Delairea odorata

Delairea odorata

Delairea odorata

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Delairea
Art: Delairea odorata
Wissenschaftlicher Name
Delairea odorata
Lem.

Delairea odorata, deutsch selten Kap-Efeu genannt,[1] ist eine Kletterpflanze mit Heimat in Südafrika. Die Art wurde lange Zeit als Zierpflanze verwendet und ist so in zahlreiche Regionen angepflanzt worden, aus der Kultur verwildert und als Neophyt eingebürgert. Sie verursacht heute ökologische Probleme in vielen Gebieten mit subtropischem Klima, etwa auf Hawaii und im Mittelmeerraum. Sie ist deshalb seit 2025 in der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung der Europäischen Union aufgeführt.

Merkmale

Delairea odorata ist eine krautige, im unteren Sprossabschnitt verholzende windende Kletterpflanze. Sie erreicht in Europa Wuchshöhen von 1 bis 3, ausnahmsweise bis 6 Meter,[2][1] in Australien werden sogar 5, ausnahmsweise bis 10 Meter angegeben.[3] Stängel und Blätter sind oft fleischig, schwach sukkulent.[4][5] Der kahle runde Spross erreicht etwa 10 Millimeter Durchmesser, er ist grün gefärbt, oft mit roten Striemen, und reich verzweigt.[3] Die Laubblätter sind recht lang gestielt, an der Basis geöhrt. Die Blattspreite ist handnervig (palmat), im Umriss vielgestaltig von fast kreis- über eiförmig bzw. dreieckig-eiförmig bis -nierenförmig. Sie ist immer handförmig gelappt, mit drei bis sieben, teilweise bis elf spitzen dreieckigen Lappen, dazwischen mit abgerundeten Buchten. Die Spreitenbasis ist am Grund herzförmig bis spießförmig. Die Größe der Blätter ist recht verschieden, für Südafrika werden 7 bis 8 Zentimeter,[5] für Europa und Australien 3 bis 10 Zentimeter angegeben.[2][3]

Die Blütenkörbe sitzen zahlreich (angegeben etwa 15 bis 50)[3] in reich verzweigten schirmförmigen Sammelblütenständen. Die Einzelkörbchen sind klein, sie erreichen etwa 2 bis 3[3] bzw. 5 bis 7[2] Millimeter Durchmesser. Ihre Hülle erreicht 3 bis 4 Millimeter Länge, mit 2 bis 4 zusätzlichen Außenhüllblättern von maximal halber Länge. Es sind nur Röhrenblüten ausgebildet. Die Blütenfarbe ist gelb. Die Früchte (die typischen Achänen der Korbblütler) sind etwa 2 Millimeter lang und rotbraun gefärbt,[3] sie sind fünfkantig und kahl.[1] Der weiß gefärbte Pappus ist einfach und etwa 5 bis 6 Millimeter lang.

Delairea odorata blüht in ihrer südafrikanischen Heimat von April bis Mai[6] oder Juni[5]. In Europa reicht die Blütezeit von August bis März.[1]

Die Chromosomenzahl ist 2n = 20.[2][4]

Standort

Die Art wächst in Südafrika im Wald oder an Waldrändern,[5][6] gelegentlich im Fynbos. In europäischen Regionen mit eingeschleppten Vorkommen kommt sie außerdem auch auf Ruderalflächen vor.

Probleme

In Australien fehlt die Art im Kulturland, sie dringt aber in Dünen, Hartlaubwäldern, Strauchsavannen, Galerie- und Uferwäldern bis hin zu Regenwäldern ein. Sie kann die Vegetation komplett überwuchern und Decken von etwa 30 Zentimeter Stärke ausbilden, die die natürliche Vegetation ausschatten und Bäume zum Absterben bringen können. Sie verbreitet sich sowohl über Samen wie vegetativ, über abgerissene Sprossabschnitte, die sich neu bewurzeln. Sie gilt daher als ernste Bedrohung der Biodiversität.[3] Im Mittelmeerraum ist sie weniger aggressiv, ihr Einfluss auf die Umwelt wird als von mittlerer Stärke eingeschätzt.[7]

Die Pflanze ist in vielen Regionen schon längere Zeit präsent. Sowohl für Australien wie z. B. für Portugal[8] werden erste verwilderte Vorkommen für die 1880er Jahre angegeben.

