Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanal
| Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanal DKW-Kanal | ||
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Steg und früheres Wehr knapp oberhalb der Mündung | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | DE: 23548 | |
| Lage | Mittleres Oberrheintiefland
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| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Rench-Flutkanal → Rench → Rhein → Nordsee | |
| Entstehung | Zusammenfluss von Kammbach und Neugraben westlich von Urloffen 48° 33′ 22″ N, 7° 57′ 3″ O | |
| Quellhöhe | ca. 140 m ü. NHN[2.1] | |
| Mündung | in den Rench-Flutkanal unterhalb des Regulierwehrs westlich von WagshurstKoordinaten: 48° 36′ 46″ N, 7° 57′ 51″ O 48° 36′ 46″ N, 7° 57′ 51″ O | |
| Mündungshöhe | ca. 135 m ü. NHN[2.1] | |
| Höhenunterschied | ca. 5 m | |
| Sohlgefälle | ca. 0,65 ‰ | |
| Länge | 7,7 km[2.2] | |
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Abzweig des Kammbachs vom DKW-Kanal | ||
Der Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanal, häufig abgekürzt DKW-Kanal, ist ein zum Hochwasserschutz gebauter Kanal im Norden des baden-württembergischen Ortenaukreises. Er leitet die Abflüsse der drei namensgebenden Bäche zum Rench-Flutkanal und damit zur Rench. Der Kanal wurde in den 1950er Jahren im Zuge der Acher-Rench-Korrektion gebaut.
Geographie
Oberläufe
Der DKW-Kanal entsteht gut einen Kilometer westlich des Appenweirer Ortsteils Urloffen durch den Zusammenfluss von Kammbach und Neugraben. Die drei namensgebenden Gewässer haben ihre Quellen im Schwarzwald oder seinen Vorbergen und treten zwischen Offenburg und Appenweier in die Oberrheinebene ein:
- Der 14,53 km[2.3] lange Kammbach hat ein Einzugsgebiet von 24,05 km².[2.4] Seine Quelle liegt östlich von Zell-Weierbach; bei Rammersweier (beides Stadtteile von Offenburg) tritt er in die Rheinebene ein und wechselt von westlicher auf nördliche Fließrichtung.
- Der 18,47 km lange Durbach hat eine Einzugsgebiet von 29,13 km². Seine Quelle liegt nordwestlich des Mooskopfs (871 m ü. NHN). Nach nordwestlichem Lauf durch die Gemeinde Durbach tritt er zwischen Ebersweier (zu Durbach) und Windschläg (zu Offenburg) in die Rheinebene ein, wendet sich nach Norden und trägt zuletzt den Namen Neugraben.
- Der Wannenbach ist 8,61 km lang und hat ein Einzugsgebiet von 15,03 km². Seine Quelle liegt beim Weiler Kohlstatt, der zum Appenweirer Ortsteil Nesselried gehört. Nach westnordwestlichem Lauf tritt der Bach bei Appenweier in die Rheinebene ein und mündet knapp einen Kilometer oberhalb des Anfangs des DKW-Kanals in den Durbach.
Verlauf
Nördliche Richtung einschlagend, tritt der DKW-Kanal nach gut 600 Meter in einen Ausläufer des Korker Waldes ein, durch den er unweit des östlichen Waldrandes in einer Schneise verläuft. Laut der Biotopkartierung von 2009 wurde der Kanal wenige Jahre zuvor etwas renaturiert; er verläuft leicht schlängelnd und relativ naturnah in einem 5 bis 7 Meter breiten Bett. Die Ufer sind gleichförmig, aber unbefestigt; die Sohle ist schlammig bis kiesig. Durch die fehlende Beschattung ist der Wasserlauf stark von flutenden Wasserpflanzen wie Wasserpest, Wasserstern und Tausendblatt bewachsen. Der Kanal wird von schmalen Röhrichtstreifen gesäumt.[2.5] Am Kanal wurden 2019 Exemplare der streng geschützten Libellenart Grüne Flussjungfer nachgewiesen.[2.6]
Zuvor auf kürzerer Strecke am Waldrand verlaufend, wird der Kanal ab der zweiten Waldwegbrücke (Straße Nr. 23) von Dämmen begleitet. Die zunächst unscheinbaren Dämme erreichen an der Mündung eine Höhe von über 2 Meter;[2.1] sie schützen auch vor Rückstau des Rench-Flutkanals.
