David-Zwi Pinkas
David-Zwi Pinkas (hebräisch דוד-צבי פנקס, * 5. Dezember 1895 in Sopron, Königreich Ungarn; † 14. August 1952 in Jerusalem, Israel) war ein israelischer Politiker der religiös-zionistischen Partei HaMisrachi. Er war von 1949 bis zu seinem Tod Mitglied der Knesset und 1951–1952 Verkehrsminister Israels.
Leben
Als Kind zog Pinkas mit seiner Familie innerhalb des damaligen Österreich-Ungarn von Sopron nach Wien, wo er eine höhere Schule besuchte. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und besuchte das Rabbinerseminar in Pressburg (Bratislava).[1] Er engagierte sich als religiöser Zionist bei der Jugendorganisation des Misrachi in Wien und war einer der Gründer der nationalreligiösen Bewegung Jeschurun. Als Delegierter nahm er 1923 am 13. internationalen Zionistenkongress teil.[2]
Im Jahr 1925 migrierte Pinkas ins damalige Mandatsgebiet Palästina (Alija). Dort wurde er Manager der Misrachi-Bank in Tel Aviv, von 1932 bis 1949 war er ihr Direktor. Er wurde 1932 in den Gemeinderat von Tel Aviv gewählt und leitete ab 1935 dessen Bildungsabteilung. Ab 1944 vertrat Pinkas die Misrachi-Partei in der Repräsentantenversammlung (Assefat ha-nivcharīm) der Juden Palästinas. In deren Exekutivorgan, dem Jüdischen Nationalrat, war er 1947–48[2] Schatzmeister und Direktor der Abteilung für Religionsgemeinschaften und das Rabbinat.[3]
Im Mai 1948 war Pinkas einer der 37 Erstunterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Anschließend gehörte er dem Provisorischen Staatsrat Israels an und war einer der Vorsitzenden des Sicherheitsausschusses der jüdischen Gemeinschaft im arabisch-israelischen Krieg. Bei der ersten Parlamentswahl 1949 wurde Pinkas als Abgeordneter der Vereinigten Religiösen Front (eines politischen Bündnisses der vier wichtigsten religiösen Parteien in Israel: HaMisrachi, HaPo’el haMisrachi, Agudat Jisra’el und Poalei Agudat Jisra’el) in die Knesset gewählt. Dort stand er dem Finanzausschuss vor. Von 1950 bis 1951 war er außerdem stellvertretender Bürgermeister von Tel Aviv.[2]
Bei der Parlamentswahl 1951 trat die Misrachi-Partei separat an und gewann zwei Sitze, die an Pinkas und Mordechai Nurock gingen. Im dritten Kabinett des Ministerpräsidenten David Ben-Gurion, einer Koalition der säkularen, linkszionistischen Arbeiterpartei Mapai und der religiösen Parteien, wurde Pinkas im Oktober 1951 zum Verkehrsminister ernannt.[2] In dieser Funktion war er auch für Sparmaßnahmen beim Treibstoffverbrauch verantwortlich. Er verfügte, dass alle Fahrzeuge an zwei Tage pro Woche stehen bleiben sollten, darunter am Schabbat. Dies löste Proteste von politischen Gegnern aus, welche die Maßnahme als religiösen Zwang empfanden.[3]
Im Juni 1952 entging Pinkas einem Mordversuch durch Amos Kenan und Shaltiel Ben Yair. Sie wollten damit gegen Pinkas Entscheidung protestieren, der am Schabbat jeglichen öffentlichen Nahverkehr verboten hatte.[2][4][5][4][6][7] Trotzdem starb Pinkas nach zwei Monaten an einem Herzschlag. Er wurde auf dem Trumpeldor-Friedhof (hebräisch בית הקברות טרומפלדור) in Tel Aviv begraben. Das nach ihm benannte Ramat Pinkas (hebräisch רָמַת פִּנְקָס), ist heute Teil von Or Yehuda.
Einzelnachweise
- ↑ Who’s Who Israel, 1952, S. 721.
- ↑ a b c d e David-Zvi Pinkas auf der Webseite der Knesset, abgerufen am 2. Februar 2025 (englisch)
- ↑ a b PINKAS, DAVID ẒVI, Encyclopaedia Judaica.
- ↑ a b Tom Segev, Arlen Neal Weinstein: 1949: The First Israelis. Macmillan, 1998, S. 230–231.
- ↑ Yossi Melman, Dan Raviv: Every Spy a Prince: The Complete History of Israel's Intelligence Community. Houghton Mifflin, 1990, S. 136–137.
- ↑ William Grimes: Amos Kenan, Israeli Writer and Iconoclast, Dies at 82. In: The New York Times. 6. August 2009, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 8. September 2009]).
- ↑ Murder on Rothschild Boulevard Haaretz, 16 July 2009.