Corbusierhaus

Corbusierhaus
Unité d'Habitation – Typ Berlin
Ansicht von Nordwesten, Aufnahme 2017
Basisdaten
Ort: Berlin-Westend
Bauzeit: 1956–1958
Status: Baudenkmal
Baustil: Brutalismus
Architekt: Le Corbusier
Architekten: André Wogenscky, Felix Hinssen, Erich Böckler, Fritz Eske, Hedwig Goos, Jacques Mériot
Koordinaten: 52° 30′ 36,5″ N, 13° 14′ 37,4″ O
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Wohngebäude
Wohnungen: 530
Bauherr: Heilsberger Dreieck-Grundstücks AG
Technische Daten
Höhe: 56 m
Etagen: 17
Aufzüge: 3[1]
Baustoff: Stahlbeton
Konstruktion: Schottenbauweise
Baukosten: 15.569.015,18 DM
Höhenvergleich
Berlin: 130. (Liste)
Anschrift
Anschrift: Flatowallee 16
Postleitzahl: 14055
Stadt: Berlin
Land: Deutschland

Das Corbusierhaus (auch Le Corbusierhaus, Corbusierhaus Berlin oder Wohnmaschine) ist ein nach Plänen des Architekten Le Corbusier 1956–1958 errichtetes Hochhaus und Solitär im Berliner Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Geschichte

Das eigentlich als Unité d’habitation, type Berlin (französisch für ‚Wohneinheit, Typ Berlin‘) bezeichnete Gebäude gehört zu dem von Le Corbusier entwickelten Hochhaustyp der „Unité d’habitation“. Es wurde für die Internationale Bauausstellung von 1957 (Interbau) entworfen. Die Entwürfe der Interbau im Stil des Brutalismus werden teilweise als Reaktion West-Berlins auf die Neubauten in Ost-Berlin verstanden, unter anderem die Gestaltung der Karl-Marx-Allee.[2][3] Angaben über die Höhe variieren – 56 m[1] oder rund 53 m.[4][5] Zum Zeitpunkt der Fertigstellung war es nicht nur der größte Geschosswohnungsbau von Berlin,[6][7.1] sondern von ganz Europa.[8] Von allen fünf ausgeführten Unités d’habitation ist die in Berlin die zweitgrößte.[9][10]

Beauftragung und Standort

Der Auftrag an Le Corbusier lautete ursprünglich, ein Haus im Hansaviertel zu realisieren. Im Februar 1955 wurde der Architekt dazu aufgefordert, sich an der Bauausstellung Interbau zu beteiligen.[11.1] Ihm wurde ein Plan vom vorläufigen städtebaulichen Entwurf für das Hansaviertel geschickt, auf dem das Grundstück an der Händelallee Ecke Klopstockstraße markiert war.[7.2] Le Corbusier erschien das vorgeschlagene Grundstück im Hansaviertel unakzeptabel klein, da er plante, eine Unité d’habitation – ähnlich der in Marseille und Nantes-Rezé – zu errichten.[12.1] Bausenator Rolf Schwedler ließ ab April 1955 überprüfen, ob der Bau einer Unité in Berlin prinzipiell möglich sei.[12.2] Auf dem Grundstück, welches Le Corbusier im Februar 1955 vorgeschlagen wurde, steht heute das Walter-Gropius-Haus.[7.2]

Am 22. September 1955 fanden sich Le Corbusier und André Wogenscky in Berlin ein, um ihren Standpunkt klarzumachen.[13.1] Der Architekt Hans Schoszberger beschrieb das Treffen in der Zeitschrift Bauwelt.[13.2] Letztendlich fand man doch noch einen Kompromiss: Aufgrund der Größe wurde das Gebäude nicht im Hansaviertel errichtet. Berlin stellte ein städtisches Grundstück am Olympiastadion zur Verfügung, das sogenannte „Heilsberger Dreieck“, zwischen Heilsberger Allee, der heutigen Flatowallee, und S-Bahn-Trasse gelegen. Zwischen 1956 und 1958 wurde das Gebäude dort auf einer leichten Anhöhe errichtet.[14] Es beinhaltet nunmehr 530 Wohnungen auf 17 Geschossen, die über zehn sogenannte „Innenstraßen“ erschlossen werden. Die für Corbusiers typische Aufständerung geschieht hier nicht durch Stützen (Pilotis), sondern durch untergestellte Scheiben.

