Crispina Peres
Crispina Peres (auch: Na Crispina, geboren um 1615, gestorben nach 1670) war eine afrikanische Signare (nhara) und Sklavenhändlerin aus Geba.
Leben
Crispina Peres war mit Portugals ehemaligem Gouverneur von Cacheu (Provincia de Ultramar de Guinea) verheiratet. Dieser wurde später Gastwirt. Sie selbst gehörte zu den afrikanisch-euroafrikanischen Geschäftsfrauen (Signare), die sowohl mit Handelskontakten als auch mit diplomatischen Aufgaben als Vermittlerinnen zwischen Portugal und indigenen Afrikanern fungierten und dadurch großen regionalen Einfluss hatten. In ihrem Fall hatte sie weitreichende Kontakte zu den indigenen Völkern der Pepel und der Banun sowie weitreichende Geschäftskontakte zu regionalen Händlern.
Inquisitionsprozess
1664 wurde sie verhaftet und zuerst nach Kap Verde, dann nach Lissabon gebracht, wo sie 1665 vor ein Inquisitionsgericht gestellt wurde. Sie wurde der Hexerei und Häresie beschuldigt, weil sie so genannte Djambakos angeheuert hatte. Sie wollte damit ihre Familie heilen und sich, ihre Gesundheit und ihr Geschäft schützen. Die katholische Kirche sah ihre Riten aber als heidnisch an[1] Es wurden zahlreiche Zeugenaussagen aufgezeichnet. Demnach soll sowohl in Guinea als auch auf den Kapverden bekannt gewesen sein, dass Peres ihre Geschäft mit Hexerei förderte. Ihr Mann protestierte und wies darauf hin, dass sie als Heidin von indigenen Eltern geboren wurde und ihr ganzes Leben in Afrika verbracht hatte, wo nur sehr wenige Menschen rein katholisch waren. Sie erklärte, dass ihr nicht klar gewesen sei, dass bestimmte indigene Rituale von der Kirche als heidnisch angesehen würden.
1667 wurde sie verurteilt, allerdings vergleichsweise milde behandelt, weil sie selber keine Hexe gewesen sei, sondern nur angebliche Hexer angeheuert hatte. Zudem wurde sie als eine unzulänglich bekehrte Heidin angesehen und nicht als eine abtrünnige Ketzerin. Sie wurde als reuige Sünderin in einem Autodafé verurteilt, musste Religionsunterricht nehmen und ihr Eigentum wurde beschlagnahmt. Sie kehrte 1668 nach Afrika zurück. Zwei Jahre später wurde sie als Witwe und tadellose Katholikin gemeldet. Ihr Fall war insofern bemerkenswert, weil die Inquisition eine Einheimische aus einer Kolonie nach Portugal bringen ließ, um sie wegen Ketzerei vor Gericht zu stellen.
Einzelnachweise
- ↑ Philip J. Havik: Silences and Soundbites: The Gendered Dynamics of Trade and Brokerage in the Pre-colonial Guinea Bissau Region. (Modernity and belonging; Band 2). LIT Verlag Münster 2004, ISBN 3-8258-7709-4
Literatur
- Philip J. Havik: Silences and Soundbites: The Gendered Dynamics of Trade and Brokerage. [Modernity and belonging] Band 2. LIT Verlag Münster 2004, ISBN 3-8258-7709-4, 9783825877095 Seiten (Google Books)
- Philip J. Havik, Toby Green: African Voices from the Inquisition: The Trial of Crispina Peres of Cacheu Guinea Bissau 1646-1668. [Fontes Historiae Africanae]. Oxford, Oxford University Press 2021, ISBN 978-0-19-726676-2, ISBN 0-19-726676-2.