Mikronesischer Sagopalmfarn

Mikronesischer Sagopalmfarn

Mikronesischer Sagopalmfarn (Cycas micronesica) im Unterholz

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Cycadopsida
Ordnung: Palmfarne (Cycadales)
Familie: Cycadaceae
Gattung: Sagopalmfarne (Cycas)
Art: Mikronesischer Sagopalmfarn
Wissenschaftlicher Name
Cycas micronesica
Thunb.

Der Mikronesischer Sagopalmfarn (Cycas micronesica) ist eine Art der Palmfarne (Cycadaceae) in der Pazifikregion. Er kommt auf den Inseln Yap in Mikronesien, den Marianen-Inseln Guam und Rota und in Palau vor. Er wird als Federico Nut oder Fadang in Chamorro bezeichnet. Die Art, die früher mit Cycas rumphii und Cycas circinalis zusammengefasst wurde, wurde 1994 von Ken Hill als eigenständige Art beschrieben.[1] Paläoökologische Studien haben ergeben, dass Cycas micronesica seit etwa 9.000 Jahren auf der Insel Guam vorkommt.[2] Aufgrund des in den Samen enthaltenen Neurotoxins β-Methylamino-L-alanin (BMAA) wird sie als Faktor bei der Lytico-Bodig-Krankheit, einer der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) ähnlichen Erkrankung, vermutet. Bis in die 1960er-Jahre waren die Samen auf Guam ein traditionelles Nahrungsmittel. Das Gift entsteht aufgrund Symbiose mit Cyanobakterien.[3][4][5]

Merkmale

Cycas micronesica ist ein mittelgroßer Baum, der meist 2–5 m hoch wird, aber auch Höhen von bis zu 15 m erreichen kann. Der Baum hat einen geraden, palmenartigen Stamm, der von Blattnarben gezeichnet ist.[6]

Blätter

Die Blätter sind 140–180 cm lang, im Querschnitt flach (gegenständige Fiederblättchen im 180-Grad-Winkel zur Blattachse/Rhachis), mit 130–150 Fiederblättchen, die mit einem etwa 4 mm langen Dorn enden; Blattstiel gewöhnlich kahl, gewöhnlich unbewehrt, selten bis zu 20 % seiner Länge bedornt, 35–45 cm lang; mittlere Fiederblättchen im 70–80-Grad-Winkel zur Blattachse, 240–280 mm lang, 16–17 mm breit, 0,35–0,45 mm dick, kahl, im Entwicklungsstadium mattgrün oder leicht bläulich-grün, bei Reife glänzend mittelgrün, im Querschnitt flach mit leicht zurückgebogenen Rändern, stark zweifarbig, 7–10 mm lang herablaufend, an der Basis auf 5,0–6,0 mm verjüngt, 17–20 mm voneinander entfernt, Blattachsenspitze zugespitzt; Mittelrippe nicht scharf erhaben, oben und unten mehr oder weniger gleich stark ausgeprägt, 1,2–1,5 mm breit.[9]

Generative Merkmale

Wie alle Palmfarne ist auch Cycas micronesica zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die weiblichen Pflanzen besitzen Ansammlungen von Samenanlagen auf modifizierten Blättern, den sogenannten Megasporophyllen. Die männlichen Fortpflanzungsorgane bestehen aus ebenfalls modifizierten Blättern, den Mikrosporophyllen, an deren Unterseite jeweils kleine, kompakte Pollensäcke anhaften.[11] Auf Guam wurde eine Symbiose zwischen Cycas micronesica und einer Anatrachyntis-Mottenart nachgewiesen. Diese ist für die Eiablage und die Ansiedlung der Motte auf die männlichen Zapfen (Mikrosporangien) angewiesen und bestäubt im Gegenzug die weiblichen Zapfen.

Die weiblichen Zapfen sind hellbraun bis hellorangebraun, schmal eiförmig, 30–50 cm lang und 8–10 cm im Durchmesser. Die Megasporophylle sind 27–33 cm lang, grau-orange behaart und enthalten 2–6 Samenanlagen. Die Blattspreite ist 45–55 mm breit, breit eiförmig bis elliptisch, regelmäßig gezähnt und trägt 16–20 seitliche Stacheln. Der apikale Stachel ist 8–15 mm lang, die seitlichen Stacheln 2–6 mm. Die Samen sind flach bis eiförmig, grün bis orange, nicht bereift, 50–60 mm lang und 45–50 mm im Durchmesser; die Sarkotesta ist 3–6 mm dick.[9]

