Dan Pelleg
Dan Pelleg (* 16. Januar 1969 Tel Aviv)[1] ist ein in Israel geborener, in Deutschland lebender Choreograf und Tänzer.[2][3] Er ist künstlerischer Co-Leiter der 1999 gegründeten zeitgenössischen Tanzkompanie wee dance company.[4][5] Von August 2011 bis August 2024 war Pelleg Chefchoreograf am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau.[6][7][8]
Leben
Dan Pelleg wurde in Tel Aviv, Israel, geboren.[9][10] Sein Vater, ein Architekt,[3][7] und seine Mutter waren 1963 mit Pellegs beiden älteren Geschwistern aus Südafrika nach Israel eingewandert.[2] In Tel Aviv lernte Pelleg Bühnentanz und Gesang und nahm anschließend am von Yehuda Elkana geleiteten Adi Lautman Interdisciplinary Program for Outstanding Students an der Universität Tel Aviv teil.[11][4][6] 1996 zog er nach Berlin.[12][10]
Künstlerische Laufbahn
Als Tänzer
Pelleg begann seine Karriere beim Batsheva Ensemble, der Nachwuchskompanie der Batsheva Dance Company unter der Leitung von Ohad Naharin und Naomi Perlov.[13][14][3]
Nach seinem Umzug nach Berlin arbeitete Pelleg als Tänzer unter anderem in Produktionen von Stephan Thiel,[15] Christoph Winkler,[16] Tomi Paasonen,[17] Norbert Servos,[18] Elisabeth Orlowsky,[19] sowie der toladá dance company.[20] Unter der Leitung von Sommer Ulrickson trat Pelleg auch international beim 92nd Street Y in New York[21] sowie an der Opéra-Comique in Paris auf.[4][22] Darüber hinaus übernahm Pelleg in der Zusammenarbeit mit Ulrickson sowie mit dem Regisseur und Autor Kai Grehn auch Gesangsrollen.[23][24][25]
wee dance company
1999 gründete Pelleg gemeinsam mit Marko E. Weigert und Sommer Ulrickson die wee dance company,[4][5] die international auftritt und rezipiert wird.[26][27][28] In der deutschen sowie internationalen Fachpresse wurde über die Kompanie mehrfach berichtet,[29][30][31][26][27][28] wobei sie unter anderem als substanzreich und vielseitig bezeichnet wurde.[32] In einer französischen Tageszeitung wurde sie zudem als besonders innovative moderne Tanzkompanie hervorgehoben.[33] 2006 erhielt die Kompanie den Publikumspreis beim Internationalen Wettbewerb für Choreographie in Hannover.[34][11][6]
Gastarbeiten und Kooperationen
Neben seiner Arbeit für die wee dance company war Pelleg als Gastchoreograf an verschiedenen Theatern tätig. 2006 schuf er für das Theater Vorpommern die Choreografie simplest.[12] 2008 choreografierte er unter der Regie von Dedi Baron Mozarts Die Entführung aus dem Serail am Theater Kiel.[35] Im selben Jahr arbeitete er gemeinsam mit Marko E. Weigert als Gast für das Saarländische Staatsballett.[10] 2009 war Pelleg zusammen mit Weigert unter der Regie von Sebastian Ritschel choreografisch an der Welturaufführung der Oper Linkerhand von Moritz Eggert beteiligt.[7][36]
Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
2011 berief der damalige Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau, Klaus Arauner, Pelleg zum Chefchoreografen des Hauses.[37][38] Gemeinsam mit Marko E. Weigert, der als Ballettdirektor tätig war, folgte er auf Gundula Peuthert; beide bekleideten ihre Funktionen über einen Zeitraum von 13 Jahren.
In der Presse wurden den Arbeiten von Pelleg und Weigert ein markanter Tanzstil sowie philosophische Bezüge zu Ludwig Wittgenstein, Michel Foucault und Erich Fromm zugeschrieben.[7] Zuletzt wurde ihre Inszenierung von Leonard Bernsteins Peter Pan, die in der Rezeption als erste Tanzinterpretation des Werks gilt,[39][7][40] besonders beachtet[41][42][43][44][37] und unter anderem als „einen Meilenstein in der Tanz- und Musikgeschichte des [Gerhart-Hauptmann-]Theaters“ beschrieben.[39]
Stücke (Auswahl)
(Choreografien und Inszenierungen)
- 1999: Risiken und Nebenwirkungen – Choreografie, Tanztage Berlin[45]
- 2006: simplest – Choreografie, Ballett des Theater Vorpommern[12]
- 2008: Die Entführung aus dem Serail (W. A. Mozart) – Choreografie, Theater Kiel, mus. Leitung: Johannes Willig, Regie: Dedi Baron[35]
- 2012: Tanz. Ein Schauspiel – Text und Choreografie, Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau[46]
- 2014: Romeo und Julia (Sergei Prokofjew) – Choreografie, gemeinsam mit Marko E. Weigert,[47][36][48] mus. Leitung: Andrea Sanguineti[29]
- 2024: Peter Pan (Leonard Bernstein) – Inszenierung und Choreografie, gemeinsam mit Marko E. Weigert, mus. Leitung: Ewa Strusińska[40]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag bei operabase.com