Rund 4,7 Kilometer unterhalb des Kanalanfangs zweigt nach links der untere Teil des Kammbachs ab. Die Verzweigung ist so gestaltet, dass der Trockenwetterabfluss überwiegend in den Kammbach fließt, höhere Abflüsse aber im DKW-Kanal bleiben. Der Kammbach verläuft anfänglich als rund 6 Meter breiter, rasch fließender und mäandrierender Bach durch den Korker Wald;[2.7] er mündet nach knapp 6 Kilometer südlich von Rheinbischofsheim in den Holchenbach, der über den Mühlbach dem Rhein zufließt.
Unterhalb des Kammbach-Abzweigs wird der DKW-Kanal vom Holchenbach (lokal auch Stangenbach) in einem Düker unterquert. Ungefähr am Düker verlässt der Kanal den Korker Wald. Im weiteren Verlauf liegt am linken Kanalufer ein renaturierter Abschnitt des Holchenbachs. Am rechten Ufer schließt das bewaldete Hochwasserrückhaltebecken Holchen an, mit dem der Abfluss im Rench-Flutkanal reduziert werden kann. Auf dem letzten Kilometer in östliche Richtung verlaufend, mündet der DKW-Kanal direkt unterhalb des Regulierwehrs im Rench-Flutkanal von links in den Flutkanal. Der Rench-Flutkanal läuft nach knapp 8 Kilometern der Rench zu, die nach weiteren gut 5 Kilometer nördlich von Helmlingen dem Rhein zufließt.
Der DKW-Kanal ist etwa 7,7 Kilometer lang, hat ein mittleres Sohlgefälle von etwa 0,6 ‰; die Mündung liegt etwa 5 Höhenmeter unterhalb des Anfangs.
Zuflüsse, Einzugsgebiet und Schutzgebiete
Im Amtlichen Digitalen Wasserwirtschaftlichen Gewässernetz (AWGN) sind zwei Zuflüsse des DKW-Kanals ausgewiesen:
- Der 1,6 Kilometer lange Kreuzmattengraben durchfließt eine überwiegend als Wiesen genutzte Fläche westlich des Kanalanfangs. Er mündet am Rand des Korker Waldes von links in den DKW-Kanal.
- Der 1,3 Kilometer lange Sandmattgraben zweigt vom Durbach/Neugraben nach rechts ab und mündet am Rand des Korker Waldes von rechts in den DKW-Kanal.[2.3]
Dem DKW-Kanal ist ein 2,071 km² großes Einzugsgebiet zugeordnet. Es umfasst die von seinen beiden Zuflüssen entwässerten Flächen, den südlichen Korker Wald, soweit er östlich des Kanals liegt, und einen ungefähr 25 Meter breiten Geländestreifen beidseits des weiteren Kanalverlaufs. Die östlich anschließenden Flächen sind überwiegend dem Holchenbach/Stangenbach zugeordnet; die Flächen westlich gehören zum Einzugsgebiet des unteren Kammbachs.[2.4]
Der Gesamtlauf des DKW-Kanals liegt in Vogelschutzgebieten, namentlich Kammbach-Niederung, Korker Wald und Renchniederung.[2.8]
Geschichte
Der DKW-Kanal entstand bei der Acher-Rench-Korrektion (Areko), einer zwischen 1936 und 1967 durchgeführten wasserbaulichen Maßnahme, mit der der Hochwasserschutz im Gebiet von Acher und Rench verbessert und die landwirtschaftlich Nutzung des Gebiets ausgeweitet werden sollte. Das Landesarchiv Baden-Württemberg datiert einen Bildbericht des Wasserwirtschaftsamtes Offenburg über die Bauarbeiten auf die Jahre 1950 bis 1953.[3] Mitte der 1950er Jahre wurde der Durbach im Zulauf zum DKW-Kanal verlegt.[4.1]
Die Planung der Areko sah eine Aufteilung der Gewässerläufe in Hochwasserflutkanäle zur Abführung des Hochwassers, Entwässerungsgräben und alte Gewässerläufe vor. Letztere sollten beibehalten werden, um Nutzungen wie Wiesenwässerung und Mühlen weiter zu ermöglichen. In diesem Konzept ist der DKW-Kanal einer der Hochflutkanäle. Er wurde für einen Abfluss von 20 m³/s dimensioniert.[5.1]
Ein Vergleich des heutigen Gewässernetzes mit der Topographischen Karte von 1937[6] zeigt auf, dass der obere Teil des DKW-Kanals – bei einigen Begradigungen – dem damaligen Verlauf des Kammbachs folgt. Der frühere Lauf des Durbachs wurde ab der Brücke der Bundesstraße 28 bei Appenweier aufgegeben. Der Durbach verlief früher weitgehend begradigt bis zur Straße von Urloffen nach Legelshurst, wechselte dort den Namen zu Holchenbach und mündete – teilweise am Waldrand verlaufend – rund 2,5 Kilometer nördlich des heutigen Kanalanfangs in den Kammbach. Dieser Holchenbach hatte keine direkte Verbindung zu dem Holchenbach, der unter dem Mittellaufnamen Stangenbach wenige hundert Meter östlich des DKW-Kanals fließt.