Für den Bau wurde die Heilsberger Dreieck-Grundstücks AG gegründet.[15.1] Der damals 41-jährige Frithjof Müller-Reppen wurde deren Direktor und fungierte als Bauherr.[16] Die Heilsberger Dreieck-Grundstücks AG ging aus der Thomashof-Grundstücks-AG hervor. Müller-Reppen, die Thomashof-Grundstücks-AG und Architekt Felix Hinssen hatten zuvor bereits die Ernst-Reuter-Siedlung realisiert.[12.3] Die Gesamtkosten der Unité d'Habitation – Typ Berlin betrugen rund 16,5 Millionen DM. Davon waren etwa 800.000 DM Grundstückskosten und 200.000 DM Erschließungskosten. Die reinen Baukosten betrugen rund 15,5 Millionen DM.[12.4] Der Spiegel nannte als Baukosten hingegen 13,8 Millionen DM.[6]

Streit um die Ausführung

Corbusier hatte auch die innere Gestaltung des Gebäudes bis ins Detail entworfen. Seine Vorstellungen wurden jedoch nicht umgesetzt. Vorschriften der deutschen Bauordnung und des sozialen Wohnungsbaus bedingten zudem auch Abweichungen vom Gesamtentwurf.[12.5] Die Raumhöhe beträgt 2,50 Meter statt der von Corbusiers Proportionsschema Modulor vorgesehenen 2,26 Meter.[17] Auch doppelgeschossige Wohnzimmer mit offener Galerie der oberen Ebene wurden ausgeschlossen.[7.3] Weitere Änderungen, die Le Corbusier widerwillig hinnahm waren: Aufständerung mit kurzen Wandscheiben – anstatt mit Säulen –, Verzicht auf ein Ladengeschoss in der siebten Straße, keine gemeinschaftlich genutzten Dachaufbauten, Verlegung der Einkaufsmöglichkeiten in das Erdgeschoss – welches eigentlich hätte komplett frei bleiben sollen.[18.1] Nur ein kleiner Anteil der Wohnungen ist durch die gesamte Gebäudetiefe „durchgesteckt“.[4]

Zwar akzeptierte Le Corbusier zunächst 1957 einige der Abweichungen, doch ein Jahr später distanzierte er sich vom ausgeführten Bau[19] und strich schließlich das Gebäude aus seinem Werkverzeichnis.[20] Der Streit eskalierte ab April 1957, denn es kamen weitere Änderungen hinzu, die Bauherr und Kontaktarchitekten nicht mit Paris abgesprochen hatten, darunter Änderungen am Aufzugsturm und an den Loggien.[18.1] Der Bauherr verwendete Pläne, die Le Corbusier nicht freigegeben hatte.[11.2]

Telegramm, André Wogenscky an Rolf Schwedler, 6. Mai 1957, Paris
Ihr persönlicher Einfluss auf Müller-Reppen unbedingt notwendig, dass er Corbusiers Pläne respektiert.
Wogenscky[18.2]

Le Corbusier forderte Ablösung von Bauherr Müller-Reppen sowie der Planer Felix Hinssen und Erich Böckler.[18.3] Ausschlaggebend für die negativen Reaktionen von Le Corbusier war insgesamt das eigenmächtige Vorgehen von Müller-Reppen und Hinssen, die ihre eigenen Pläne – mit Verweis auf den engen Zeitplan – ohne Freigabe von Le Corbusier umsetzen ließen.[18.4] Die Architektin Hedwig Goos war diejenige, die die Korrespondenz zwischen Deutsch und Französisch übersetzte.[12.6]

