Das Ungesagte

Film
Titel Das Ungesagte
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 149 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Patricia Hector,
Lothar Herzog
Kamera Lothar Herzog
Schnitt Lothar Herzog, Adrienne Hudson, Victor Pequeño

Das Ungesagte ist ein deutscher Dokumentarfilm von Patricia Hector und Lothar Herzog. Er feierte auf den 59. Hofer Filmtagen im Oktober 2025 Premiere und gewann dort den Preis für den besten Dokumentarfilm aus dem D-A-CH-Raum. Seine internationale Premiere feierte der Film auf dem Mar del Plata Filmfestival.[2] Der deutsche Kinostart des Films fand am 6. November 2025 statt.

Handlung

Der Film besteht aus thematisch geordneten Interviewstrecken mit elf Protagonistinnen und Protagonisten, die in den 1920er- und 1930er-Jahren geboren wurden. Sie waren bei Erscheinen des Films also alle um die 90 bis 100 Jahre alt und haben die Zeit des Nationalsozialismus bewusst erlebt. Der Film ist in die Kapitel „Die Begeisterung“, „Der Hass“, „Der Krieg“, „Das Schweigen“ und „Das Erbe“ eingeteilt. Zwischen den Interviewszenen sind in langen, ruhigen Einstellungen Landschaftsaufnahmen zu sehen. Außerdem werden zeitgenössische Dokumentaraufnahmen gezeigt, teils aus Privatarchiven.

Fast alle Interviewten standen als Jugendliche dem Nationalsozialismus positiv gegenüber, sie schildern die Aufbruchsstimmung in den 1930er-Jahren und die Kameradschaft, die sie als Mitglieder von Hitlerjugend und BDM genossen. Die zwei jüdischen Zeitzeugen berichten dagegen von Anfeindungen, Spießrutenlauf-artigen Situationen während des Schulwegs, vom Verlust von Hab und Gut und davon, welches Leid sie und ihre Familien in Konzentrations- und Internierungslagern erfuhren. Auch die nichtjüdischen Protagonisten erinnern sich an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, beschreiben sie jedoch wie etwas, das weit entfernten Fremden zugestoßen ist. An ihre Soldatenzeit erinnern sich die Männer dagegen intensiv, sie berichten teils traumatische Erlebnisse.

Im letzten Filmkapitel berichten viele der Zeitzeugen, nach dem Krieg nicht nach ihren Erlebnissen gefragt worden zu sein. Seine Kinder hätten nicht nachgefragt, und den Enkeln habe er seine Erlebnisse nicht erzählen wollen, so einer der Interviewten. Eine Protagonistin, die anfangs von der Gefühlskälte ihrer Eltern berichtet hatte, gibt an, selbst ein kühles Verhältnis zu ihrem Sohn etabliert zu haben. Die Frage nach Schamgefühlen über das in der Nazizeit Geschehene verneinen die meisten.

Produktion

Die Filmemacher fanden einige der drei Protagonistinnen und acht Protagonisten ihres Films im privaten Umfeld. Andere meldeten sich nach Aufrufen in „Sütterlinstuben“, wo auf ehrenamtlicher Basis in Sütterlinschrift verfasste Briefe transkribiert werden.[3]

Viele der Zeitzeugen hatten bis zu den Film-Interviews noch nie über ihre Erlebnisse während der Nazizeit gesprochen. Die ausgebildete Psychologin Patricia Hector bereitete die Gespräche ausführlich vor. Ziel der beiden Filmemacher war, verdrängte Gefühle der Befragten zu „reaktivieren“ und auch für Interviewpartner unangenehme Fragen zu stellen.[3]

Da der Film ohne Erklärtexte und Einordnungen auskommen sollte, entschieden sich Hector und Herzog, nicht nur Befürworter des Nazi-Regimes zu interviewen, sondern auch dessen Opfer zu Wort kommen lassen.[3] Nur vereinzelt fragen die Filmemacher aus dem Off nach, z. B. als sich einer der Protagonisten an eine Beobachtung, die er bereits zu Protokoll gegeben hat, nicht mehr erinnern kann.[4]

Rezeption

In einer Meldung des SWR wird Das Ungesagte als „teilweise erschütterndes Zeitdokument über die blinden Flecken und verdrängten Schuldgefühle auf Seiten der damaligen Mehrheitsgesellschaft“ beschrieben.[3]

In einer Besprechung auf Programmkino.de bezeichnet Michael Meyns Das Ungesagte als „spröden Dokumentarfilm“. Es handle sich um eines der letzten Dokumente, in dem die Generation der in den 1920er-Jahren Geborenen zum Dritten Reich befragt werden konnte.[4]

Der Historiker Bernward Dörner beschreibt im Begleitheft zum Film, wie die elf Befragten während der Interviews sichtbar „mit sich und ihrer Erinnerung“ ringen. Der Film lasse das verdrängte Wissen im Ungesagten aufscheinen und sei damit eine wichtige Quelle „im Kampf gegen das Vergessen“.[5]

Im Filmdienst fragt Ulrich Kriest, „ob mehr Struktur und Kontext dem Film nicht zu einer klareren, wirkungsvolleren Dynamik verholfen hätten.“ So werde die Auswahl der Zeitzeuginnen und -zeugen und deren Herkunft nicht transparent gemacht. Widersprüche in den Aussagen der Interviewten würden nicht angesprochen. Das Ungesagte präsentiere „nicht das Ungesagte, sondern den über Jahrzehnte etablierten Diskurs, der zwischen dem subjektiv Erlebten und dem Sagbaren vermittelt, ohne dabei auf individuelle Schuld und Scham zu rekurrieren.“[6]

Auszeichnungen

  • 2025: Granit-Preis der 59. Hofer Filmtage für den besten langen Dokumentarfilm aus DACH-Produktion[7]

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Das Ungesagte. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 270232).Vorlage:FSK/Wartung/typ gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Toda la programacion del Festival Internacional de Cine Mar del Plata 2025. In: EscribiendoCine. Archiviert vom Original; abgerufen am 30. Oktober 2025 (spanisch).
  3. a b c d Kampf gegen das Vergessen – der Film „Das Ungesagte“ lässt Zeitzeugen der NS-Zeit zu Wort kommen. In: Südwestrundfunk (SWR). 24. Oktober 2025, archiviert vom Original; abgerufen am 28. Oktober 2025.
  4. a b Michael Meyns: Das Ungesagte. In: Programmkino.de. 14. Oktober 2025, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  5. Bernward Dörner: „Das Ungesagte“ In deutschen Wohnzimmern. aus dem Presseheft von „Das Ungesagte“. In: https://www.im-film.de. 2025, archiviert vom Original; abgerufen am 28. Oktober 2025.
  6. Ulrich Kriest: Das Ungesagte. In: Filmdienst. Archiviert vom Original; abgerufen am 9. November 2025.
  7. Preisregen bei den Filmtagen. In: Internationale Hofer Filmtage. Abgerufen am 28. Oktober 2025.