Für den Durbach wurde bei Appenweier eine Überleitung zum Neugraben gebaut, der zuvor ein Zufluss des Durbachs war.[4.1] In Höhe von Urloffen wurde eine neue Verbindung vom Neugraben zum heutigen Kanalanfang angelegt, die die Bundesautobahn 5 (Frankfurt–Basel) senkrecht kreuzt. An diese Verbindung wurde auch der Wannenbach angeschlossen; er mündete zuvor unter dem Namen Dorfbach an der Straße nach Legelshurst in den Durbach/Holchenbach.
Der Korker Wald war über Jahrhunderte einer der Markwälder der Region, die von den umliegenden Gemeinden gemeinsam genutzt wurden. 1811 wurde der Korker Wald unter 13 Gemeinden aufgeteilt.[7.1] Diese Teilung spiegelt sich noch in der Gegenwart in den Gemarkungen wieder, die der DKW-Kanal berührt: Die Gemarkungen der heutigen Kehler Stadtteile Kork, Odelshofen und Bodersweier grenzen mit Exklaven an den Kanal an. Sie stammen ebenso wie Teile der Gemarkungen von Sand und Appenweier aus der Teilung von 1811. Im Unterlauf verläuft der DKW-Kanal durch die Gemarkungen von Urloffen und Renchen.[2.9]
Einzelnachweise
- ↑ Heinz Fischer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 169 Rastatt. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1967. → Online-Karte (PDF; 4,4 MB)
- ↑ Amtliche Online-Gewässerkarte mit passendem Ausschnitt und den hier benutzten Layern: Lauf und Einzugsgebiet des Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanals bei Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
- ↑ a b c Höhe nach dem Digitalen Geländemodell.
- ↑ Layer Gewässername.
- ↑ a b Layer Gewässernetz.
- ↑ a b Layer Basiseinzugsgebiet (AWGN).
- ↑ Biotop Nr. 274133175728, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Biotop Nr. 274133173531, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Biotop Nr. 27413317127, Layer Geschützte Biotope.
- ↑ Layer Vogelschutzgebiete (Abfrage).
- ↑ Layer Gemarkungen.
- ↑ W 133/1 Nr. 0014 – Bildbericht des Wasserwirtschaftsamtes Offenburg zum Bau des Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanals aus den 1950er Jahren beim Landesarchiv Baden-Württemberg.
- ↑ Sabine Aßmann: Der Einfluss naturnaher und renaturierter Gewässerstrecken auf die Makrozoobenthos-Fauna strukturell defizitärer Fließgewässerabschnitte. Hochschulschrift, Universität Freiburg im Breisgau 2015 (DOI:10.6094/UNIFR/10844).
- ↑ Josef Riegelsberger: Acher-Rench-Korrektion. In: Innenministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Wasserwirtschaft in Baden-Württemberg. Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Flussbau, Talsperrenbau, landwirtschaftlicher Wasserbau, Verwaltung, Organisation. Verwaltungs-Verlag, München 1969, S. 146–152.
- ↑ S. 147, 150.
- ↑ Baden, Topographisches Bureau (Hrsg.): Topographische Karte 1:25 000, Blatt 7413 Appenweier. 1875, berichtigt 1937 (online).
- ↑ Hans Herrmann: Kork im Hanauerland. Die Geschichte des Dorfes vor dem Hintergrund der Stadt Straßburg. Gemeinde Kork, Kork 2002.
- ↑ S. 22–31.
Weblinks
- Karte von Lauf und Einzugsgebiet des Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanals auf: Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (Hinweise)
- W 133/1 Nr. 0014 – Bildbericht des Wasserwirtschaftsamtes Offenburg zum Bau des Durbach-Kammbach-Wannenbach-Kanals aus den 1950er Jahren beim Landesarchiv Baden-Württemberg.