DELTREE
DELTREE (Abkürzung für englisch delete tree, in etwa: [Verzeichnis-]Baum löschen) ist ein Kommandozeilenprogramm in einigen Microsoft-Betriebssystemen zum rekursiven Löschen von Dateien in Unterverzeichnissen. Das Kommando XDEL mit annähernd derselben Funktion wurde bereits fast vier Jahre zuvor von Digital Research in dessen zu MS-DOS kompatiblen Betriebssystem DR DOS eingeführt.[1][2]
Hintergrund
Unter PC DOS 1.0 beziehungsweise MS-DOS 1.0, das IBM und Microsoft einführten, wurden Dateiverzeichnisse noch nicht unterstützt. Erst DOS 2.0 erlaubte das Anlegen von Verzeichnisbäumen (englisch directory trees). Mit Bordmitteln war das Löschen von kompletten Verzeichnisbäumen in einem Schritt aber noch nicht möglich,[3] stattdessen mussten zuerst alle Dateien innerhalb des zu löschenden Verzeichnisbaums, Verzeichnis für Verzeichnis, mit DEL gelöscht werden, sowie anschließend die Verzeichnisse selbst hintereinander mit RMDIR. 1989 bot das Konkurrenzprodukt DR DOS 3.40 bereits die Möglichkeit an, mit XDEL ganze Verzeichnisbäume rekursiv zu löschen, was positiv bewertet wurde.[4] Mit MS-DOS 6.0 zog Microsoft 1993 nach und führte den DELTREE-Kommandozeilenbefehl ein.[5]
Implementierung und Einsatz
DELTREE und XDEL sind externe Kommandos und somit nicht in den Kommandozeileninterpreter COMMAND.COM implementiert.[6] Bei Einsatz dieses Kommandos erscheint zuerst eine Sicherheitsabfrage, in der der Benutzer bestätigen muss, dass er den ganzen Baum löschen möchte. Diese Sicherheitsabfrage kann durch einen Kommandozeilenparameter unterdrückt werden.[5] XDEL kann selektiv einzelne Dateitypen (Dateinamenserweiterungen) in den jeweiligen Unterverzeichnissen löschen,[7] was DELTREE nicht kann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kommandozeilenprogrammen, die Aktionen im Dateisystem auslösen, erlaubt DELTREE die gleichzeitige Zuweisung mehrerer Verzeichnisse als Kommandozeilenparameter.[8] Wird am Ende eines Verzeichnisses ein / mit übergeben, so wird das Verzeichnis selbst nicht mitgelöscht, diese Funktion ist allerdings nicht dokumentiert.[9] Theoretisch können mit DELTREE gelöschte Verzeichnisse und Dateien wiederhergestellt werden.[8]
Einsatz in Schadprogrammen zur Sabotage
DELTREE ignoriert alle Dateiattribute (versteckt, nur-Lesen oder System).[9] Daher wurde der Befehl als „potenziell gefährlich“ eingestuft, da dieser fähig ist, hunderte Dateien gleichzeitig löschen zu können.[5] Daher kam DELTREE zusammen mit dem PURGE-Befehl (das eine Wiederherstellung so gelöschter Dateien möglich macht) in Schadprogrammen zur Computersabotage zum Einsatz.[10][11][12]
Ablösung
DELTREE wurde auf allen MS-DOS-basierenden 32-Bit-Windows-Versionen mitgeliefert (Windows 95, Windows 98 und Windows ME, zusammengefasst auch Windows 9x bezeichnet).
Windows-NT-basierende Betriebssysteme (NT, 2000, XP und neuere) liefern DELTREE nicht mehr mit. Stattdessen wurde RMDIR um den Schalter /S erweitert, das die Funktion von DELTREE übernahm. Der Schalter /Q ermöglicht die Unterdrückung der Sicherheitsabfrage.[13]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Bradford Morgan White: The History of DR DOS – The last of Digital Research. (Blog) In: Abort Retry Fail. 16. Juni 2024, abgerufen am 20. Mai 2024 (englisch): „The more successful retail release was version 3.41 released in June of 1989. This version included tools that PC-DOS lacked at the time: XDIR, XDEL, PASSWORD, EMM386, EMMXMA, EDITOR, TOUCH, and VDISK.“
- ↑ Gerhard Franken: DOS GE-PACKT. 1. Auflage. mitp-Verlag/Bonn, 2003, ISBN 3-8266-1313-9, 2.12 Befehle für die Arbeit mit Verzeichnissen, S. 104, DELTREE: Verzeichnisbäume löschen (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Seit MS-DOS 6 gibt es den Befehl DELTREE, der das Entfernen ganzer Verzeichnisbäume gestattet. … Unter älteren DR-DOS-Varianten können Sie zu diesem Zweck den Befehl XDEL … verwenden … (Seit DR-DOS 7.02 existiert eine Datei namens DELTREE.BAT, die den Befehl DELTREE in den entsprechenden XDEL-Befehl übersetzen soll.)“
- ↑ John Dickinson: Stalking the Elusive Subdirectory Path. In: PC Magazine. 28. Mai 1985, S. 231 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Brett Glass: MS-DOS 5: Reigning OS improves its value. In: InfoWorld. 8. Juli 1991, S. 64–66 (englisch, Google Books).
- ↑ a b c Jim Cooper: Using MS-DOS 6.22. Special, 3rd ed Auflage. Que, Indianapolis, Ind 2002, ISBN 0-7897-2573-8, S. 120–121 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Christopher A. Crayton: The A+ Exams Guide: Preparation Guide for the CompTIA Essentials. 2nd ed Auflage. Charles River Media / Course Technology, Boston, MA 2008, ISBN 978-1-58450-566-2, S. 336 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Handy Tools EDV-Vertriebs GmbH (Hrsg.): DR DOS 3.41 Benutzer-und Referenzhandbuch. August 1989, 1532-2004-001, Referenzhandbuch – Die Kommandos von DR DOS, S. 106 (archive.org [PDF; 11,4 MB; abgerufen am 18. November 2025]): „Das Kommando XDEL löscht Dateien in Unterverzeichnissen und leere Inhaltsverzeichnisse.“
- ↑ a b John Paul Mueller: Windows administration at the command line for Windows Vista, Windows 2003, Windows XP, and Windows 2000. Sybex/Wiley Pub, Indianapolis, Ind 2007, ISBN 978-0-470-04616-6, S. 28–29 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ a b Neil J. Rubenking: User-to-User. In: PC Magazine. 19. November 1996, S. 247 (englisch, Google Books).
- ↑ Brett Glass: How to safely defuse an ANSI bomb; video scan converters. In: InfoWorld. 2. Mai 1994, S. 40 (englisch, Google Books).
- ↑ Sharon Gaudin: Case Study of Insider Sabotage. The Tim Lloyd/Omega Case. In: Computer Security Journal. 16.3. Jahrgang, 2000, S. 1–8 (englisch, craigchamberlain.com ( des vom 4. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 21. September 2016]).
- ↑ Michele C. S. Lange, Kristin Nimsger: Electronic Evidence and Discovery. What every Lawyer Should Know. ABA, 2004, ISBN 1-59031-334-8, S. 15 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). und United States v. Lloyd, 269 F.3d 228 (3rd Cir. 201). law.resource.org, abgerufen am 21. September 2016 (englisch).
- ↑ No Deltree Command? ( vom 11. Januar 2010 im Internet Archive)