Das Jahr 2440: ein Traum aller Träume

Das Jahr 2440: ein Traum aller Träume (französisch L’An 2440, rêve s’il en fut jamais) ist ein 1771 erschienener Roman des Autors Louis-Sébastien Mercier.

L’An 2440 ist ein sozial-kulturell orientierter utopischer Roman, in dem die Realität des französischen Absolutismus dem Ideal einer freien, auf vernünftigen Übereinkünften basierenden Gesellschaft gegenübergestellt wird. Dabei nimmt die Kritik der bestehenden Zustände und der herrschenden Schicht, der das Schicksal der „Massen“ egal ist, einen großen Teil ein.

Inhalt

Der Ich-Erzähler des Romans schläft im Paris des Jahres 1769 ein und erwacht im Jahr 2440 als alter Mann. Vor seiner Tür erwartet ihn ein Paris, in dem nach einer erfolgreichen und friedlichen Revolution Vernunft und Gemeingeist herrschen. Die Aristokratie der Zukunft unterscheidet sich wesentlich von der verschwenderischen Aristokratie aus der Zeit des Autors, der König ist vorderst um das Wohl des Volkes bemüht, der Kronprinz, der Dauphin wird von einem Handwerker erzogen, ohne über seine Herkunft Bescheid zu wissen, und erst mit der Volljährigkeit darüber in Kenntnis gesetzt. Wohlhabende Fürsten lassen die Armen kostenlos an ihren Höfen speisen und begegnen den Nichtadeligen nicht mit Gleichgültigkeit. Die Bürger zahlen freiwillig mehr Steuern als verlangt wird, die Religion hat die Form einer Vernunftlehre angenommen, das Strafrecht wurde stark abgemildert, und die Welt ist allgemein friedlicher geworden. Weitere positive Veränderungen werden angedeutet, etwa durch eine Statue in Paris, welche einem ehemaligen Sklaven gewidmet ist der die Sklaverei abschaffen konnte.

Im Gegensatz zu den positiven Neuerungen des Jahres 2440 stehen ein umfangreiches Spitzelwesen, welches Sozialmissbrauch verfolgen soll, so wie eine umfassende moralisch bestimmte Zensur. Eine Vernichtung der Schriften minderer, oder zweifelhafter Qualität, großer Schriftsteller, durch das Verbrennen dieser Werke, wird etwa als Veredelung des Gesamtwerkes angesehen. Diese autoritäre Bevormundung wird von den Menschen der Zukunft, aber nicht als Solche wahrgenommen, sondern als nötig, für das Funktionieren der Gesellschaft, angenommen.

Der technische Fortschritt im Roman nimmt, im Gegensatz zum gesellschaftlichen Fortschritt, nur wenig Platz ein, und im Jahr 2440 ist er sehr bescheiden, so ist Das Pferd etwa immer noch nicht durch ein selbstfahrendes Fahrzeug ersetzt worden.

Rezeption

Der Roman gilt als Schnittstelle zwischen der utopischen Literatur und dem sich im 18./19. Jahrhundert langsam entwickelnden Science-Fiction-Genre; da Mercier seine Geschichte, anders als Autoren älterer utopischer Romane, in der Zukunft der eigenen Stadt und des eigenen Landes statt an einem fernen, sozusagen alternativen Ort ansiedelte, wirkten die von ihm gemachten Vorschläge direkter, was den Roman zudem auch in den politischen Raum bewegte.

L’An 2440 war zu seiner Zeit ein sehr erfolgreicher Roman, der auch in anderen europäischen Ländern Beachtung fand; besonders in Deutschland begeisterten sich zahlreiche Schriftsteller für die soziale Utopie Merciers.

Ausgaben

Literatur