Döhlau (Weidenberg)

Döhlau
Koordinaten: 49° 58′ N, 11° 39′ O
Höhe: 371 m ü. NHN
Einwohner: 122 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 95466
Vorwahl: 09278
Ortskern von Döhlau mit der Getreidemühle

Döhlau ist ein Gemeindeteil des Markts Weidenberg im Landkreis Bayreuth (Oberfranken, Bayern).[2] Die Gemarkung Döhlau hat eine Fläche von 5,329 km². Sie ist in 605 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8808,44 m² haben.[3] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Erdelberg, Görau, Hilpertsgraben und Höflas.[4]

Lage

Das Dorf liegt zwischen dem Oschenberg und dem Pensen im Tal der Warmen Steinach am südwestlichen Rand des Fichtelgebirges. Im Norden grenzt das Naturschutzgebiet Steinachtal mit Deichselhölzchen an. Am westlichen Ortsrand zweigt von der Warmen Steinach der Döhlauer Graben ab, ein offener Kanal, der zur Zeit des Markgrafen Georg Wilhelm den Brandenburger Weiher speiste. Er ist von Döhlau aus bis zu einem kleinen Kraftwerk in Höhe der ehemaligen Flachsspinnerei in Friedrichsthal erhalten.

Die Staatsstraße 2181 tangiert Döhlau auf einer den Ort nordwestlich umgehenden Trasse. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Ützdorf (2,3 km südöstlich). Anliegerwege führen nach Höflas (0,6 km westlich), nach Hilpertsgraben (0,6 km südwestlich) und nach Taubenhof (0,8 km nordöstlich).[5]

Name

Der Name Döhlau (ehemals „Dolein“) ist vermutlich wendischer Herkunft und bedeutet Taldorf.[6] Spätere Schreibweisen waren Dölein und Döla.

Geschichte

Die seit dem 6. Jahrhundert im oberfränkischen Raum siedelnden Slawen, denen der Ort seinen Namen verdankt, verschwanden in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts aus der geschriebenen Geschichte.[7]

Im Jahr 1392 wurde Döhlau im Landbuch B 1398 die örtliche Mühle erstmals urkundlich erwähnt.[8] Im Oschenberg befand sich seit 1735 ein Gipsbergwerk, das 1998 endgültig geschlossen wurde.[9] Unter dem Decknamen „Blicke“ existierte dort im Dritten Reich ein geheimer unterirdischer Zulieferbetrieb für die Luftwaffe.[10][11]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Döhlau aus 12 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Hofkastenamt Bayreuth. Grundherren waren das Hofkastenamt Bayreuth (3 Viertelhöfe, 1 Mühle, 1 Haus), die Hofkanzlei Bayreuth (1 Hof, 1 Gütlein, 1 Haus), die Verwaltung Ramsenthal (1 Hof, 1 Halbhof, 1 Söldengut) und die Kaplanei Weidenberg (1 Gut).[12]

Von 1797 bis 1810 unterstand Döhlau dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde der Ort bayerisch. Infolge des Gemeindeedikts wurde Döhlau dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Untersteinach zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Döhlau, zu der Hilpertsgraben und Höflas gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Weidenberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde Görau eingegliedert. Ab 1862 gehörte Döhlau zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.[13] Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,309 km².[14]

1896 erhielt Döhlau einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach.[15] Er wurde 1948 um zwei private Umladegleise für Gips erweitert, die bis 1964 genutzt wurden. Vom Bergwerk führte eine zweigleisige Lorenbahn zur Umladeanlage.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Gemeindegebiet Erdelberg gegründet. 1971 wurde das Schulhaus geschlossen. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Döhlau am 1. Mai 1978 nach Weidenberg eingemeindet.[16][17]

Einwohnerentwicklung

Gemeinde Döhlau

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 146 208 195 194 207 227 250 255 268 250 226 247 227 241 235 233 215 200 213 297 310 301 245 223
Häuser[18] 23 28 28 28 28 32 35 45
Quelle [13] [19] [19] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [19] [27] [19] [28] [19] [29] [19] [19] [19] [30] [19] [14] [31]

Ort Döhlau

Jahr 001818 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner  *96 121 146 137 116 135 176 170 151 122
Häuser[18]  *15 15 15 20 20 30 29
Quelle [13] [20] [22] [25] [27] [29] [30] [14] [31] [1]
* 
inklusive Hilpertsgraben und Höflas

Religion

Döhlau ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach Nemmersdorf gepfarrt.[12] Heute ist auch St. Johannis (Bayreuth) zuständig.[14]

Literatur

Commons: Döhlau (Weidenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 298 (Digitalisat).
  2. Markt Weidenberg, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 31. August 2023.
  3. Gemarkung Döhlau (092445). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 10. Dezember 2024.
  4. Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen – Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 10. Dezember 2024.
  5. Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 10. Dezember 2024 (Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).
  6. Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten. 1. Auflage. Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-0809-8, S. 12.
  7. Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth. 1194–1994. Druckhaus Bayreuth, Bayreuth 1993, ISBN 3-922808-35-2, S. 18 f.
  8. Mühlentag in der Döhlauer Mühle bei markgrafenkultur.de, abgerufen am 16. September 2018.
  9. Michael Ernstberger: Nordbayerische Feld- und Grubenbahnen und die Geschichte ihrer Betriebe. 1. Auflage. 2005, S. 208 ff.
  10. Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des Zweiten Weltkrieges. Herausgeber: Hans Walter Wichert
  11. Liste aller Geheimprojekte mit Standorten. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 11. März 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sgmk.beepworld.de
  12. a b R. Winkler: Bayreuth, S. 350.
  13. a b c R. Winkler: Bayreuth, S. 468.
  14. a b c d Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 653–654 (Digitalisat).
  15. Robert Zintl: Bayreuth und die Eisenbahn. Gondrom, Bindlach 1992, ISBN 3-8112-0780-6, S. 70.
  16. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 676 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  17. Weidenberg > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  18. a b Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
  19. a b c d e f g h i j Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 138, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  20. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 848, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  21. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 130 (Digitalisat).
  22. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1021, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  23. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, OCLC 992516308, S. 50 (Digitalisat).
  24. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, OCLC 460588127, S. 144 (Digitalisat).
  25. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 967 (Digitalisat).
  26. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern : Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dez. 1890. Heft 58 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1892, OCLC 162230561, S. 144 (Digitalisat).
  27. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 1011–1012 (Digitalisat).
  28. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichnis für das Königreich Bayern Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand vom 1. Juli 1911. Heft 84 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1911, OCLC 162230664, S. 144 (Digitalisat).
  29. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1035 (Digitalisat).
  30. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 888 (Digitalisat).
  31. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 148 (Digitalisat).