Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin

Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin
(DVN)
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 13. Juni 1990
Sitz Berlin
Zweck Nahverkehr
Vorsitz Hartmut Gröschke
Website dvn-berlin.de

Der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e. V. (DVN) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin.

Anliegen und Geschichte

Ziel des Vereins ist die Pflege ausgewählter Nahverkehrsmittel im Raum Berlin/Brandenburg. Hierzu werden u. a. historische Fahrzeuge denkmalgerecht erhalten, betreut und bei Ausstellungen und Sonderfahrten eingesetzt.[1]

Hervorgegangen ist der heutige Verein aus der Arbeitsgemeinschaft (AG) 1/11, die sich unter Schirmherrschaft der AG Kleinbahnfreunde im Deutschen Modelleisenbahnerverband (DMV) gründete. Ihr Ziel war es zunächst, einen historischen Köpenicker Straßenbahnwagen zur Köpenicker Festwoche (heute: Köpenicker Sommer) herzurichten.[2] Die Arbeitsgruppe nahm im September 1967 im Straßenbahn-Betriebshof Köpenick ihre Arbeit auf.[3] Im August 1968 begannen die Arbeiten am künftigen historischen Köpenicker Triebwagen 10, dessen Grundlage der Arbeitstriebwagen A277II bildete. Er fuhr bereits am 21. Juni 1969 anlässlich der 8. Köpenicker Festwoche. Infolge des großen Zuspruchs aus Bevölkerung und Politik führte die AG 1/11 (später: AG 1/66) ihre Arbeit mit dem Aufbau einer historischen Fahrzeugflotte fort.[4] Schrittweise wuchs die Sammlung und umfasste im Jahr 1997 rund 20 betriebsfähige Wagen.[3]

Gründungsdatum des Denkmalpflege-Vereins ist der 13. Juni 1990.[1] Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 22. Oktober 1992 beim Amtsgericht Charlottenburg.

Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe Straßenbahn

Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, aus jeder Fahrzeuggeneration der Berliner Straßenbahn einen typischen Vertreter aufzunehmen. Das älteste Fahrzeug der Sammlung ist ein 1885 gebauter Pferdebahnwagen.[3] Heute besteht die Sammlung aus rund 50 Fahrzeugen, von der Pferdebahn bis zum Tatra-Straßenbahnwagen.

Die Arbeitsgruppe arbeitete zunächst in den Räumlichkeiten des Betriebshof Köpenick. Von 1973 bis 2006 wurde als Domizil das Depot Schmöckwitz genutzt.[3][5] Ab Mitte der 1980er Jahre konnten einzelne Räumlichkeiten des Betriebshofs Niederschönhausen genutzt werden. Nach der Schließung des Betriebshof im Jahre 1999 nutzte der Verein den gesamten Hof. Seit 2015 ist der Verein mit seiner Sammlung wieder in Köpenick ansässig.[6] Bis 2017 erfolgte zudem eine Kooperation mit der Woltersdorfer Straßenbahn.

Arbeitsgruppe Obus

Die Arbeitsgruppe pflegt historische Fahrzeuge beim Oberleitungsbus Eberswalde, der letzten ostdeutschen Stadt mit Obusbetrieb. Untergebracht sind die Fahrzeuge im dortigen Betriebshof Nordend.

Ehemalige Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe Omnibus

Ursprüngliches Ziel der Arbeitsgruppe war es, historische Omnibusse aus Berlin – vorrangig aus dem früheren Ostteil der Stadt – zu betreuen.

Ein großer Teil der Mitglieder wechselte in den 2013 neu gegründeten Oldtimer Bus Verein Berlin e. V. (OBVB), mit ähnlicher Zielstellung wie die ursprüngliche DVN-Arbeitsgruppe.[7] Die Arbeitsgruppe Omnibus beim DVN wurde in der Folge aufgelöst und der Bereich Omnibus der Arbeitsgruppe Straßenbahn unterstellt. Die Fahrzeuge verblieben beim DVN.[8]

Arbeitsgruppe Potsdam

Bis 2023 wurden die historischen Straßenbahnen der Straßenbahn Potsdam von dieser Arbeitsgruppe betreut. Die Vereinsräume befanden sich unweit des S-Bahnhofs Babelsberg. Zum Jahresende 2023 löste sich die Arbeitsgruppe des DVN offiziell auf. Die Wartung und Pflege der Potsdamer Fahrzeuge erfolgt seitdem durch den Verein Historische Straßenbahn Potsdam e. V., die zuvor bereits den Nachbau des Lindner-Triebwagens betreute.[9]

Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit / Geschichte

In der Arbeitsgruppe werden Broschüren, Beiträge und Ausstellungskonzepte zur Geschichte der Berliner Verkehrsmittel erstellt. Außerdem organisiert sie Führungen durch die Fahrzeugsammlungen sowie den Souvenirverkauf. Inzwischen wurde die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit in die Arbeitsgruppe Straßenbahn integriert.