Ein Versuch, eine einvernehmlichere Ausführung zu erwirken, betraf den Architekten Hans Schoszberger.[18.5] Le Corbusier wünschte sich, dass jener als Kontaktarchitekt in das Projekt mit einbezogen würde.[18.6] Schoszberger erhielt die Baupläne,[18.7] stand in direktem Kontakt mit Le Corbusier.[18.8] Die Zusammenarbeit verlief aber im Sande, da Schoszberger krankheitsbedingt ausfiel.[18.9]

Über das Berliner Bauvorhaben verfasste Le Corbusier im Mai 1958 einen resignierten Buchbeitrag, der mit folgenden Worten endet: „Der Himmel hat es nicht gewollt, dass …“[18.10]

Planende Personen

Mit der Bauleitung in Berlin war Felix Hinssen betraut, mit dem Bauherr Müller-Reppen bereits zuvor zusammengearbeitet hatte.[12.7] Er entwarf auch die Innenausstattung. Weitere Planer in Berlin waren Erich Böckler und Fritz Eske.[15.2]

Eng verbunden mit der Entwicklung des Unité-Konzepts und der Umsetzung in Berlin und an anderen Orten ist der Architekt André Wogenscky. Auf den Bauzeichnungen steht im Plankopf zwar der Name Le Corbusier als erstes, direkt darunter aber als zweiter Name André Wogenscky – und keine weiteren Namen.[21] Wogenscky war ab 1936 Angestellter von Le Corbusier. Von 1955 bis 1957 arbeitete er mit einem eigenen Büro an den Corbusier-Aufträgen. Auch nach 1957 blieb Wogenscky weiterhin Ausführungsplanungs-Architekt für die Unité d’habitation type Berlin (und die Unité d’habitation de Briey).[22] Zeichnungen für nicht ausgeführte Dachaufbauten für Berlin fertigte 1956 der Corbusier-Angestellte Augusto Tobito Acevedo an. Auf den Plänen steht das das Kürzel „CHA“,[23.1] da das Projekt unter „Charlottenburg“ abgelegt wurde.[21][24]

Bei den Baubesprechungen in Berlin wurde André Wogenscky von Hedwig Goos und Jacques Mériot begleitet, die das Projekt in Paris bearbeiteten.[18.11] Als Praktikant auf der Baustelle arbeitete der junge Jürgen Sawade.[25]

Haustechnik und Dachaufbauten

Eine Besonderheit war, dass das Gebäude ursprünglich ein eigenes Heizkraftwerk beinhaltete. Mit der Verbrennung von Schweröl wurde außer Heizwärme und Heißwasser auch Strom für Aufzüge, Entlüftung, Pumpen, Treppenhausbeleuchtung und weiteres gewonnen.[26] Kessel und Dampfturbinen befanden sich im Erdgeschoss, die Luftkondensationsanlage auf dem Dach[27.1] – in einem aufgeständerten Haustechnikraum mit einer schrägen Kastenform.[28] Die Heizungsanlage wurde 1982 grunderneuert.[27.2] Nach 1982 war die Luftkondensationsanlage überflüssig geworden und man entfernte den pavillonartigen Haustechnikraum.[27.3] Die Lüftungsöffnung des Pavillons war nach Süden ausgerichtet.[29] „Entgegen anderer Behauptungen und Meinungen war dieser Aufbau nie für eine öffentliche Nutzung geplant und vorgesehen.“[27]

Nutzung und Rezeption

Im August 1959 berichtete Der Spiegel vom ersten Eigentümerwechsel. Die Produzentin Ilse Kubaschewski – Gründerin von Gloria-Film – übernahm rund 75 %.[6] Weitere Anteile erwarben die Gloria-Film-Wirtschaftsprüferin Annemarie Bange sowie der Direktor der Beton- und Monierbau AG – Henry Poeschla.[6] Die Mietwohnungen wurden 1979 in Eigentumswohnungen umgewandelt.[5]

