Cornelio Fabro
Cornelio Fabro (* 24. August 1911 in Flumignano; † 4. Mai 1995 in Rom) war ein italienischer Philosoph und römisch-katholischer Priester. Er wirkte vor allem im Bereich der Metaphysik und zählt zur Strömung des Neuthomismus des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk nahm die Interpretation der thomanischen Lehre vom actus essendi eine zentrale Stellung ein; darüber hinaus befasste er sich mit der Philosophie der Neuzeit, insbesondere mit dem deutschen Idealismus und der Entstehung des modernen Atheismus.[1]
Leben
Fabro wurde 1911 in Flumignano, eine Fraktion der Comune Talmassons, geboren und trat früh in den Orden der Stigmatisierten ein. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie empfing er die Priesterweihe und war über mehrere Jahrzehnte in der akademischen Lehre tätig. Er unterrichtete unter anderem an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom Metaphysik und moderne Philosophie.
Philosophisches Denken Metaphysik des Seins
Im Zentrum von Fabros philosophischem Denken steht die Auslegung der Metaphysik des Seins bei Thomas von Aquin. Fabro hob den actus essendi als grundlegendes ontologisches Prinzip hervor und unterschied diesen Ansatz von essentialistischen Interpretationen des Thomismus. Seine Arbeiten trugen zur Profilierung einer dynamischen Lesart der thomanischen Seinsmetaphysik bei und fanden innerhalb der neuthomistischen Forschung Beachtung.
Auseinandersetzung mit der Philosophie der Neuzeit
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die kritische Auseinandersetzung mit der neuzeitlichen Philosophie. Fabro analysierte insbesondere die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen bei Immanuel Kant sowie zentrale Positionen des deutschen Idealismus. In seinen Studien zum modernen Atheismus deutete er dessen Entstehung als Ergebnis bestimmter metaphysischer und erkenntnistheoretischer Grundentscheidungen der Neuzeit.
Rezeption
Fabros Werk wurde vor allem im italienischen und französischen Sprachraum rezipiert, insbesondere im Kontext der neuthomistischen Metaphysik.[2] In der internationalen Thomas-von-Aquin-Forschung finden seine Beiträge zur Metaphysik des Seins weiterhin Beachtung.[3] Im deutschsprachigen Raum blieb die Rezeption vergleichsweise begrenzt und beschränkt sich auf spezialisierte Fachstudien zur Metaphysik des 20. Jahrhunderts.
Werke (Auswahl)
- La nozione metafisica di partecipazione secondo San Tommaso d’Aquino (1939)
- Dall’essere all’esistente (1957)
- Introduzione all’ateismo moderno (1964)
- Percezione e pensiero (1980)
Literatur
- Istituto dell’Enciclopedia Italiana: Cornelio Fabro. In: Treccani – Dizionario di filosofia. 2009, abgerufen am 28. Dezember 2025 (italienisch).
- Giovanni Ventimiglia: Cornelio Fabro. In: Enciclopedia filosofica. Bompiani, Mailand 2006.
- Battista Mondin: Storia della metafisica. Band 3, 1998, S. 518–520.
- John F. Wippel: The Metaphysical Thought of Thomas Aquinas. Catholic University of America Press, Washington 2000.
Einzelnachweise
- ↑ Giovanni Ventimiglia: Cornelio Fabro. In: Enciclopedia filosofica. Bompiani, Mailand 2006.
- ↑ Battista Mondin: Storia della metafisica. Band 3, 1998, S. 518–520.
- ↑ John F. Wippel: The Metaphysical Thought of Thomas Aquinas. Catholic University of America Press, Washington 2000.