- ↑ a b „Ostern und Israel: Das berührt den Görlitzer Tanzchef Dan Pelleg in diesem Jahr besonders“, Sächsische Zeitung, 30.03.2024
- ↑ a b c Warum zwei Görlitzer in Israel auf die Straße gehen, Sächsische Zeitung, 04.08.2023
- ↑ a b c d Dan Pelleg, Oper Frankfurt
- ↑ a b Dan Pelleg / Kurzbiografie, tanz-digital
- ↑ a b c Dan Pelleg, Komische Oper Berlin
- ↑ a b c d e „Nach 13 Jahren: Tanzkompanie-Gründer verlassen Stadttheater Görlitz“, Dresdner Neueste Nachrichten, 26.07.2024
- ↑ Dan Pelleg/Marko E. Weigert «Silber – ein Vierteljahrhundert Tanz», Zeitschrift tanz / Der Theaterverlag, 29.05.2024
- ↑ Nach Görlitz getanzt Sächsische Zeitung, 25.10.2019
- ↑ a b c Leidenschaft und Begabung für Bewegung, Saarbrücker Zeitung, 29.09.2008
- ↑ a b 19. Internationale Aidstanzgala, Theater Regensburg, 12.11.2022 (S. 28)
- ↑ a b c Ballett bot metropolenreife Vorstellung, Greifswalder Zeitung, 23.05.2006
- ↑ Programmheft Anaphase von Ohad Naharin, Archiv der Batsheva Dance Company, Dezember 1993 (S. 6)
- ↑ Programmheft Perpetuum von Ohad Naharin, Archiv der Batsheva Dance Company, März 1995 (S. 2)
- ↑ Oops, ich hab’s schon wieder getan, Tagesspiegel, 19.11.2010
- ↑ Dan Pelleg, Christoph Winkler
- ↑ FOLIE – A short film, Tomi Paasonen
- ↑ Weiß und Rot von Norbert Servos, Athen, Archiv Mime Zentrum Berlin
- ↑ Die hypnotisierte Kröte, Elisabeth Orlowsky, Compagnie Smafu
- ↑ Dan Pelleg: Gastchoreograf / Vita, Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
- ↑ Love in Fragments, The 92nd Street Y, New York, 06.03.2019
- ↑ Samson von Jean-Philippe Rameau, Opéra-Comique, Abs. „Cast“
- ↑ Wuselig-gruslige Albträume – Grotestkes Musical im Globe Theater Schwäbisch Hall, Südwest Presse, 29.07.2013
- ↑ Veranstaltungen im Juli 2011 / Edmond Jabès: Das Buch der Fragen: Hörspiel // Lesung // Gesang // Tanz, Jüdisches Museum Berlin, 20.06.2011
- ↑ JAKOB VON GUNTEN, Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman, Kai Grehn
- ↑ a b Dance on the Hudson: top picks from the Battery Dance Festival, bachtrack, 22.08.2024
- ↑ a b Dance Review: Berlin Jaffa Back and Forth, The Jerusalem Post, 30.03.2011
- ↑ a b wee dance company im Moskauer Festival „Rampa Moskvy“, Ballet Magazine, Mai 2006 (S. 10)
- ↑ a b „Romeo und Julia“ – Musik von Sergej Prokofjew, Choreografie von Dan Pelleg und Marko E. Weigert, Theaterkompass, 18.01.2014
- ↑ Tanz pur mit all seinen Facetten geboten – Weiteres Glanzlicht bei Theatersommer, Rhein Zeitung, September 2012
- ↑ Bringen Sie doch einfach Ihre Zeit zurück, Kulturkreis Kassel, 30.03.2006
- ↑ Feinfühlige Porträts schüchtern Verliebter, tanznetz.de, 06.09.2007
- ↑ „Görlitz ou l’envers du décor d’un « modèle » étrangleur“, L’Humanité, 02.03.2015
- ↑ Ballett Gesellschaft Hannover, Ehemalige Preisträger und Preisträgerinnen / 20. Internationaler Wettbewerb für Choreographie (2006)
- ↑ a b Mozarts ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL im Theater Kiel, Theaterkompass, 01.03.2008
- ↑ a b Abschied vom Görlitzer Theater: Die zehn unvergesslichen Momente der Tanzchefs, Sächsische Zeitung, 26.05.2024
- ↑ a b Scheidende Görlitzer Tanzchefs landen großen Coup zum Abschied, Sächsische Zeitung, 01.11.2023
- ↑ Ende von Choreografen-Duo am Görlitzer Theater gibt Rätsel auf, Sächsische Zeitung, 24.07.2023
- ↑ a b Ein Tanzstück für Familien, Oberlausitzer Kurier, 19.04.2025 (S. 6)
- ↑ a b Leonard Bernsteins Tanzstück „Peter Pan“, Theaterkompass, 17.01.2024
- ↑ GÖRLITZ: Peter Pan von der Straße, Käpt’n Hook aus dem Nachbarzimmer, das Orchester, April 2024 (S. 55)
- ↑ Peter Pan, Boosey & Hawkes | Sikorski: Das Magazin, Sommer 2024 (Jacques Offenbach aktuell) (S. 10)
- ↑ Wie die Görlitzer zu zwei „Peter Pan“-Jungs kamen, Sächsische Zeitung, 29.02.2024
- ↑ Görlitzer Theater macht Peter Pan zum Straßenjungen, Sächsische Zeitung, 20.01.2024
- ↑ Risiken und Nebenwirkungen im Archiv des Mime Zentrum Berlin
- ↑ Eine Lecture-Demonstration in Sachen Tanz, Die Deutsche Bühne, 23.01.2012
- ↑ ROMEO UND JULIA (nominiert durch Gerhart Hauptmann Theater), Ursula-Cain-Preis / Der sächsische Tanzpreis, 2014
- ↑ Welche Tendenzen kennzeichnen die in Sachsen gerade zu Ende gegangene Tanztheater-Spielzeit 2013/14?, Sächsische Zeitung, 04.082014