Cord Meyer

Cord Meyer IV (* 10. November 1920 in Washington, D.C.; † 13. März 2001 ebenda) war ein US-amerikanischer Geheimdienstoffizier und Autor. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg als Offizier der Marines im Pazifikkrieg gedient hatte, wo er sowohl verwundet als auch ausgezeichnet wurde, leitete er in den Jahren nach dem Krieg die United World Federalists. Um 1949 begann er für die CIA zu arbeiten, wo er zu einem hochrangigen Mitarbeiter aufstieg und 1977 in den Ruhestand ging. Nach seinem Ausscheiden aus dem Geheimdienst im Jahr 1977 schrieb Meyer als Kolumnist und Buchautor.

Von 1945 bis 1958 war Meyer mit Mary Pinchot verheiratet, die später eine Liebesbeziehung mit Präsident John F. Kennedy hatte. Ihr Mord im Jahr 1964, elf Monate nach Kennedys Ermordung, ist bis heute ungeklärt.

Laufbahn

Meyer war der Sohn einer wohlhabenden New Yorker Familie, die u. a. durch kubanischen Zucker reich geworden war.[1] Sein Vater, Cord Meyer III, war Diplomat und Immobilienentwickler; seine Mutter, Katherine Blair Thaw, stammte aus einer Familie aus Pennsylvania, die ihr Vermögen im Kohlegeschäft gemacht hatte.[2] Sein Großvater, Cord Meyer II, war Immobilienentwickler und Vorsitzender des New York State Democratic Committee. Er besuchte die St. Paul's School in New Hampshire und studierte Literatur und Philosophie an der Yale University, wo er Mitglied der Geheimgesellschaft Scroll and Key Society war und als Senior mit dem Alpheus Henry Snow Prize ausgezeichnet wurde.[3]

Er machte seinen Abschluss im Jahre 1942. Nach seinem Abschluss schloss er sich dem 22nd Marine Regiment der United States Marine Corps an. Er nahm an der Schlacht von Eniwetok und als Zugführer an der Schlacht um Guam teil, wobei er bei einem japanischen Granatenangriff sein linkes Auge verlor. Er wurde zum Oberleutnant befördert und mit der Bronze Star Medal ausgezeichnet. Sein Bruder Quentin wurde bei der Schlacht um Okinawa getötet. Er teilte seine Kriegserfahrungen und schrieb für The Atlantic Monthly. Seine Kriegserfahrungen bewogen ihn später dazu, sich für den Weltfrieden einzusetzen und er wurde Anhänger einer Weltföderation.[1]

Er war Mitarbeiter von Harold Stassen bei der Konferenz von San Francisco, die zur Gründung der Vereinten Nationen führte. 1947 wurde er zum Präsidenten der United World Federalists (UWF) gewählt, einer Organisation, an deren Gründung er beteiligt war und die von Albert Einstein unterstützt wurde.[4] Im Jahr 1948 wurde Cord zur Sitzung des Emergency Committee of Atomic Scientists (ECAS) eingeladen, wo er Albert Einstein traf.[4] 1949 trat Cord jedoch zurück und wurde von Alan Cranstone abgelöst, da Meyer mit der Infiltration der UWF durch Kommunisten unzufrieden war.[1]

Um 1949 begann Meyer für die Central Intelligence Agency (CIA) zu arbeiten und trat 1951 auf Einladung von Allen Dulles in die Organisation ein. Zunächst arbeitete er im Office of Policy Coordination unter dem ehemaligen OSS-Mitarbeiter Frank Wisner. 1953 geriet Meyer unter Verdacht des Federal Bureau of Investigation (FBI), das von J. Edgar Hoover geführt wurde, einem Verbündeten von Senator Joseph McCarthy. Der Kreis um Hoover warf ihm seine früheren Kontakte zu linken und pazifistischen Gruppen vor und bezichtigte ihn deshalb, ein möglicher Kommunist und potenzielles Sicherheitsrisiko zu sein. Eine interne Untersuchung der CIA wies die Behauptungen zurück.[1][5]

In den 1950er Jahren lebte Meyer mit seiner Familie in Washington, D.C. und war dort Nachbar von Senator John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline. Er verkehrte im Kreis des sogenannten Georgetown Set von liberalen Antikommunisten. Laut Deborah Davis in ihrem 1979 erschienenen Buch Katharine the Great wurde Meyer zum „Hauptakteur“ der Operation Mockingbird, einer verdeckten Operation zur geheimen Beeinflussung in- und ausländischer Medien. Meyer freundete sich auch mit James Angleton an, der 1954 zum Leiter der Spionageabwehr der CIA ernannt wurde. Er war auch mit Katharine Graham, George Kennan und Dean Acheson befreundet.[1]

Von 1954 bis 1962 leitete Meyer die Abteilung International Organizations Division. Meyer leitete ab 1962 den Stab für verdeckte Operationen der Direktion für Planung. Eine von Meyers Aufgaben bestand darin, die Rundfunkprogramme der US-Regierung für Osteuropa, Radio Free Europe/Radio Liberty zu beaufsichtigen. Er war auch an der Finanzierung und Beeinflussung verschiedener Arbeiterorganisationen beteiligt, welche im Sinne der Amerikaner zum Antikommunismus hin beeinflusst wurden. Meyers Haupttätigkeit lag im Bereich des Kongresses für kulturelle Freiheit (CCF), mit dem eine „nichtkommunistische Linke“ durch Beeinflussung von Kultur und Politik gefördert werden sollte.[1]

