David Hirst (Journalist)

David John Hirst (* 26. Mai 1936 in Grange-over-Sands, Cumbria, England; † 22. September 2025 in Castelnaudary, Frankreich) war ein britischer Journalist und Auslandskorrespondent, der vor allem über den Nahen Osten berichtete. Den Großteil seiner Karriere verbrachte er in Beirut. Von 1964 bis 2001 schrieb er für den Guardian und blieb bis 2013 dort. Er galt als der „maßgebliche Korrespondent“ (“authoritative correspondent”) der Zeitung während vier Jahrzehnten des Wandels in der Region. Hirst konzentrierte sich stark auf den arabisch-israelischen Konflikt und galt als akademische Journalist verfolgte. Zu seinen Büchern gehören The Gun and the Olive Branch (1977), eine Geschichte des arabisch-israelischen Konflikts, und Beware of Small States: Lebanon, Battleground of the Middle East (Vorsicht vor kleinen Ländern: Libanon das Schlachtfeld des Mittleren Ostens, 2010).

Leben

Jugend und Ausbildung

Hirst wurde am 26. Mai 1936 in Grange-over-Sands, Cumbria, England, geboren.[1] Er besuchte die Rugby School, bevor ihn seine Wehrpflicht im Alter von 18 Jahren nach Ägypten und Zypern führte. Zwischen 1954 und 1956 lebte er im Nahen Osten und bereiste die Levante ausgiebig, er verließ sie kurz vor Ausbruch der Suezkrise. Im Rückblick auf diese Zeit bemerkte er später, er sei mit wenig Wissen über den Nahen Osten angekommen und habe „kaum den Unterschied zwischen Israelis und Arabern gekannt“ („hardly [knowing] the difference between Israelis and Arabs“). Hirst studierte anschließend an der Universität Oxford. 1959[2] kehrte er in den Libanon zurück und schrieb sich an der Amerikanischen Universität Beirut ein, wo er bis 1963 studierte und Arabisch lernte.[3]

Karriere

1964 begann Hirst für den Guardian zu schreiben. Sein Sitz war in Beirut und in Zypern. Nach 2001 verfasste er weiterhin gelegentlich Beiträge, darunter Nachrufe. Er schrieb auch für den Christian Science Monitor, The Irish Times, die St. Petersburg Times in Florida, Newsday, die San Francisco Chronicle, Middle East Eye und den Daily Star im Libanon.[3][4]

Hirst befasste sich intensiv mit dem arabisch-israelischen Konflikt.[2] Ihm wurde ein ernsthafter und akademischer Journalismus nachgesagt.[3] Seine Berichterstattung führte zu zeitweiligen Einreiseverboten für Ägypten, Syrien, Saudi-Arabien und dem Irak, nachdem er kritisch über die jeweiligen Regierungen berichtet hatte. Er war einer der wenigen Journalisten, die nach dem Angriff der syrischen Armee auf die Stadt Hama im Jahr 1982, bei dem Tausende starben, aus der Stadt berichteten. Er schrieb über „die Tiefe der Krise der bestehenden arabischen Ordnung und, speziell in Syrien, den Bankrott der regierenden Baath-Partei und ihrer selbsternannten Mission, einer gespaltenen und rückständigen arabischen Nation ‚Einheit, Freiheit und Sozialismus‘ zu bringen“. Als Beirut in den 1980er Jahren für die Entführung von Westlern durch schiitische Milizen berüchtigt wurde, wurde Hirst zweimal Opfer eines Anschlags, konnte jedoch beide Male früh genug entkommen. Im Jahr 2001 beschrieb er Jassir Arafat als von „notorischem Egoismus“ („notorious egotism“) und einer Karriere „immer größerer Moderation“ („ever-growing moderation“) geprägt. Am Tag der Hinrichtung Saddam Husseins im Jahr 2006 beschrieb Hirst ihn als „das Modell eines bestimmten Typs von Despoten in Entwicklungsländern“ („the model of a certain type of developing world despot“), dessen Hauptziel darin bestanden habe, die Macht zu ergreifen und zu behalten, und der „bei der Ausübung dieser Macht destruktiv“ („destructive in exercising it“) sei.[3]

