Czeslaw Gogolkiewicz
Czeslaw Gogolkiewicz (* 18. September 1938 in Toruń; † 26. November 1980 im Atlantischen Ozean) war ein polnischer Regattasegler, Yachtkonstrukteur und Schiffbauingenieur. Er arbeitete viele Jahre in der Morska Stocznia Jachtowa im. Leonida Teligi in Szczecin, wo er als Leiter des Konstruktionsbüros und Chefkonstrukteur unter anderem an mehreren für den polnischen Seesport bedeutenden Regattayachten beteiligt war.[1] Im Regattasegeln wurde er mehrfach polnischer Meister, vor allem im Hochsee- und Einhandsegeln.[1][2]
Leben und berufliche Tätigkeit
Czeslaw Gogolkiewicz wurde 1938 in Toruń geboren.[1][2] Früh interessierte er sich für Wasser- und Segelsport.[2] Er studierte Schiffbau am Fachbereich für Schiffskonstruktion der Technischen Universität Danzig und schloss sein Studium 1962 ab.[1][2]
Nach dem Studium ging Gogolkiewicz nach Szczecin und nahm eine Tätigkeit in der dortigen Yachtwerft (Szczecińska Stocznia Jachtowa, später Morska Stocznia Jachtowa im. Leonida Teligi) auf.[1][2] In der Werft stieg er zum Leiter des Konstruktionsbüros und Chefkonstrukteur auf und war in dieser Funktion von 1966 bis 1979 für die Planung und technische Überwachung zahlreicher Serien- und Einzelbauten verantwortlich.[1] Er wirkte am Bau von Fahrten- und Ausbildungsjachten der Typen „Antares“, „DZ“, „Enif“, „Folkboat“ und „Orion“ mit und entwarf mehrere moderne Regattayachten.[1]
Zu seinen Konstruktionen gehörten unter anderem die Jacht „Ara“, die als erste polnische Segelyacht vollständig aus glasfaserverstärktem Polyesterlaminat gebaut wurde, sowie der Typ „Taurus“, aus dem die Yachten „Zryw“ und „Janosik“ hervorgingen.[1] Gogolkiewicz war außerdem maßgeblich an den für Hochseeregatten konzipierten Yachten „Spaniel“ und „Spaniel II“ sowie am Entwurf der Regattayacht „Raczyński II“ beteiligt.[1][2] Zeitzeugen beschrieben ihn als technisch versierten Konstrukteur, der innovative Materialien und Bauweisen in den polnischen Yachtbau einführte.[2]
Neben seiner Tätigkeit als Konstrukteur verfügte Gogołkiewicz über das Patent eines jachtowego kapitana żeglugi wielkiej (Yachtkapitän der großen Fahrt) und war somit auch für weltweite Seereviere qualifiziert.[2]
Segelsport
Bereits zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn engagierte sich Gogołkiewicz auch sportlich im Segeln. 1963 gehörte er zu den Mitbegründern des Jacht Klubu „Pasat“ (auch „Passat“) an der Yachtwerft in Szczecin.[1][2] Im Rahmen dieses Vereins war er viele Jahre als aktiver Regattasegler und als Mentor für jüngere Segler tätig.[2]
Sportlich spezialisierte er sich zunächst auf Regatten in der Volksboot-Klasse (Folkboat), in der er polnischer Meister und Vizemeister wurde.[1] Später verlegte er seinen Schwerpunkt auf das Hochsee- und Offshoresegeln. Nach Angaben zeitgenössischer Quellen errang er siebenmal den Titel eines polnischen Meisters im Hochseesegeln und gewann darüber hinaus nationale Meisterschaften im Einhandsegeln.[1][2] Seine Regattaerfolge trugen dazu bei, den Hochseesegelsport in Szczecin und an der polnischen Ostseeküste aufzuwerten und die dort konstruierten Yachten international bekannt zu machen.[2]
Ende der 1970er Jahre übernahm Gogolkiewicz die Konstruktion und den Bau der Regattayacht „Raczyński II“. Finanziert und initiiert wurde das Projekt von dem in Frankreich lebenden Polen Richard Raczyński, der mit einem modernen, in Polen gebauten Boot an der Einhand-Transatlantikregatta OSTAR 1980 teilnehmen wollte.[2] Die Yacht wurde unter einfachen Bedingungen in einer eigens errichteten Halle im Dorf Wrzawy bei Sandomierz fertiggestellt; die ungewöhnliche Baustelle und die hohe technische Ambition des Projekts fanden große Beachtung in der polnischen Öffentlichkeit.[2]
„Raczyński II“ startete nach einem verspäteten Auslaufen aus Szczecin in die Regattasaison und erreichte rechtzeitig den Startort in Plymouth. Während der OSTAR 1980 lag das Boot zeitweise aussichtsreich im Feld, musste die Wettfahrt jedoch nach einer Kollision mit einem US-Fischereifahrzeug in Küstennähe abbrechen und in den Vereinigten Staaten repariert werden.[2]
Nach Abschluss der Reparatur entschied sich Gogolkiewicz, trotz der zu dieser Jahreszeit bereits stürmischen Bedingungen im Nordatlantik, mit „Raczyński II“ nach Europa zurückzukehren.[2] Auf der Rückreise geriet die Crew in einen schweren Sturm mit Orkanstärke. Am 26. November 1980 wurde zunächst ein französisches Crewmitglied, das zu diesem Zeitpunkt am Ruder stand, von einer Welle über Bord gespült. Nachdem Gogolkiewicz das Ruder übernommen hatte, wurde auch er wenige Stunden später von einer Sturzsee erfasst und ging über Bord.[2] Trotz eingeleiteter Such- und Rettungsmaßnahmen konnte keiner der beiden Vermissten geborgen werden. Die übrige Besatzung wurde von einem herbeigerufenen Schiff aufgenommen; der schwer beschädigte „Raczyński II“ ging später im Sturm verloren.[2]
Auszeichnungen und Gedenken
Für seine Verdienste im Bereich des Yachtbaus und des Segelsports wurde Czeslaw Gogolkiewicz mit dem Silbernen Verdienstkreuz der Republik Polen ausgezeichnet.[1]
Am 29. Juni 2024 wurde in der Aleja Żeglarzy in Szczecin eine Gedenktafel zu Ehren Czeslaw Gogolkiewiczs enthüllt. Die Feierstunde fand im Rahmen der „Kapitańskie Dni Morza“ (Kapitäns-Seetage) statt und wurde vom Szczeciński Klub Kapitanów Żeglugi Wielkiej organisiert. An der Zeremonie nahmen unter anderem Angehörige Gogolkiewiczs, Kapitäne der Handels- und Sportschifffahrt sowie Studierende der Politechnika Morska teil.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Tadeusz T. Białecki (Hrsg.): Encyklopedia Szczecina – wydanie jubileuszowe. Szczecińskie Towarzystwo Kultury, Szczecin, ISBN 978-83-942725-0-0.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Elżbieta Kubowska: Czesław Gogołkiewicz upamiętniony. In: Kurier Szczeciński. 18. Juli 2024, abgerufen am 9. Dezember 2025 (polnisch).