David Conrad (Kupferstecher)
David Conrad (* 1604 in Dresden, Kurfürstentum Sachsen; † nach 1680 in Dresden) war ein deutscher Kupferstecher, der im 17. Jahrhundert in Dresden und Halle (Saale) tätig war.
Leben und Werk
David Conrad wurde 1604 in Dresden geboren; sein Vater war vermutlich der gleichnamige kurfürstliche Münzdrucker († 1656). Im Jahr 1619 wurde er als Lehrling in die Goldschmiede-Innung aufgenommen. Er absolvierte eine Lehre bei Daniel Kellerthaler, den der Kunsthistoriker Paul Schumann zu den bedeutendsten Künstlern jener Zeit zählte.[1][2] Anschließend war er in seiner Heimatstadt Dresden und zeitweilig in Halle als Kupferstecher tätig.
Neben etlichen Porträtbildern bekannter Persönlichkeiten schuf Conrad auch Historienbilder und Ansichten.
Eines seiner bekannten Werke, das er im Auftrag des Rats zu Dresden anfertigte, ist eine große Kupferplatte mit einer Darstellung der Dresdner Vogelwiese am 24. Juni 1660, eines Volksfestes mit traditionellem Vogelschießen auf den Dresdner Elbwiesen.[3]
Die Kopie einer von Conrad punzierten, vergoldeten Kupferplatte mit der Darstellung eines Feuerwerks in Halle an der Saale aus dem Jahr 1671 wurde dem 1837 veröffentlichten Buch Der Sammler für Geschichte und Alterthum, Kunst und Natur im Elbthale als Tafel beigefügt. Der Autor des Beitrags wies darauf hin, dass derartige mit Punzen oder mit dem Spitzhammer gearbeitete Kupferplatten im 17. Jahrhundert üblicherweise in Prunkzimmern aufgehängt wurden und dass in der ehemaligen Kunstkammer der sächsischen Kurfürsten um die 40 solche Platten aufbewahrt wurden.[4]
Conrads Darstellung des Inneren der Dresdner Schlosskapelle aus dem Jahr 1676 mit der „Cantorey“ des kurfürstlichen Hofkapellmeisters Heinrich Schütz ist ein zeitgenössisches Dokument, das die ursprüngliche Ausstattung der Kapelle mitsamt der nicht mehr erhaltenen Orgel von Gottfried Fritzsche wiedergibt. Das Werk diente als Titelkupfer für das Geistreiche Gesangbuch, das im selben Jahr in Dresden veröffentlicht wurde und neben Psalmen und lutherischen Kirchenliedern auch Kompositionen von Heinrich Schütz enthält. Conrads Werk enthält außerdem eine – wenn auch sehr kleine – vermutlich wirklichkeitsgetreue Darstellung von Heinrich Schütz in hohem Lebensalter.[5]
Im Zuge des Wiederaufbaus des kriegszerstörten Gebäudekomplexes ab den späten 1980er Jahren konnte nach umfangreichen Vorplanungen auf der Grundlage von David Conrads Kupferstich das Schlingrippengewölbe der Schlosskapelle nachgebildet werden.[6]
David Conrads Werke befinden sich in verschiedenen Sammlungen von Museen und Archiven, etwa in der Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, in der öffentlichen Sammlung der Musikabteilung der Sächsischen Landesbibliothek oder im Kupferstichkabinett Dresden sowie in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.
Das Sterbejahr von David Conrad ist nicht bekannt. Ein letztes bekanntes Werk datiert aus dem Jahr 1681.[3]
Werke (Auswahl)
Porträts
- 1656: Kurfürst Johann Georg II. im Kurhabit
- 1659: Kurfürstin Magdalena Sibylla auf dem Totenbette[3]
- o. J.: Bildnis Heerbrand, Susanna geb. Friedelin († 1665), Ehefrau des Hofpredigers – (Link zum Bild)
- 1666: Bildnis des Valentinus Heerbrand – Hofprediger[3]
- 1666: Bildnis des Constantin Christian Dedekind (1628–1715), Dichter und Komponist – (Link zum Bild), (Link zum Bild in der ÖNB)
- 1668: Bildnis des Johann Joseph Bekkh – (Link zum Bild)
- 1668: Bildnis des Wolff Conrad von Thumbshirn (1604–1667), Jurist, Diplomat und Kanzler – Kunstsammlungen der Veste Coburg (Link zum Bild)
- 1670: Bildnis des Michael Crügenerus (1610–1682), Chemiker und Arzt – Kunstsammlungen der Veste Coburg (Link zum Bild)
- 1676: Dresdner Schloßkapelle mit Heinrich Schütz im Kreise der Kantorei – (Link zum Bild)
- 1678: Bildnis des Gottfried Schmied auf Elbersdorf, Steuerbuchhalter – (Link zum Bild)
- 1680: Johannes Theill (1608–1680), Poet, Gymnasiallehrer und Rektor in Naumburg und Bautzen – (Link zum Bild)
- o. J.: Bildnis Johannes Georgius von Schönberg (Link zum Bild)
Andere Motive
- 1660: Vogelwiese
- 1662: Die Einholungsfeier der brandenburgischen Prinzessin Erdmuthe Sophie in Dresden, den 18. Oktober 1662 – (Link zum Bild)
- 1671: Feuerwerk in Halle
- Perseus befreit Andromeda (Link zum Bild)
- Taufe Christi am Jordan[3]
- Auferstehung Jesu[3]
Literatur
- Johann Christian Hasche: Magazin der sächsischen Geschichte. Teil 4. Selbstverlag, 1787, S. 111 und 369.
- Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. VII, 1912, S. 310 (Digitalisat).
- Benezit. Dictionary of Artists, Band 3: Bülow – Cossin, Gründ, Paris 2006, ISBN 2-7000-3073-7, S. 1312.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Paul Schumann: Dresden und seine Kunststätten. Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86741-673-3, S. 140 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Neuauflage des Originals von 1909).
- ↑ Zweite Tafel: Copie einer ponzierten vergoldeten Kupferplatte von D. Conrad. In: Paul Gottlob Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, Kunst und Natur im Elbthale. Band 1. Ch. F. Grimmer, 1837, S. 744 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ a b c d e f s. Thieme-Becker, S. 310.
- ↑ „Dr. Sch.“ (vermutlich Albert Schiffner): Zweite Tafel: Copie einer ponzierten vergoldeten Kupferplatte von D. Conrad. In: Paul Gottlob Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, Kunst und Natur im Elbthale. Band 1. Ch. F. Grimmer, 1837, S. 743 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Ingo Bach: Die Bildnisse des Heinrich Schütz. In: Kulturbund der DDR (Hrsg.): Sächsische Heimatblätter. Nr. 5. Dresden 1972, S. 205–210 (Digitalisat [PDF]).
- ↑ Stefan Bürger: Re-Konstruktion eines Prozesses. Der Nachbau des Schlingrippengewölbes in der Dresdner Schlosskapelle. (Digitalisat, zuerst veröffentlicht in: Piotr Korduba, Dietmar Popp (Hrsg.): Re-Konstruktionen. Stadt, Raum, Museum = Re-konstrukcje. Miasto, przestrzeń, muzeum, Warszawa 2019, S. 239–257, DOI: doi.org/10.11588/artdok.00008011 [PDF]).