Crush-Niere

Klassifikation nach ICD-10
T79.5 Traumatische Anurie

Crush-Syndrom Nierenversagen nach Zerquetschung

M62.8 Sonstige näher bezeichnete Muskelkrankheiten

(nicht-traumatisch)

G72.0 Arzneimittelinduzierte Myopathie
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Crush-Niere oder seltener auch als myorenales Syndrom wird in der Medizin eine akute Niereninsuffizienz infolge eines Zerfalls von größeren Muskelmassen bezeichnet.

Begriffe

Mitunter wurden die beiden Fachbegriffe Crush-Syndrom und Crush-Niere synonym gebraucht und um das Eponym Bywaterssche Krankheit ergänzt. Eric George Lapthorne Bywaters (1910–2003) war ein britischer Mediziner. Ein schweres Trauma mit Schock heißt im Englischen crush injury.[1]

Ein aktuelles internationales Lehrbuch beschreibt die myoglobin induced nephropathy following crush syndrome.[2]

Gelegentlich findet sich auch die Falschschreibung (fehlendes s) Bywater's syndrome.[3] Bywaters syndrome ist der heute im Englischen und damit in der internationalen Fachsprache präferierte Goldstandard. Orthographisch korrekt wäre jedoch Bywaters’s syndrome.

Willibald Pschyrembel beschreibt die Crush-Niere als eines der Symptome des Crush-Syndroms.[4]

Peter Reuter nennt 2007 zahlreiche Synonyme: crush kidney, Crush-Syndrom, Quetschungssyndrom, Verschüttungssyndrom, Muskelzerfallssyndrom, myorenales Syndrom beziehungsweise tubulovaskuläres Syndrom.[5]

François Reubi nannte 1982 andere Synonyme: „Schockniere, akute Tubulonephritis, ‚lower nephron nephrosis‘, ‚crush syndrome‘, Syndrom von Bywaters, chromoproteinurische Nephropathie, tubuläre Insuffizienz.“[6]

Tinsley Randolph Harrison erwähnt die Crushverletzung im deutschsprachigen Inhaltsverzeichnis in Zusammenhang mit einer Niereninsuffizienz ohne jede weitere Erklärung.[7] In der englischen Originalausgabe fehlt in der 21. Auflage im Inhaltsverzeichnis sogar das Wort crush.[8] Genauso erwähnen das The Merck Manual [9] und Gerd Harald Herold das Wort crush nicht.[10] In der deutschsprachigen Ausgabe des Merck Manuals wurde 2000 jedoch das Crush-Syndrom erklärt.[11] Auch in den aktuellen deutschsprachigen Fachbüchern der Nierenheilkunde sucht man Hinweise auf einen crush vergeblich.

Ursachen

Der Muskelzerfall kann als Crush-Syndrom durch äußere Einflüsse als Folge einer Verletzung oder Quetschung großer Muskelanteile entstehen, oft bei Verbrennungs-, Erdbeben- und Verschüttungsopfern. Er kann auch als Rhabdomyolyse aus innerer Ursache auftreten, z. B. als unerwünschte Arzneimittelwirkung, durch Schlangengift, bei maligner Hyperthermie, bei einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung und nach Elektrounfällen.

Pathophysiologie

Die bei der Crush-Niere komplizierende Niereninsuffizienz wurde lange als Folge einer „Verstopfung“ der Nierenkanälchen durch Produkte des Muskelzerfalls, hauptsächlich durch Myoglobin, angesehen. Myoglobin wirke tubulotoxisch.[12]

Heute geht man davon aus, dass die akute Funktionsstörung der Tubuli (Tubulopathie) durch ein komplexes Schockgeschehen verursacht wird, an dem saure Stoffwechselprodukte (Azidose), ein Sauerstoffmangel des Nierengewebes, aus dem Gewebe freigesetztes Kalium und adrenerge Kompensationsmechanismen sowie bestimmte Proteine einen Anteil haben.

Therapie

Bessert sich die klinische Situation nicht, so ist es sinnvoll, zusätzliche Flüssigkeit zu geben sowie die Konzentration der Elektrolyte im Blut zu bestimmen und diese gegebenenfalls zu substituieren. Weiterhin hilft Mannitol dabei, die extrazelluläre Flüssigkeit in das Blut zu mobilisieren, und das Alkalisieren des Blutes sorgt dafür, dass sich das Myoglobin besser im Blut und somit später im Urin löst.

Schon bei frühen Anzeichen von Komplikationen sollte die Möglichkeit erwogen werden, Nierenersatzverfahren bereitzustellen.

Literatur

  • Hanns-Wolf Baenkler (Hrsg.): Kurzlehrbuch Innere Medizin. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-13-220000-5, S. 649 - Hier: Myoglobinurisches akutes Nierenversagen
  • John Feehally, Jürgen Floege, Richard J. Johnson: Comprehensive Clinical Nephrology. 3. Auflage, Mosby Elsevier Verlag, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-323-04602-2, S. 782 f. (crush syndrome)

Einzelnachweise

  1. Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Band 1 (A–K), Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1980, ISBN 3-541-09111-8, S. 443.
  2. Norbert Lameire, Wim van Biesen, Raymond Vanholder: Epidemiology, Clinical Evaluation, and Prevention of Acute Renal Failure. In: John Feehally, Jürgen Floege, Richard J. Johnson: Comprehensive Clinical Nephrology. 3. Auflage, Mosby Elsevier Verlag, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-323-04602-2, S. 782 f.
  3. Whonamedit? (http://www.whonamedit.com/synd.cfm/3870.html).
  4. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 269. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2023, ISBN 978-3-11-078334-6, S. 349 f.
  5. Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008, 1. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 370.
  6. François Reubi: Nierenkrankheiten. Verlag Hans Huber, 3. Auflage, Bern / Stuttgart / Wien 1982, ISBN 3-456-81140-3, S. 383.
  7. Tinsley Randolph Harrison: Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage, Georg Thieme Verlag, Berlin 2020, 1. Band, ISBN 978-3-13-243524-7, S. 5 in Band 1 und S. R-32 im Inhaltsverzeichnis.
  8. Joseph Loscalzo, Dennis L. Kasper, Dan L. Longo, Anthony Stephen Fauci, Stephen L. Hauser und J. Larry Jameson (Hrsg.): Tinsley Randolph Harrison: Harrison's Principles of Internal Medicine. 21. Auflage, McGraw-Hill, New York 2022, ISBN 978-1-264-26850-4.
  9. Robert S. Porter, Justin L. Kaplan, Richard B. Lynn, Madhavi T. Reddy (Hrsg.): The Merck Manual, 20th Edition, Kenilworth, New Jersey, 2018, ISBN 978-0-911910-42-1, S. 3082.
  10. Gerd Harald Herold: Innere Medizin 2023. Selbstverlag, Köln 2023, ISBN 978-3-9821166-2-4.
  11. Merck Manual, 6. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München / Jena 2000, ISBN 3-437-21750-X, ISBN 3-437-21760-7, S. 532.
  12. Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 386.