespürt, um ihn zu interviewen und daraus eine zündende Geschichte zu machen. Hartung bestätigt das, was Landmann sich über ihn zusammengereimt hat, keineswegs. Weder habe er mit Absicht irgendetwas sabotiert noch sei er monatelang inhaftiert und von der Stasi gefoltert worden. Landmanns finale Gretchenfrage, ob er Menschen zur Flucht verholfen habe, kann er aber bejahen, ohne zu lügen. Freilich ist der Widerstand des chronisch verschuldeten Inhabers einer längst auf dem „Abstellgleis“ befindlichen Videothek da bereits arg geschwächt durch das Geld, mit dem der Journalist ihn ködert.
Nach Erscheinen des zur Cover-Story aufgebauschten Artikels in einem Sonderheft von „Fakt“ geht Hartung noch einmal auf die Barrikaden, vor allem infolge der Scham, die er empfindet ob der unverdienten Bewunderung, die ihm gerade die entgegenbringen, die er am meisten schätzt: seine Tochter und seine Nachbarin. Doch Landmann kann und will nicht mehr zurück; ihn treibt die Hoffnung auf einen Karrieresprung ebenso wie die Furcht vor dem Absturz durch eine gegen ihn gerichtete Enthüllungsstory. Nicht zuletzt ist er auch ein Getriebener der Medienlawine, die auf die Publikation seiner Heldenstory folgt und die sich noch einmal potenziert nach einem gemeinsamen Auftritt mit Kati Witt in einer populären TV-Show, wo Hartung zu seiner eigenen Überraschung Talent beim Erfinden von Lügengeschichten entwickelt.
Unter den Studiogästen befindet sich auch eine Frau, die sich im Anschluss an die Sendung Hartung gegenüber als eine derjenigen zu erkennen gibt, die 35 Jahre zuvor in jenem Zug in den Westen saßen. Beide sind sich auf Anhieb sympathisch und suchen einander von da an: Paula Kurz, Staatsanwältin und Singlefrau, die neue Hoffnung schöpft, den Mann zu finden, der „ganz anders“ ist; Hartung eher mit dem Nahziel, dem Hype um seine Person zu entkommen, der noch immer neue Blüten treibt. Ein Buch ist in Arbeit, ein Film in Planung, und demnächst soll er sogar im Deutschen Bundestag die Festrede zum Gedenken an den 9. November 1989 halten. Kein Geringerer als der Bundespräsident persönlich hat ihn darum bei einem Abendessen unter vier Augen im Schloss Bellevue gebeten.
Noch vor dem versöhnlichen Ende schlägt für einige die Stunde der Wahrheit. Zuerst für Wischnewsky, den ursprünglich vorgesehenen Festredner und langjährigen Vorsitzenden der Stiftung „Gegen das Vergessen“ der DDR-Diktatur. Er bläst zum Gegenangriff und demütigt sich sogar vor seinem Erzfeind, einem Ex-Oberst der Stasi und Wendegewinnler, um aufzudecken, was an jenem 23. Juni 1984 tatsächlich geschah. Ungewollt erfährt dies auch Paula – von Hartung selbst, worauf sie ihre Romanze jäh beendet. Als schließlich auch ihn eine unliebsame Wahrheit völlig unvorbereitet trifft – ausgerechnet durch Wischnewsky und just vor seiner (von Landmann verfassten) Bundestagsrede –, geht er sie an mit dem Vorsatz, endlich selbst die Wahrheit zu sagen! Doch dazu kommt es nicht; in letzter Minute hat man sich noch einmal für jemand anders entschieden.
Fiktion und Realität
Dass die im fiktiven Magazin „Fakt“ verbreitete Story über den „Helden vom Bahnhof Friedrichstraße“ nicht der Wahrheit entspricht, weiß man als Zuschauer von Anfang an. Aus den Äußerungen des Ex-Stasi-Offiziers und des „Helden“ selbst lässt sich entnehmen, dass Hartungs Beitrag zu der vermeintlichen „Massenflucht“ bestenfalls in einer Unterlassung bestand. An dem betreffenden Morgen sei er, als Diensthabender, angewiesen worden, den Sicherungsbolzen einer bestimmten Weiche zu lösen, um einer unbesetzten Bahn die planmäßige Durchfahrt nach Westberlin zu ermöglichen. Beim Versuch, den Auftrag auszuführen, sei der verklemmte Bolzen gebrochen; Hartung habe den Schaden nicht beheben können, aber aus Bequemlichkeit auch nicht gemeldet, sodass die nächste Bahn ebenfalls in Westberlin landete, mitsamt 127 völlig unvorbereiteten DDR-Bürgern. Davon habe damals die Öffentlichkeit beiderseits der Mauer kaum etwas erfahren; im Westen, weil 120 der unfreiwillig Gestrandeten in die DDR zurückgekehrt seien; im Osten, weil man als peinlich empfunden habe, dass schon Nachlässigkeit genügte, die hochgerüstete Grenze zu verletzen. Die Stasi habe daher entschieden, den meldepflichtigen Vorfall sogar intern zu vertuschen, indem man Hartungs Rolle aufbauschte – eine Fälschung, die der Journalist Landmann dann für bare Münze nimmt.
