Densa Thil

Densa Thil (tibet.: གདན་ས་ཐེལ gdan sa mthil oder gdan sa thel[1]; auch: Densatil)[2] ist das erste Kloster der Phagdru-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus. Es wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Phagmo Drupa Dorje Gyelpo[3] (1110–1170), einem Schüler Gampopas, gegründet. Als sein Gründungsjahr gilt das Jahr 1158. Densa Thil befand sich im Gebiet von Phagmodru[4] im Kreis Sangri des Regierungsbezirks Shannan (Lhokha) im Süden des heutigen Autonomen Gebiets Tibet in der Volksrepublik China.

Densa Thil entwickelte sich im 13. und 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten religiösen Zentren Tibets. Unter der Herrschaft der Phagmodrupa-Dynastie war es über längere Zeit das spirituelle und administrative Zentrum des Landes[5]. Berühmtheit erlangte das Kloster durch seine monumentalen, mehrstöckigen silbernen Stupas (tibet. chörten), welche die Reliquien der Phagmodrupa-Herrscher enthielten und mit aufwendigen Filigranarbeiten, Edelmetallen und Halbedelsteinen geschmückt waren[6]. Diese Kunstwerke zählen zu den herausragendsten Beispielen tibetischer Sakralkunst des Spätmittelalters[7].

Während der Kulturrevolution (1966–1976) wurde Densa Thil nahezu vollständig zerstört und geplündert. Die Mönchsgemeinschaft wurde aufgelöst, und zahlreiche Kunstwerke gelangten über den internationalen Kunsthandel in westliche Museen und Privatsammlungen[8][9]. Zu den erhaltenen Objekten zählt unter anderem eine Darstellung der Vajravarahi aus Densa Thil, die sich heute im Los Angeles County Museum of Art (LACMA) befindet.

Vom ursprünglichen Klosterkomplex sind heute nur noch Ruinen erhalten[10]. Einzelne kleinere Strukturen wurden in den letzten Jahrzehnten teilweise rekonstruiert[11]. Der Standort selbst steht auf der Liste der Denkmäler des Autonomen Gebiets Tibet, was jedoch in erster Linie den Schutz der Ruinen und der archäologischen Überreste betrifft. Ein aktives Kloster im historischen Sinne existiert dort nicht mehr.

Frühere Äbte des Klosters

  • Dragpa Tsöndrü (Grags pa brtson 'grus, 1203–1267)
  • Rinchen Dorje (Rin chen rdo rje, 1218–1280)
  • Dragpa Gyeltshen (Grags pa rgyal mtshan, 1293–1360)
  • Dragpa Sherab (Grags pa shes rab, 1310–1370)
  • Dragpa Changchub (Grags pa byang chub, 1356–1386)
  • Pelden Sangpo (Dpal ldan bzang po, 1383–1407)
  • Sönam Dragpa (Bsod nams grags pa, 1359–1408) oder Sönam Sangpo (Bsod nams bzang po, 1380–1416)
  • Sönam Gyeltshen (Bsod nams rgyal mtshan, 1386–1434)[12]

Literatur

  • Olaf Czaja: „The Sculptural Art of Densatil“, Oriental Art, Vol. 50. No. 4. 2006

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. tbrc.org: gdan sa thel@1@2Vorlage:Toter Link/www.tbrc.org (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. chin. Dansati si 丹萨替寺 oder Dengsati si 邓萨提寺
  3. tibet. phag mo gru pa rdo rje rgyal po; chin. Pamu Zhuba Duojie Jiebu 帕木竹巴•多吉杰布
  4. chin. Pamuzhu 帕木竹
  5. Tibet: Densatil Chronology. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
  6. Densatil Monastery. In: Project Himalayan Art. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
  7. Jean-Luc Estournel: About the 18 stupas and other treasures once at the Densatil monastery. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
  8. Jean-Luc Estournel: About the 18 stupas and other treasures once at the Densatil monastery. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
  9. Olaf Czaja: Czaja Golden Visions of Densatil A Tibetan Buddhist Monastery Essay. (academia.edu [abgerufen am 5. Oktober 2025]).
  10. Olaf Czaja: Project Densatil. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
  11. Golden Visions of Densatil: A Tibetan Buddhist Monastery | Asia Society. 5. September 2017, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch).
  12. The Number of Tashigomang (Memento des Originals vom 25. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.densatil.org Research Project on the Sculptural Art of Densatil, abgerufen am 18. September 2018.
Densa Thil (Alternativbezeichnungen des Lemmas)
tib. gdan sa mthil oder gdan sa thel; 'Densatil, chin. Dansati si 丹萨替寺, Dengsati si 邓萨提寺, Phagmodru-Kloster, Phagdru-Kloster, Pazhu si 帕竹寺, Dansha Ti si 丹莎提寺, Pazhu Dansha Ti si 帕竹丹莎提寺, Pazhu Dansa Ti si 帕竹丹萨提寺, 邓萨梯寺, Dansa Ti si

Koordinaten: 29° 18′ 1″ N, 91° 58′ 20″ O