Verbreitung

In natürlicher Verbreitung ist die Art endemisch in Südafrika (unter Einschluss von Lesotho). Sie war zeitweise eine beliebte Zierpflanze und ist fast weltweit in Regionen mit ähnlichem Klima verwildert, so in Nordamerika, Australien, auf Hawaii, Madeira, den Kanaren. In Europa kommt sie verbreitet im Mittelmeerraum vor.

Taxonomie und Systematik

Die Art wurde 1844 durch den Botaniker Charles Antoine Lemaire, in einer neu aufgestellten Gattung Delairea, erstbeschrieben. Die Gattung wurde benannt zu Ehren von Eugene Delaire (1810–1856) vom Botanischen Garten Orleans, der Lemaire die Pflanzen zugesandt hatte. Die Erstbeschreibung erfolgte also anhand von Gartenpflanzen, Lemaire war kein Wildvorkommen bekannt. Er vermutete irrtümlich als Heimat der Art Mexiko. 1845 wurde die Art unter dem synonymen Namen Senecio mikanioides Otto ex Walpers in der Gattung Senecio beschrieben, nachdem sie in Südafrika entdeckt worden war.

Die Art gehört in der Familie Asteraceae, Unterfamilie Asteroideae zur Tribus Senecioneae, die etwa 150 Gattungen mit mehr als 3500 Arten umfasst. Zahlreiche Arten wurden dabei traditionell der früheren Riesengattung Senecio zugeordnet, in der über 3000 Arten beschrieben worden waren. Spätere Botaniker haben diese künstlich zusammengefügte (polyphyletische) Gattung aufgesplittet. Delairea ist in verschiedene früher zu Senecio gerechnete Gruppen eingeschachtelt.

Die Gattung Delairea galt lange Zeit als monotypisch, bis 2021 mit Delairea aparadensis überraschenderweise eine zweite Art (aus Brasilien) entdeckt worden ist.

Commons: Delairea odorata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Thomas Meyer, Michael Hassler: Gattung: Delairea (Kap- Efeu). Mittelmeer- und Alpenflora, Photo-Bestimmungsschlüssel zur Bestimmung der höheren Pflanzen des Mittelmeer- und Alpenraumes (Stand 24. September 2025).
  2. a b c d A.O. Chater and S.M. Walters: Senecio L. In T.G. Tutin, V.H. Heywood, N.A. Burges, D.M. Moore, D.H. Valentine, S.M. Walters, D.A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea, Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae). Cambridge University Press, Cambridge 1976. ISBN 0-521-08717-1. sub Senecio micanioides, S. 193.
  3. a b c d e f g Cape Ivy, German Ivy, Parlor Ivy, Italian Ivy, Ivy Groundsel, Mile-a-minute. Delairea odorata Lem. Weeds Australia, Centre for Invasive Species Solutions, Canberra, Australien. Last updated: Januar 2024.
  4. a b Bertil Nordenstam: XII. Tribe Senecioneae. In J.W. Kadereit and C. Jeffrey (editors): The Families and Genera of Vascular Plants. VIII Flowering Plants, Eudicots, Asterales. Springer, Berlin und Heidelberg 2007. ISBN 978-3-540-31050-1. 551. Delairea Lem., S. 240.
  5. a b c d Christina L. Bredenkamp: A Flora of the Eastern Cape Province. Volume 1. (Strelizia 41). South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2019. ISBN 978-1-928224-28-0. Delairea Lem., S. 483.
  6. a b John Manning and Peter Goldblatt: Plants of the Greater Cape Floristic Region 1: the Core Cape flora. (Strelitzia 29). South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2012. ISBN 978-1-919976-74-7. S. 368.
  7. S. Brunel, G. Schrader, G. Brundu, G. Fried (2010): Emerging invasive alien plants for the Mediterranean Basin. EPPO Bulletin 40: 219–238.
  8. Vasco Silva, Estrela Figueiredo, Gideon F. Smith (2015): Alien succulents naturalised and cultivated on the central west coast of Portugal. Bradleya 33: 58–81.