Dan T. Nishikawa
Dan Toru Nishikawa (* 2. Januar 1906 in Honolulu, Hawaii; † 2. Juni 1991 ebenda) war ein US-amerikanischer Musiker und Orchesterleiter japanischer Herkunft. Er erfuhr die Internierung japanischstämmiger US-Bürger in Hawaii während des Zweiten Weltkriegs. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Zeichnungen, handwerklichen Arbeiten und schriftlichen Erinnerungen aus den Internierungslagern Sand Island und Honouliuli.[1][2]
Leben
Dan Nishikawa wurde 1906 in Honolulu als Sohn japanischer Einwanderer geboren. Wie viele Kinder seiner Generation verbrachte er seine Jugend in Japan, wohin er zu seinen Großeltern geschickt worden war. Nach dem Abschluss der Oberschule besuchte er die Aoyama-Gakuin-Universität in Tokio. 1926 kehrte er nach rund zwanzig Jahren nach Hawaii zurück. In Honolulu absolvierte er ein Englischstudium am Mid-Pacific Institute und arbeitete anschließend im Trockenwarenhandel seines Vaters, der Kunden auf Kauaʻi, Maui und Molokaʻi belieferte. Die Weltwirtschaftskrise führte 1932 zur Schließung des Familienunternehmens. In der Folgezeit war Dan Nishikawa als Vertreter für die japanischsprachige Zeitung Nippu Jiji tätig und betreute den zentralen Bezirk Oʻahu. Er heiratete Grace Togawa und hatte mit ihr einen Sohn namens Albert.[1]
Dan Nishikawa war ein vielseitiger Musiker. 1928 gründete er mit dem Nippon Gengakuden (Nippon Orchestra) das erste japanische Orchester in Hawaii, das er als Dirigent leitete. Das Ensemble spielte sowohl japanische als auch westliche Musik, einschließlich klassischer Werke und Tanzmusik. Das Orchester wurde das Hausorchester des Nippon-Theaters und begleitete dort Stummfilmvorführungen. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden über ein Dutzend weitere japanische Orchester nach diesem Vorbild. Bereits seit 1927 trat Dan Nishikawa regelmäßig in einer wöchentlichen Musiksendung des Radiosenders KGU auf, in der er vor allem Mundharmonika spielte. Zudem war er als Juror bei Gesangswettbewerben aktiv und komponierte eigene Lieder.[1]
Internierung im Zweiten Weltkrieg
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941 wurde Dan Nishikawa, wie viele andere Mitarbeiter der Nippu Jiji auch, vom FBI befragt und im Mai 1942 interniert.[2] Er vermutete, dass seine beruflich bedingten Besuche im japanischen Konsulat zu einem Verdachtsmoment geführt hatten. Während der Internierung wurde auch die Nähschule seiner Frau geschlossen. Die Familie musste all ihre Besitztümer – darunter auch ihre Orchideenaufzucht – verkaufen und schließlich bei Verwandten einziehen. Dan Nishikawa verbrachte fast zwei Jahre in den Internierungslagern Sand Island und Honouliuli. Aufgrund seiner Zweisprachigkeit übernahm er organisatorische Aufgaben, darunter die eines Barackenleiters in Sand Island und die eines Speisesaal-Koordinators in Honouliuli. Zudem arbeitete er als Übersetzer für koreanische Kriegsgefangene. Um den Lageralltag zu überstehen, fertigte er gemeinsam mit anderen Gefangenen Kunsthandwerk aus Muscheln und Alltagsmaterialien. Aus dieser Zeit stammen seine zahlreichen Zeichnungen des Lagerlebens, die heute zu den wenigen bildlichen Quellen der hawaiischen Internierungslager zählen. Dan Nishikawa prägte zudem die Bezeichnung “Jigokudani” (deutsch „Höllental“) für das Lager Honouliuli.[1]
Spätere Jahre
Nach seiner Freilassung aus dem Internierungslager durfte Dan Nishikawa Honolulu zunächst nicht verlassen und fand bei einem Freund Unterkunft. Er arbeitete als Mechanikergehilfe bei der Dole Pineapple Company und färbte abends Fotonegative ein. Zwar gründete er kein neues Orchester, blieb aber in der lokalen Musikszene präsent, unter anderem als Juror bei Wettbewerben. Zudem wirkte er an einer lokalen Schallplattenproduktion eines Liedes über eine japanische Kriegsbraut in Hawaii mit. 1970 trat er in den Ruhestand. Mit dem Aufkommen der Redress-Bewegung[3] in den 1980er Jahren wurde er zu einem wichtigen Sprecher ehemaliger Internierter. Vor der “Commission on Wartime Relocation and Internment of Civilians” (CWRIC) reichte er schriftliche Erklärungen ein, in denen er die Lebensbedingungen in den Lagern schilderte und Entschädigungen forderte.[1]
Dan Nishikawa starb 1991 im Alter von 85 Jahren in Honolulu. Seine schriftlichen Berichte, Fotografien, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Arbeiten befinden sich heute im Japanese Cultural Center of Hawaiʻi. Teile seines Nachlasses wurden in den Ausstellungen “Dark Clouds Over Paradise: The Hawaiʻi Internees Story” (2004, 2006) und “Right from Wrong: Learning the Lessons of Honouliuli” (2011) präsentiert.[1]
Literatur
- Hirayama, Laura: Day of Remembrance, in: Hawaii Herald, 19. Februar 1982.
- The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945. Los Angeles 1992.
Weblinks
- Eintrag zu Dan T. Nishikawa in der Densho Encyclopedia
- Dan Toru Nishikawa archival collection
- Japanese Cultural Center of Hawai'i: Archival Collections
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Dan T. Nishikawa | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 13. August 2025; abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Nishikawa, Dan Toru. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Home Page. Abgerufen am 16. November 2025 (amerikanisches Englisch).