Hirsts Geschichte des Arabisch–israelischen Konflikts, The Gun and the Olive Branch: The Roots of Violence in the Middle East, wurde 1977 veröffentlicht mit ergänzten Ausgaben 1984 und 2003. The New Republic beschrieb es als „das bösartigste antiisraelische Buch, das jemals auf Englisch von jemandem veröffentlicht wurde, der behauptet, ein seriöser Kommentator zu sein“ („the most malignantly anti-Israeli book ever to be published in English by someone who claims to be a serious commentator“). Laut The Guardian wurden leitende Redakteure regelmäßig von Beamten der israelischen Botschaft ermahnt, die Hirsts Berichterstattung als voreingenommen betrachteten.[3] Später verfasste er gemeinsam mit Irene Beeson eine Biografie des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat. Sein drittes Buch, Beware of Small States: Lebanon, Battleground of the Middle East, wurde 2010 veröffentlicht und untersucht die Rolle des Libanon im umfassenderen arabisch-israelischen Konflikt.[2]

Im November 2024 schrieb Hirst einen Artikel im Middle East Eye, in dem er die Frage aufwarf, ob Israel angesichts seiner Pläne für ein Großisrael, die religiös motiviert seien und auf dem Völkermord im Gazastreifen beruhten, „verrückt“ („going mad“) werde.[5]

Persönliches

1995 heiratete Hirst Amina, eine Anthropologin ägyptischer Herkunft.[3]

Tod und Vermächtnis

Hirst und seine Frau verbrachten das letzte Jahrzehnt seines Lebens in Frankreich. Er starb am 22. September 2025 in Castelnaudary, Aude, im Alter von 89 Jahren an Krebs.[1][3][4]

Seinem Nachruf im Guardian zufolge war Hirst während der vier Jahrzehnte des Wandels im Nahen Osten der „maßgebliche Korrespondent“ der Zeitung und berichtete über die Ereignisse vom Sechstagekrieg 1967 bis zur Rückkehr der palästinensischen Führung nach Gaza 1994. Seine Artikel wurden als „vertrauenswürdiger Schlüssel zum Verständnis der Unruhen in der Region“ („trusted key to understanding the region’s turmoil“) beschrieben.[3]

Literatur

  • Oil and Public Opinion in the Middle East. 1966. ISBN 0-571-06593-7 LCCN 66012984
  • Sadat. (mit Irene Beeson) 1981. ISBN 0-571-11690-6 LCCN 82670063
  • The Gun and the Olive Branch: The Roots of Violence in the Middle East. 1977; 2nd ed. 1984; new foreword 2003.[6] ISBN 0-571-21945-4 LCCN 77376983
  • Beware of Small States: Lebanon, Battleground of the Middle East. 2010. ISBN 978-0-571-23741-8 LCCN 2009942493
  • حذار من الدول الصغيرة: لبنان، ساحةُ معارك الشرق الأوسط (Beware of Small States: Lebanon, Battleground of the Middle East, Arabic ed.). Rimal Publications, 2013.[7] ISBN 978-9963-610-99-0

Einzelnachweise

  1. a b Laure Stephan: David Hirst, journaliste britannique, grand spécialiste du Proche-Orient, est mort. In: Le Monde. 26. September 2025, abgerufen am 26. September 2025 (französisch).
  2. a b c David Hirst: the voice of reason in Middle East journalism. In: The National. 6. August 2010, abgerufen am 4. Juni 2024 (englisch).
  3. a b c d e f g h Victoria Brittain: David Hirst obituary. In: The Guardian. 23. September 2025, abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  4. a b Alex MacDonald: Colleagues praise 'fearless' David Hirst after journalist’s death aged 89. In: Middle East Eye. 24. September 2025, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  5. David Hirst: Gaza genocide: Is Israel going mad? In: Middle East Eye. 4. November 2024, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
  6. The Gun and the Olive Branch. WorldCat, abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
  7. حذار من الدول الصغيرة: لبنان، ساحةُ معارك الشرق الأوسط. In: Rimal Publications. Archiviert vom Original am 28. Oktober 2013; abgerufen am 24. September 2025 (arabisch).