Cristina Alberdi

María Cristina Alberdi Alonso (* 22. Februar 1946 in Los Rosales, Provinz Sevilla; † 27. Juni 2024 in Madrid[1]) war eine spanische Juristin und Politikerin (PSOE). Von 1996 bis 2004 war sie Abgeordnete im Congreso de los Diputados und von 1993 bis 1996 spanische Sozialministerin im Kabinett González IV.

Leben und Wirken

Alberdi wuchs als Tochter eines Zuckerfabrikdirektors in einer konservativen, katholischen Familie auf und besuchte die Schule der Ursulinen in Madrid. 1968 schloss sie ihr Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Complutense Madrid ab. Fortan praktizierte sie als Rechtsanwältin. 1975 eröffnete sie in Madrid ihre eigene Rechtsanwaltskanzlei und widmete sich bereits hier dem Kampf gegen Geschlechterdiskriminierung. Häufig übernahm sie die Verteidigung von Frauen bei Scheidungsfällen, Kündigungsklagen und bei Abtreibungen. Im selben Jahr gründete sie das Colectivo Jurídico Femenino und die Federación de Mujeres Progresistas. Wegen kontroverser Äußerungen über die Ehe geriet Alberdi 1980 in Konflikt mit der katholischen Kirche.

1985 wurde Alberdi auf Vorschlag der PSOE als erste Frau in der spanischen Geschichte in den Generalrat der rechtsprechenden Gewalt gewählt. Auch hier engagierte sie sich für die Gleichstellung der Geschlechter und brachte verschiedene Initiativen zur sozialen Gleichstellung der Frauen ein. Aufsehen erregte sie hier durch den 1990 mit dem damaligen Justizminister Enrique Múgica ausgetragenen Streit, ob mehr Frauen in den Generalrat der Justiz berufen werden müssten. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Generalrat der Justiz 1990 praktizierte sie wieder als Rechtsanwältin.

Nach den Parlamentswahlen 1993 wurde von Felipe González als Sozialministerin in dessen Kabinett berufen, ohne Mitglied der PSOE zu sein. Mitglied der Partei wurde sie erst im Oktober 1995. Während ihrer Amtszeit entstanden im Sozialbereich der Allgemeine Aktionsplan zur Einwanderung, der Zweite Plan zur Chancengleichheit der Frau, der Umfassende Jugendplan, das bilaterale Abkommen zur Adoption von Kindern in Rumänien, das Kooperationsabkommen mit den Ministerien für Gesundheit und Bildung zur Förderung gesunder Lebensgewohnheiten sowie der Entwurf eines Kinderrechtsgesetzes. Versprochene Vorhaben wie ein Abtreibungsgesetz und eine Stärkung der nichtehelichen Lebensgemeinschaft konnte sie indes nicht umsetzen. Bei der Wahl 1996 verlor die PSOE die Mehrheit und Alberdi schied zusammen mit dem Rest der Regierung aus dem Amt.

In der 6. Legislaturperiode hatte sie für den Wahlbezirk Málaga einen Sitz im spanischen Abgeordnetenhaus inne, 2000 wurde sie wiedergewählt. Im September 2003 distanzierte sie sich aufgrund einer Krise im Madrider Parlament von der offiziellen Linie der PSOE. Später trat sie ganz aus der Partei aus, verließ die sozialistische Parlamentsfraktion und schloss sich einer Gruppe von fraktionslosen Abgeordneten an, da sie mit dem Regierungspakt des sozialistischen Präsidenten der Generalitat Pasqual Maragall mit den katalanischen nationalistischen Parteien nicht einverstanden war.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament wurde sie 2004 zur Vorsitzenden des Beirats des Überwachungsgremiums gegen geschlechtsspezifische Gewalt der Autonomen Gemeinschaft Madrid ernannt. In ihren späteren Jahren nahm sie an verschiedenen politischen Talkshows im Fernsehen teil und wurde 2023 von der Vereinigung Women in a Legal World in Anerkennung ihrer Rolle bei der Förderung der Scheidung in Spanien und der rechtlichen Anerkennung der Abtreibung mit dem Values Award ausgezeichnet.

Alberdi war von 1995 bis zum Tod ihres Ehemannes 2008 mit dem spanischen Schriftsteller José Benito Alique verheiratet.[2] Sie selbst starb am 27. Juni 2024 im Alter von 78 Jahren in Madrid.[3]

Commons: Cristina Alberdi – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Muere Cristina Alberdi, ministra de Asuntos Sociales en el Gobierno de Felipe González, a los 78 años, abgerufen am 12. Oktober 2025 (spanisch).
  2. La boda secreta de la ministra, abgerufen am 12. Oktober 2025 (spanisch).
  3. Muere Cristina Alberdi, defensora de los derechos de las mujeres, abgerufen am 12. Oktober 2025 (spanisch).