Nachdem es 1979 vom Berliner Immobiliengroßmogul Bendzko gekauft worden war und die 530 Wohnungen in Eigentum umgewandelt bzw. als solche den Mietern angeboten wurden, änderte sich folglich auch die Bewohnerstruktur. […] Ursprünglich für 1600 Menschen geplant, zogen damals 1200 ein; heute wohnen dort etwa 1000. Die meisten der spartanisch engen Bäder sind vergrößert worden, die zum Wohnraum hin offenen Küchen sind inzwischen modernisiert. Die Gemeinschaftswaschküche an der 10. Straße ist verschwunden, ebenso der Supermarkt im Erdgeschoss. Die eigene Heiz-Kraft-Zentrale wurde durch den Anschluss ans öffentliche Netz überflüssig.[4]

Das Corbusierhaus steht seit 1994 unter Denkmalschutz.[30.1][2] Das Gutachten für den Denkmalschutz verfasste Dietrich Worbs.[1] Seit der Umbenennung der Reichssportfeldstraße im Jahr 1997 lautet die Adresse Flatowallee 16. Die Bausubstanz weist aufgrund des Alters und der verwendeten Materialien Schäden auf. Besonders ist die Verwendung von Ziegelsplittern als Zuschlagstoff im Beton.[31][7.4] Instandsetzungen des Betons fanden 1974 und in den 1980er Jahren statt.[32] In dem Denkmlapflegeplan, den das Architekturbüro Jochen Beer 2005 erstellte, sind die Merkmale des Betons und die frühen Ausbesserungsmaßnahmen beschrieben.[30.2] Die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) beauftragte das Berliner Architekturbüro Beer damit, ein Betoninstandsetzungskonzept für die Südfassade zu erstellen.[33] Die Sanierung der Betonfassaden begann 2014.[7.5]

Die aktuelle Rezeption ist ausgesprochen wertschätzend. Mehrere Bücher widmen sich dem Gebäude und stellen es durchweg positiv dar. Seit 2004 existiert ein Förderverein, der sich zusammen mit der WEG um das Gebäude kümmert.[34] Die von Philipp Mohr „rekonstruierte“ Wohnung 258 wurde international publiziert.[35][36] Zwischen der zweiten und dritten Etage des Corbusierhauses befindet sich die Galerie treppe b.[37]