Arbeitsgruppe U-Bahn

Von 1982 bis zur Gründung eines eigenen Vereins war auch die Arbeitsgemeinschaft Berliner U-Bahn (AGU) Bestandteil der AG 1/66 des DMV, bzw. des DVN.[10] Ziel der seinerzeit innerbetrieblichen Arbeitsgemeinschaft U-Bahn war es, historisch wertvolle U-Bahnwagen zu erhalten, aufzuarbeiten und Sonderfahrten durchzuführen. Grundlage hierfür bildete die Unterdenkmalschutzstellung des A I-Triebwagens 86 (Baujahr 1908) im Jahre 1976. Im Jahre 1988 umfasste die formelle Sammlung 20 Fahrzeuge.[11] Zum 90. U-Bahn-Jubiläum, im Februar 1992, wurde der erste aufgearbeitete Zug der Öffentlichkeit vorgestellt und 1994 erstmals zu Sonderfahrten eingesetzt. Im Zuge der Neustrukturierung der BVG wurden die historischen U-Bahnsammlungen aus Ost- und West-Berlin vereint.[12] 1996 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Berliner U-Bahn e. V. als eigenständiger Verein. Bis heute ist allerdings die historische U-Bahn im Logo des DVN-Berlin erhalten geblieben.

Aktivitäten

Der Verein bietet Führungen durch die Fahrzeugsammlungen an und organisiert Ausstellungen sowie Themenfahrten mit den historischen Fahrzeugen. In Berlin finden nahezu jeden Monat Fahrten mit historischen Straßenbahnen auf verschiedenen Routen statt. Während der Mitfahrt werden die Geschichte der Strecke sowie des Stadtviertels erläutert. In Potsdam besteht ebenfalls monatlich die Möglichkeit zur Mitfahrt u. a. im historischen Lindner-Triebwagen. Weiterhin sind die Fahrten des Glühwein-Express in der Adventszeit populär.

Literatur

  • Joachim Kubig: Aus A 277II wird Tw 10 der ehemaligen Städtischen Straßenbahn Cöpenick. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 46. Jg., Heft 3 (Mai/Juni 2019), S. 59–61.
  • Reinhard Demps: Zur Entstehung der Sammlung Historische Berliner Straßenbahnfahrzeuge der BVG. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 46. Jg., Heft 3 (Mai/Juni 2019), S. 62–67.
  • Norbert Walter, Florian Schwuttke: Vor 50 Jahren: Wiedergeburt des Cöpenicker Triebwagens 10. In: Berliner Verkehrsblätter, 66. Jg., Heft 738 (Juli 2019), S. 134–136.

Einzelnachweise

  1. a b Satzung des Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e. V. (DVN). (PDF) 1. März 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. April 2017; abgerufen am 27. September 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dvn-berlin.de
  2. Joachim Kubig: Aus A 277II wird Tw 10 der ehemaligen Städtischen Straßenbahn Cöpenick. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 46. Jg., Heft 3 (Mai/Juni 2019), S. 59–61.
  3. a b c d Straßenbahn-Gruppe im Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin bereitet Jubiläumsausstellung vor. In: Berliner Zeitung. 25. März 1997, abgerufen am 27. September 2018.
  4. Norbert Walter, Florian Schwuttke: Vor 50 Jahren: Wiedergeburt des Cöpenicker Triebwagens 10. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 7, 2019, S. 134 ff.
  5. Uwe Poppel: Betriebshof Alt-Schmöckwitz – ein Abschied. In: Arbeitskreis Berliner Nahverkehr e. V. (Hrsg.): Berliner Verkehrsblätter. Nr. 1, 2023, ISSN 0722-9399, S. 16.
  6. Historische Straßenbahnen sind in Köpenick zurück. In: Berliner Woche. 31. Juli 2015, abgerufen am 27. September 2018.
  7. Der Oldtimer Bus Verein Berlin e. V. (OBVB). In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 71, April 2018, S. 71.
  8. Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin – Arbeitsgruppe Omnibus. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. August 2018; abgerufen am 28. September 2018: „Aktuell gibt es keine Busgruppe beim DVN, der Bereich Omnibus wurde der Arbeitsgruppe Straßenbahn unterstellt. Die verbliebenen Fahrzeuge sind sicher hinterstellt.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dvn-berlin.de
  9. Kurzmeldung. In: Arbeitskreis Berliner Nahverkehr e. V. (Hrsg.): Berliner Verkehrsblätter. Nr. 3, 2024, ISSN 0722-9399, S. 62.
  10. Geschichte des Vereins. In: Website der Arbeitsgemeinschaft Berliner U-Bahn e. V. Abgerufen am 7. November 2025.
  11. Florian Schwuttke, Norbert Walter: Die Fahrzeuge der Berliner U-Bahn Typ AI. Lokomotive Fachbuchhandlung GmbH, Berlin 2024, ISBN 978-3-935909-62-4, Kap. „Historische und Museumswagen“, „Die historischen U-Bahnwagen der BVB“, S. 244–246.
  12. Florian Schwuttke, Norbert Walter: Die Fahrzeuge der Berliner U-Bahn Typ AI. Lokomotive Fachbuchhandlung GmbH, Berlin 2024, ISBN 978-3-935909-62-4, Kap. „Historische und Musemswagen“, „Der Historische Fuhrpark ab 1990“, S. 246–250.