Von 1967 bis 1973 war Meyer stellvertretender Direktor für Planung unter Thomas Karamessines[6], und von 1973 bis 1976 CIA-Stationsleiter in London.[7] Einige Insider vermuteten fälschlicherweise, dass Cord Meyer Deep Throat war, ein wichtiger Informant im Watergate-Skandal, dessen Identität mehr als 30 Jahre lang ein Rätsel blieb.[8] Er trat 1977 aus der CIA aus. Nach seiner Pensionierung wurde Meyer Kolumnist und schrieb mehrere Bücher, darunter eine Autobiografie. Er starb 2001 an Lymphdrüsenkrebs und wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington beigelegt.[1]

Privatleben

Am 19. April 1945 heiratete Meyer Mary Eno Pinchot, die er im Jahr zuvor kennengelernt hatte. Am 18. Dezember 1956 wurde Meyers neunjähriger Sohn Michael (geb. 1947) von einem Auto angefahren und getötet. Meyer hatte zwei überlebende Söhne, Quentin, geboren im November 1945, und Mark, geboren 1950. Meyer und seine Frau Mary ließen sich 1958 scheiden. Mary Pinchot zählte zu den Affären von John F. Kennedy.[6][1]

Am 12. Oktober 1964 wurde seine ehemalige Frau Mary von einem unbekannten Angreifer am Chesapeake and Ohio Canal erschossen. Ihre Schwester und ihr Schwager Benjamin C. Bradlee, später Chefredakteur der Washington Post, erwischten James Angleton beim Einbruch in Pinchots Wohnhaus, der nach Marys Tagebuch suchte. Vor ihrem Tod hatte Mary einer Bekannten gesagt, dass „wenn mir jemals etwas zustoßen sollte“, musst du mein „privates Tagebuch“ nehmen. Das Tagebuch wurde nie gefunden. Für den offenbar professionell durchgeführten Mord wurde ein junger Afroamerikaner angeklagt, jedoch später freigesprochen. In seiner Autobiografie sprach sich Meyer für die Theorie aus, dass es sich bei dem Mord um ein gescheitertes Sexualverbrechen handelte, laut seinem ehemaligen Assistenten soll er allerdings privat daran gezweifelt haben.[1]

1966 heiratete Meyer Starke Patteson Anderson, seine zweite Frau.[9]

Angebliche Rolle beim Kennedy-Attentat

Nach dem Tod des ehemaligen CIA-Agenten und Watergate-Figur E. Howard Hunt im Jahr 2007 gaben seine Söhne Saint John Hunt und David Hunt bekannt, dass ihr Vater mehrere Aussagen über sich selbst und andere aufgezeichnet hatte, die an einer Verschwörung zur Ermordung von John F. Kennedy beteiligt gewesen sein sollen. So soll angeblich von Cord Meyer gemeinsam mit anderen Mittätern wie David Atlee Phillips, Frank Sturgis und David Sanchez Morales im Auftrag von Vizepräsident Lyndon B. Johnson organisiert worden sein.[10][1]

Die beiden Söhne behaupteten, ihr Vater habe diese Informationen aus seinen Memoiren American Spy: My Secret History in the CIA, Watergate and Beyond herausgenommen, um einer möglichen Anklage wegen Meineids zu entgehen. Laut Hunts Witwe und seinen anderen Kindern nutzten die beiden Söhne Hunts verminderte geistige Klarheit aus, indem sie ihn für finanzielle Zwecke manipulierten und ausnutzten. Die Los Angeles Times gab an, die von den Söhnen zur Untermauerung der Geschichte vorgelegten Unterlagen geprüft zu haben und sie für „nicht schlüssig“ befunden zu haben.[11]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Cord Meyer. In: Spartacus Educational. Abgerufen am 3. November 2025 (englisch).
  2. Nina Burleigh: A Very Private Woman: The Life and Unsolved Murder of Presidential Mistress Mary Meyer. Random House Publishing Group, 2009, ISBN 978-0-307-57417-6, S. 83–85 (google.de [abgerufen am 3. November 2025]).
  3. Behind the Scenes of Owe CIA Agent's Life Washington Post
  4. a b These Candid Photographs Capture the Daily Life of Albert Einstein, 1930s-1950s - Rare Historical Photos. In: https://rarehistoricalphotos.com/. 1. Juni 2022, abgerufen am 3. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. Harold Jackson: Cord Meyer. In: The Guardian. 17. März 2001, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 3. November 2025]).
  6. a b Key CIA Figure Cord Meyer Dies. In: The Washington Post. 15. März 2001, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 3. November 2025]).
  7. Cord Meyer: Facing reality : from world federalism to the CIA. New York : Harper & Row, 1980, ISBN 978-0-06-013032-9, S. 222 (archive.org [abgerufen am 3. November 2025]).
  8. WashingtonPost.com: Watergate. Abgerufen am 3. November 2025.
  9. Mrs. Anderson Wed To Cord Meyer Jr (Published 1966). 9. Januar 1966 (nytimes.com [abgerufen am 3. November 2025]).
  10. The Last Confessions of E. Howard Hunt : Rolling Stone. Archiviert vom Original am 18. Juni 2008; abgerufen am 3. November 2025.
  11. Carol J. Williams Carol: Watergate plotter may have a last tale. 20. März 2007, abgerufen am 3. November 2025 (amerikanisches Englisch).