Historische Bilder

Zeichnungen und Modell

Literatur

  • Philipp Mohr: Café Corbusier: Eine Rekonstruktion in Berlin. Edition Kronzeugen, Rhauderfehn 2021, ISBN 3-9821953-6-5.
  • Marcus Nitschke (Hrsg.): Le Corbusier und die Unité d’habitation, Typ Berlin – Briefwechsel 1955–1958. Treppe B – Galerie & Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96551-011-1.
  • Bärbel Högner: „Typ Berlin“. Das Corbusierhaus in Charlottenburg, Jovis Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86859-004-3.
  • Unité d’habitation, Typ Berlin: das Corbusier-Haus in Berlin. Denkmalpflegeplan, Landesdenkmalamt Berlin, 2007.
  • Frithjof Müller-Reppen (Hrsg.): Le Corbusiers Wohneinheit „Typ Berlin“. Verlag für Fachliteratur, Berlin-Grunewald 1958. (Faksimile der Originalausgabe mit einem aktualisierten Anhang: Hrsg. WEG Corbusier-Haus/Förderverein Corbusierhaus Berlin e. V. Jovis Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86859-005-0.)
  • Bauwelt 46 (1955), S. 797, 836 f.; Bauwelt 47 (1956), S. 1191; Bauwelt 48 (1957) 24, S. 585, 592 f.
Commons: Corbusierhaus, Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Dietrich Worbs: Anlage A – Gutachten zur Denkmaleigenschaft – Corbusier-Haus, Flatowallee 16 in Berlin-Charlottenburg. In: Jochen Beer (Hrsg.): Corbusierhaus Denkmalpflegeplan 2005. Landesdenkmalamt Berlin, 1996, S. 110 (archive.org [PDF]).
  2. a b Jade-Yasmin Tänzler: Gebrauchsanweisung für Corbusiers Wohnmaschine: Landesdenkmalamt übergibt Pflegeplan. In: Berliner Zeitung, 15. März 2007, S. 20
  3. Berlin zeigt Ost und West in einer Stadt: Karl-Marx-Allee und Hansaviertel am Start. In: Mitteldeutsche Zeitung, 7. Juli 2012, S. 26
  4. a b c Peter Rumpf: „Der Himmel hat es nicht gewollt, daß …“ Hrsg.: Bauwelt. Nr. 19, 2007, S. 17 (bauwelt.de [PDF]).
  5. a b Le-Corbusier-Haus – Unité d’habitation, Typ Berlin. In: Webseite des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. Abgerufen am 7. November 2022.
  6. a b c d Ilse Kubaschewski. In: Der Spiegel. 18. August 1959, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 14. Januar 2026]).
  7. Bärbel Högner: Die Unité in Berlin – ein vertikales Dorf. In: Bärbel Högner (Hrsg.): „Typ Berlin“ – Das Corbusier-Haus in Charlottenburg. überarbeitete Auflage. Jovis, Berlin 2020, ISBN 978-3-86859-563-5, S. 49–64.
    1. „Einst war das Corbusierhaus die größte Wohnanlage in Berlin. Heute ist es nur noch das größte Wohnhaus mit einem gemeinsamen Eingang.“ S. 63.
    2. a b Plan mit dem markierten Baugrund, Dokument aus dem Nachlass Fondation Le Corbusier. S. 52.
    3. „Die Deckenhöhe musste sich hiesigen Normen beugen und angesichts der Wohnungsnot in den 1950er Jahren bestand erhöhter Bedarf an kleinen Wohnungen. So wurde die Idee einer offenen Galeriesituation zugunsten von mehr Wohnfläche aufgegeben.“ S. 52.
    4. „Der Normalbeton hatte Zuschläge aus geschredderten Ziegeln, die aus der Trümmerschuttverwertung kriegszerstörter Häuser stammten.“ S. 60
    5. „Entsprechend wurde 2014 die Südfassade komplett überarbeitet. Planungen zur aufwendigen Rundumsanierung von West- und Ostfassade begannen 2018.“ S. 62.
  8. Benedikt Hotze: Le Corbusier: Unité d’habitation „Typ Berlin“. In: Bauwelt. Abgerufen am 14. Januar 2026.
  9. Franz Graf: Das vielfache Leben der Unités d’habitation (1945–1967–2017) – Wiederholung, Unterschiede und Fallgeschichten. In: Bärbel Högner (Hrsg.): „Typ Berlin“ – Das Corbusierhaus in Charlottenburg. Jovis, Berlin 2008, ISBN 978-3-86859-004-3, S. 167–178.