Bedrohung und Schutz

Cycas micronesica ist auf den Inseln Guam und Rota durch eine Kombination eingeschleppter Arten bedroht.[12] Der bedeutendste Schädling ist die Schildlaus Aulacaspis yasumatsui, die erstmals im Dezember 2003 auf Guam nachgewiesen wurde.[13] Weitere Bedrohungen sind der Cycas-Bläuling (Luthrodes pandava), der Bockkäfer Acalolepta marianarum, der Stammschäden verursacht, die invasive Schnecke Satsuma mercatoria, die sich von jungen Blättchen ernährt,[14] sowie der Lebensraumverlust durch Bevölkerungswachstum und militärische Aktivitäten. Vor der Invasion von Aulacaspis yasumatsui war Cycas micronesica eine der häufigsten Pflanzen in den Wäldern Guams.[15] Das Pflanzensterben verlief so rasant, dass die Art bereits 2006, nur drei Jahre nach Beginn der verheerenden Invasionen, von der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft wurde.[16][17] Die Populationszahlen im Nordwesten Guams gingen von 686 Individuen Anfang 2004 (bevor Aulacaspis diesen Lebensraum erreichte) auf 87 Individuen im Januar 2007 zurück.[14] Cycas micronesica hatte einst stabile Populationen in ganz Mikronesien, wobei Guam die größte aufwies. Die Invasion der Schildlaus Aulacaspis führte jedoch innerhalb von zehn Jahren zu einem Rückgang der Population auf Guam um 87 %. Im Jahr 2004 wurde Rhyzobius lophanthae als biologischer Schädlingsbekämpfer auf Guam eingeführt, was den Populationsrückgang verringerte. Allerdings war der Marienkäfer nicht wirksam genug, um die Cycas-Sämlinge vor dem Befall durch Aulacaspis zu schützen, da mangelnde Keimfähigkeit der Samen einer der Hauptfaktoren für den Rückgang von Cycas micronesica ist.[18]

Einzelnachweise

  1. K. D. Hill: Cycas micronesica. Australian Systematic Botany. 7. 1994: S. 554–556.
  2. J. Athens, J. Ward: Holocene vegetation, savanna origins and human settlement of Guam. In: Records Of The Australian Museum. 2004: S. 15–30.
  3. P. A. Cox, S. A. Banack, S. J. Murch, U. Rasmussen, G. Tien, R. R. Bidigare, J. S. Metcalf, L. F. Morrison, G. A. Codd, B. Bergman: Diverse taxa of cyanobacteria produce b-N-methylamino-L-alanine, a neurotoxic amino acid. In: PNAS. vol. 102, is. 14: S. 5074–5078. doi = 10.1073/pnas.0501526102 pmid=15809446 pmc=555964
  4. M. Esterhuizen, T. G. Downing: β-N-methylamino-L-alanine (BMAA) in novel South African cyanobacterial isolates. In: Ecotoxicology and Environmental Safety. vol. 71, is. 2. 2008: S. 309–313. doi = 10.1016/j.ecoenv.2008.04.010 pmid = 18538391
  5. Oliver Sacks: The Island of the Colour-blind. Pan Macmillan Australia: Sydney 1996. ISBN 0-330-35887-1
  6. S. Vogt, L. Williams: Common flora & fauna of the Mariana Islands. Saipan?: 2004.
  7. Cycas micronesica K.D.Hill. Flickr. flickr.com.
  8. Lauren Gutierrez: Cycas micronesica K.D. Hill. In: Flikr. 30. August 2010, abgerufen am 1. Juni 2018 (englisch).
  9. a b K. D. Hill: The Cycas rumphii complex (Cycadaceae) in New Guinea and the western Pacific. In: Australian Systematic Botany. vol. 7, is. 6. 1994: S. 543–567. doi=10.1071/sb9940543 ISSN 1446-5701
  10. Home. In: Guam Plant Extinction Prevention Program. Abgerufen am 8. Juni 2018 (englisch).
  11. K. Willis, J. C. McElwain: The evolution of plants. (2. ed.). Oxford, United Kingdom; New York: Oxford University Press 2014.
  12. IUCN Red List of Threatened Species - Cycas micronesica. iucnredlist.org.
  13. Irene Terry, Thomas Marler: Paradise Lost? Tipping the scales against Guam’s Cycas micronesica. In: The Cycad Newsletter. 28, 3–4. 2005: S. 21–23.
  14. a b Cycas micronesia in der Roten Liste gefährdeter Arten. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
  15. J. Donnegan, Pacific Northwest Research Station: Guam’s forest resources, 2002. (Resource bulletin PNW; 243). Portland, OR: U.S. Dept. of Agriculture, Forest Service, Pacific Northwest Research Station 2004.
  16. T. Marler, J. Lawrence: Demography of Cycas micronesica on Guam following introduction of the armoured scale Aulacaspis yasumatsui. In: Journal of Tropical Ecology. 28, 3. 2012: S. 233–242.
  17. T. Marler: Cycad mutualist offers more than pollen transport. In: American Journal of Botany. 97, 5. 2010: S. 841–845.
  18. T. Marler, R. Miller, A. Moore: Vertical Stratification of Predation on Aulacaspis yasumatsui Infesting Cycas micronesica Seedlings. In: HortScience. 48, 1, 2013: S. 60–62.
Commons: Mikroneischer Sagopalmfarn (Cycas micronesica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Taxonbar Q2711674