Hätte nun das, was in der filmischen und literarischen Fiktion versehentlich geschah, in der Realität absichtlich herbeigeführt werden können? – „Ausgeschlossen!“, urteilen zwei von der Berliner Zeitung eigens dazu befragte Experten. Richtig sei zunächst, dass es auch nach dem Mauerbau noch eine Gleisverbindung zwischen den Schienennetzen Berlin-West und -Ost gab und dass diese – die einzige – sich im Bahnhof Friedrichstraße befand. Genutzt wurde sie unter anderem, um Reparaturen für Westberliner Bahnen in Ostberliner Werkstätten durchzuführen. Jedoch konnte eine Bahn erst dann von Ost nach West passieren, wenn ihre Fahrt durch mindestens zwei voneinander getrennte Stellen, technisch oder hoheitlich, freigegeben worden war. Außerdem habe man dafür gesorgt, dass jeder Zug, der ungewollt oder unerlaubt gen Westen abfuhr, zunächst an einem Prellbock gelandet wäre.
Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen kam es nur äußerst selten zu Versuchen, die Grenze nach Westberlin auf Bahnschienen zu überwinden. Zu einem gewissen Bekanntheitsgrad brachten es lediglich zwei. Der erste war von Erfolg gekrönt: Am Abend des 5. Dezember 1961 steuerte der Lokführer Harry Deterling seinen Personenzug, aus Oranienburg kommend, statt nach Albrechtshof (DDR) geradewegs nach Spandau, darauf spekulierend, dass die Grenzposten ihn für den etwas später fälligen Schnellzug aus Hamburg hielten; eingeweiht hatte Deterling seinen Heizer und 24 Passagiere, die mit ihnen verwandt oder bekannt waren. Der Fluchtversuch eines Einzelnen schlug hingegen fehl, war allerdings auch schlecht vorbereitet: Mit einem Luftgewehr bewaffnet, drang er am frühen Abend des 27. Mai 1983 in den Führerstand einer in den Bahnhof Friedrichstraße einfahrenden S-Bahn ein und forderte die Lokführerin zur Weiterfahrt nach Westberlin auf; hinter dem Bahnsteig, aber noch vor dem Prellbock, von dem er offenbar gar nichts wusste, brachte die Fahrerin den Zug schließlich zum Stehen, wo drei Einsatzkräfte dem Fluchtversuch ein Ende bereiteten.[2]
Kritiken
In der Welt schrieb Hanns-Georg Rodek: „Lange hat es keinen so witzigen, melancholischen, versöhnlichen Weihnachtsfilm (in dem Weihnachten gar nicht vorkommt) gegeben wie den ‚Held vom Bahnhof Friedrichstraße‘.“[3]
Martin Schwickert resümiert im Redaktionsnetzwerk Deutschland, Becker sei „eine ungeheuer gut gelaunte, locker gestrickte Komödie gelungen, wie man sie im deutschen Kino nur selten zu sehen bekommt.“[4]
Carsten Beyer von Radio 3 (RBB) nennt den Film „einen komödiantischen Triumph“ und fasst zusammen: „‚Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße‘ ist ein wirklich gelungener Film mit einer Menge an guten Gags.“[5]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 274260/K).
- ↑ Peter Neumann: „Zwischen Wahrheit und Fiktion: Die S-Bahn-Flucht vom Bahnhof Friedrichstraße auf dem Prüfstand“. In: berliner-zeitung.de. 20. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Hanns-Georg Rodek: „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“: Die größte Massenflucht der DDR – wie Legenden entstehen - WELT. In: Die Welt. 17. Dezember 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Martin Schwickert: Mit der S-Bahn in den Westen – „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ ist ein selten schönes Komödienjuwel. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 9. Dezember 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Carsten Beyer: "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße". In: Radio 3. 11. Dezember 2025, abgerufen am 24. Dezember 2025.