  10. Das Haus Cité Radieuse in Marseille ist minimal kürzer als das Berliner Corbusierhaus, dafür etwas breiter und ungefähr genau so hoch – und hat nutzbare Dachaufbauten. Außenvolumen der jeweiligen Unités nach Größe sortiert:
    1. Marseille ca. 180.000 m³
    2. Berlin ca. 170.000 m³
    3. Firminy-Vert ca. 130.000 m³
    4. Briey ca. 120.000 m³
    5. Nantes-Reze ca. 100.000 m³
  11. Nicolas Clemens: Le Corbusier et la querelle de Berlin. In: Société française d'histoire urbaine (Hrsg.): Histoire urbaine. Nr. 16, Februar 2006, ISSN 1628-0482, S. 131–148 (französisch, cairn.info).
    1. „Effectivement le 24 février 1955, le sénateur Schwedler envoie une lettre d’invitation à Le Corbusier.“
    2. „Or à Berlin, Müller-Reppen construit à grande vitesse, directement selon les normes et ses propres plans, sans l’accord de Le Corbusier.“
  12. Hermann-Josef Pohlmann: „Der Himmel hat es nicht gewollt …“? In: Bärbel Högner (Hrsg.): „Typ Berlin“ – Das Corbusier-Haus in Charlottenburg. überarbeitete Auflage. Jovis, Berlin 2020, ISBN 978-3-86859-563-5, S. 95–110.
    1. „Die Dimensionen der Unité seien inzwischen absolut präzise ermittelt worden, deshalb sei das vorgesehene Grundstück mit seinen 100 x 20 Metern zu klein.“ S. 100.
    2. S. 100.
    3. „[…] übernimmt die Thomashof-Grundstücks-AG die Bauaufgabe. Diese errichtete erfolgreich die bereits erwähnte Ernst-Reuter-Siedlung und baut nahezu parallel zum Corbusierhaus zwischen 1956 und 1958 eines der ersten großen Wohnhochhäuser in Berlin (West) am Rathenauplatz.“ S. 103.
    4. „Grundstückskosten 805.362,00 DM, Erschließungskosten 200.000,00 DM, Baukosten 15.569.015,18 DM.“ S. 106.
    5. „Was zeigt das Planmaterial aus Marseille, das nicht mit den Bedingungen des sozialen Wohnungsbaus vereinbar wäre? Zunächst einmal fast ausschließlich große Wohnungen, mit insgesamt vier Zimmern.“ S. 101.
    6. „Sämtliche Schreiben wurden perfekt übersetzt von Hedwig Goos, einer zum damaligen Zeitpunkt in Paris lebenden und arbeitenden Architektin.“ S. 102.
    7. „Für die beiden vorgenannten Projekte zeichnet der Architekt Felix Hinssen verantwortlich, den Müller-Reppen auch in das Planungs- bzw. Realisierungsteam für das Corbusierhaus holt.“ S. 103.
  13. Hans Schoszberger: Le Corbusier zu halben Preisen. In: Bauwelt. Band 46, Nr. 42. Bauverlag, 1955, ISSN 0005-6855.
    1. „Am Donnerstag, dem 22. September, sitzen sechs Männer kurz nach Mitternacht in einem Kurfürstendamm-Café. […] Soeben war es klar geworden: Der große Architekt macht bei der Bau-Ausstellung nicht mit. ,Ich habe keine Zeit, Dummheiten zu bauen‘, sagt er in gebrochenem Deutsch, und sein Chefarchitekt nickt dazu in perfektem Französisch.“ S. 836.
    2. „Für die spätere historische Forderung über die Entstehung des Berliner Corbusier-Baues seien die Personen hier genannt. Es waren: Le Corbusier, sein Chefarchitekt Wogensky, H. Klawonn, Direktor der Hansa A.G., Dr. K. Mahler, Direktor der Interbau — Internationale Bauausstellung Berlin 1957 –, der Architekt Schneider-Esleben, Düsseldorf, und Dr.-Ing. H. Schoszberger.“ S. 837.
  14. Unité d’habitation – Corbusier Bürgerverein Hansaviertel.
  15. Paul Ortwin Rave, Irmgard Wirth: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin – Stadt und Bezirk Charlottenburg. Textband. Gebrüder Mann, Berlin 1961.
    1. „Bauherr für dieses Unternehmen war die eigens dazu gegründete Heilsberger Dreieck-Grundstücks AG.“ S. 454.
    2. „Die örtliche Bauleitung hatten Baurat Felix Hinssen, Dr.-Ing. Erich Böckler und Oberingenieur Fritz Eske. Baufirma: Beton- und Monierbau AG. Berlin.“ S. 454.
