Covens & Mortier

Covens & Mortier war der größte kartografische Verlag des 18. Jahrhunderts.[1] Er wurde von den Schwagern Johannes Covens und Cornelius Mortier 1721 am Vijgendam in Amsterdam, Niederlande gegründet und bestand bis 1866.

Covens & Mortier trugen viel zum Erfolg der französischen Verleger und der Verlagerung der Kartenherstellung Anfang des 18. Jahrhunderts von den Niederlanden nach Frankreich bei. Covens & Mortier verlegten Werke von Nicolas Sanson (1600–1667), Alexis-Hubert Jaillot (1632–1712) und Guillaume de l’Isle (1675–1726), aber auch späten niederländischen Meisterkartographen, wie Frederik De Wit und Hugo Allard (1620–1684), und natürlich Pieter Mortier. Ihre Hauptkonkurrenten waren Reinier & Josua Ottens und die Firma Gerard Valck & Petrus Schenck. Um 1740 kam eine ganze Reihe von Taschenatlanten verschiedener Länder heraus, die als französisch „très commode pour les Voyageurs“ ‚sehr praktisch für Reisende‘ bezeichnet wurden. Auch an die Soldaten wurde gedacht. Für sie wurde der niederländisch Atlas of uitgezogte kaarten tot gemak van officieren om in de zak te dragen ‚Atlas mit ausgewählten Karten zum bequemen Mitnehmen in der Tasche für Offiziere‘ herausgegeben. Auch Stadtbücher wurden neu aufgelegt. Unter anderem der bemerkenswerte niederländisch Atlas of Groot-Stedenboek van Europa ‚Atlas oder Groß-Stadtbuch Europas‘, der 439 Stadtpläne enthielt. Es gab auch eine Sammlung von 298 Stadtplänen und Befestigungsanlagen und eine Reihe von 90 Stadtplänen und Befestigungsanlagen im Kleinformat. Ein Katalog der Firma aus dem Jahr 1737, der in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt wird, listet 59 Wandkarten von unter anderem Joan Blaeu, Frederik De Wit und Claes Janszoon Visscher auf. Der Verlag besaß die größte Sammlung grafischer Werke, die jemals in Amsterdam angeboten wurde.

Verlagsgeschichte

Der in Leiden geborene Kartograf und Kupferstecher Pieter Mortier (1661–1711) war der Sohn des französischen politischen Flüchtlings Pierre Mortier. Nachdem er von 1681 bis 1685 in Paris gearbeitet hatte, gründete 1685 ein Amsterdam unter seinem Namen eine Verlagsbuchhandlung. 1690 erlangte er das Privileg, Karten und Atlanten französischer Verlage in Holland zu vertreiben.[1] 1710 übernahm er die Druckplatten des Kartografen und Verlegers Frederik de Wits (1629/1630–1706) von dessen Witwe Maria van der Waag. Der niederländische Kurztitelkatalog schreibt Pieter Mortier die Veröffentlichung von 261 Titeln zu. Nach dem Tod Pieter Mortiers 1711 führte seine Witwe Amelia 's-Gravensande (1666–1719) das Geschäft bis zu ihrem eigenen Tod weiter. Der gemeinsame Sohn Cornelis Mortiers (auch Corneille Mortier; 1699–1783) übernahm dann von 1719 bis 1721 die Leitung des Verlags unter dem Namen seines Vaters.

1721 tat er sich mit seinem Schwager Johannes Covens (auch Jean Covens; 1697–1774) zusammen. Covens hatte im selben Jahr Cornelis’ Schwester Agatha Mortier geheiratet. Pieter Mortier und Johannes Covens führten ab dem 20. November 1721 den Verlag unter dem Namen Covens & Mortier. Der Kartograf Pieter van der Aa (1659–1733) verkaufte 1730 aus Altersgründen seine Druckplatten an Covens & Mortier. 1732 verkauften Pieter Mortiers Geschwister das Gebäude am Vijgendam an ihren Bruder und dessen Partner.

Nach dem Tod von Johannes Covens (1774) stieg sein gleichnamiger Sohn Johannes Covens (1722–1794) in das Geschäft ein. Ab 1778 gab es einen neuen Firmennamen: J. Covens & Zoon. Johannes Covens wurde von seinem Sohn Cornelis Covens (1764–1825) abgelöst, der wiederum Petrus Mortier IV., den Urenkel von Petrus Mortier I., ins Geschäft holte. Von 1794 bis 1866 hieß die Firma: Mortier, Covens & Zoon. Der letzte Covens in der Reihe war Cornelis Jo(h)annes Covens (1806–1880).

Literatur

  • Peter C.J. van der Krogt: Advertenties voor kaarten, atlassen, globes e.d. in Amsterdamse kranten 1621-1811. HES Uitgevers, Utrecht 1985, ISBN 978-90-6194-055-5 (niederländisch).
  • Wolfgang Schwarze: Atlas Maritime, See-Atlas "Le Neptune François" des Pierre Mortier gestochen von Alexis Jaillot 1693. Kunst und Wohnen Verlag, Wuppertal 1977.
  • Marco van Egmond: Covens & Mortier: Productie, organisatie en ontwikkeling van een commercieel-kartografisch uitgevershuis in Amsterdam (1685-1866). HES & De Graaf, 't Goy-Houten 2005 (niederländisch).
  • John Goss: De Geschiedenis van de cartografie. Zuid Boekprodukties, Lisse 1994, ISBN 978-90-6248-756-1 (niederländisch).
  • Paul van den Brink, Jan Werner: Gesneden en gedrukt in de Kalverstraat. HES Uitgevers, Utrecht 1989, ISBN 978-90-04-61350-8 (niederländisch).
  • J.E.A. Boomgaard: Holland in kaart en prent. Fibula-van Dishoeck, Weesp - Lannoo, Tielt 1984, ISBN 978-90-209-1198-5 (niederländisch).
  • Kaarten en kaarttekenaars; S.J Fockema Andrea & C. Koeman; Fibula-van Dishoeck, Bussum; 1972
  • Spiegel der Wereld; J.J. Vredenberg-Alink; A. Oosthoek's Uitgeversmaatschappij nv, Utrecht; 1969
  • Vlaanderen in oude kaarten; J. Bossu; Lannoo, Tielt/Bussum; 1982.
  • Zeeland in oude kaarten; F. Gittenberger, H Weiss; Lannoo, Tielt/Bussum; 1983.
  • Zelandia Comitatus; D. Blonk, J. Blonk-van der Wijst, Houten, HES & De Graaf; 2010

Einzelnachweise

  1. a b Pieter Mortier. Biografische Daten und Werke im Niederländischen Institut für Kunstgeschichte (niederländisch)