  16. Versöhnung mit Corbusier. In: Der Spiegel. 17. September 1957, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 6. Januar 2026]).
  17. Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Berlin. Bearbeitet von Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke und anderen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1994, S. 203 ff.
  18. Marcus Nitschke (Hrsg.): Le Corbusier und die Unité d'habitation, Typ Berlin – Briefwechsel 1955–1958. 2. erweiterte Auflage. Treppe B – Galerie & Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-96551-012-8.
    1. a b S. 76.
    2. S. 86.
    3. S. 87.
    4. „Le Corbusier: ,[…] unter dem VORWAND DER EILE!!!‘“ S. 91, 92.
    5. „Corbusier: ,[…] und ich weise darauf hin, dass ich besonders glücklich wäre wenn Herr Dr. Schoszberger zum Architekten von Berlin ernannt würde.‘“ S. 85.
    6. „Rolf Schwedler an Le Corbusier, 26.05.1957: […] Die Einschaltung von Herrn Dr. Schoszberger als Kontaktarchitekt, die gleichfalls auf Ihren Wunsch geschehen ist, soll die Garantie dafür schaffen, dass in Zukunft nur nach Ihren Plänen gearbeitet wird […].“ S. 89.
    7. S. 91.
    8. S. 96–100.
    9. „Le Corbusier an Rolf Schwedler, 19.06.1957: […] Gestern endlich bekamen wir von seiner Sekretärin folgende Antwort: ,Herr Schoszberger ist krank seit Ihrer Abreise, er hat sich auf das Land zurückgezogen, seine Adresse ist unbekannt, seine Instruktionen hat er an Herrn Koch, seinen Mitarbeiter weitergegeben; Herr Koch ist zu Herrn Schoszberger gereist, ohne irgendeine Adresse oder Instruktionen zu hinterlassen.‘ Die Sekretärin von Herrn Schoszberger weiß überhaupt nichts.“ S. 117–118.
    10. S. 110.
    11. S. 85.
  19. Das Hansaviertel und 50 Jahre Interbau. In: Berliner Zeitung, 15. Mai 2007, S. 27
  20. Le Corbusier: L’Œuvre complète 1952–1957. Hrsg. von Willy Boesiger. Zürich: Girsberger 1957, S. 192 u. 197.
  21. a b Bärbel Högner (Hrsg.): „Typ Berlin“ – Das Corbusier-Haus in Charlottenburg. Überarbeitete Auflage. Berlin 2020, ISBN 978-3-86859-563-5, S. 25–29.
  22. Ignacio Requena-Ruiz: André Wogenscky's Early Housing Works (1956–70). The Relation Between Body, Interior Atmospheres, and Envelope. In: Departamento de Arquitectura, Universidad de los Andes (Hrsg.): Dearq. Band 15, Nr. 1, 12. Januar 2014, ISSN 2215-969X, S. 103, doi:10.18389/dearq15.2014.08 (edu.co): „Wogenscky was one of the main collaborators of the Atelier 35 Rue de Sèvres (Atelier 35S) office between 1936 and 1956. […] In September 1957, he ended his professional relationship with Le Corbusier […]. Subsequently, he remained in charge of the projects for the Master plan and the Unité d’habitation in Meaux (1957), as well as the Unités in Berlin (1956–1957), and Briey-en-forêt (1956–1963).“
  23. Philipp Mohr: Café Corbusier: Eine Rekonstruktion in Berlin. Edition Kronzeugen, Rhauderfehn 2021, ISBN 3-9821953-6-5.
    1. Pläne 23691 und 23685 der Fondation Le Corbusier, gezeichnet von Augusto Tobito. S. 164–165.
    2. S. 213.
  24. Stadtbibliothek Berlin-Mitte: Bärbel Högner: Das Corbusierhaus – ein Berliner Original. bei Minute 15:20. In: YouTube. YouTube, 2020, abgerufen am 14. Januar 2026: „Rätselhaft war für mich lange: Wieso heißt das alles ,CHA‘ – in den Archiven dort? Und es stellte sich dann raus, dass das Projekt archiviert wurde – von Le Corbusier – unter ,Charlottenburg‘.“
  25. BAUWELT - Jürgen Sawade 1937–2015. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
  26. Wohnhaus „Typ Berlin“ von Le Corbusier. In: Bauwelt. Band 48, Nr. 24. Bauverlag, 1957, ISSN 0005-6855, S. 585: „Zu dem Haus gehört eine eigene Versorgungszentrale, die nördlich des Eingangs am Fahrstuhlturm liegt. Hier wird in einer Schwerölheizung die Wärme für die Wohnungen und das Warmwasser gewonnen, und ein kleines Kraftwerk deckt den hauseigenen Strombedarf, der sich auf eine Million kW beläuft. Man gewinnt also, unabhängig vom öffentlichen Netz, die elektrische Energie zum Betrieb der Fahrstühle, Entlüftung, Druckerhöhungsanlage und Pumpen sowie den nötigen Strom, um Treppenhäuser und Innenstraßen zu beleuchten.“
  27. Haustechnik-Corbusierhaus – Fotodokumentation. Abgerufen am 4. Januar 2026.
    1. „Hier wurde unter anderem der überschüssige, zum Heizen und dem Antrieb der Dampfturbinen benötigte Dampf über eine Luftkondensationsanlage ,niedergeschlagen‘, abgekühlt und der Heizungsanlage als Wasser wieder zugeführt.“
    2. „In dem markanten Aufbau rechts des Turmes waren bis zu einem ersten und grundlegenden Umbau der Heizungsanlage – 1982 – haustechnische Anlagen untergebracht.“
    3. „Nach dem Rückbau der technischen Anlagen ist dieser Aufbau Anfang der 1980er entfernt worden.“
  28. Foto. In: api.architectuul.org. Abgerufen am 29. November 2023.
  29. Herbert Maschke: Berlin, Corbusier-Haus.
  30. Beer Architekten: Corbusierhaus Denkmlapflegeplan 2005. 2005, abgerufen am 16. Januar 2026.
    1. „Das Corbusierhaus am Heilsberger Dreieck wurde im Jahr 1994 unter Denkmalschutz gestellt.“ S. 8.
    2. S. 28–31.
  31. Marcus Nitschke: Corbusierhaus Berlin, Flatowallee 16, 14055 Berlin. In: buerger-fuer-denkmale.de. Stiftung Denkmalschutz Berlin, abgerufen am 7. Januar 2026.
  32. Rita Jacobs, Christoph Bock: Die „Wohnmaschine“ generalüberholt. In: bauenimbestand24.de. RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG, 31. August 2016, abgerufen am 7. Januar 2026: „Bereits 1974 fand eine erste Instandsetzung des in Ziegelsplittbeton erstellten Gebäudes statt, bei der sämtliche Sichtbetonflächen eine Oberflächenschutzbeschichtung erhielten. Eine zweite Sanierung mit dem Schwerpunkt auf Brüstungen und Fußbodenaufbau schloss sich Mitte der 1980er-Jahre an.“
  33. Rita Jacobs, Christoph Bock: Fassadensanierung –– Neu und doch wie früher. In: BundesBauBlatt | BBB – Fachzeitschrift und Online-Portal. Bauverlag BV GmbH, abgerufen am 7. Januar 2026.
  34. Verein – Förderverein Corbusierhaus Berlin e. V. Abgerufen am 7. Januar 2026.
  35. Alyn Griffiths: Le Corbusier’s interior realised by Philipp Mohr at Unité d’Habitation in Berlin. In: Dezeen. 18. Juni 2018, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch): „When he bought the apartment, the interior bore little resemblance to the way Le Corbusier intended it, so the architect set himself the goal of refurbishing it to the architect’s original design. ,The way I found the apartment was the original interior from 1958, with the original stair, bathroom and layout‘. […] Having completely gutted the interior, Mohr began the transformation by lowering the ceiling height and moving walls to reproduce the intended layout and proportions. […] Although not authentic to the original apartment, the furniture all relates to the period in which Le Corbusier developed the plans.“
  36. Niall Patrick Walsh: Apartment in Le Corbusier’s Unité d’Habitation Renovated to Original Design by Philipp Mohr. 18. Juni 2018, abgerufen am 7. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  37. 00 Galerie-Seite. In: treppe b. Abgerufen am 7. Januar 2026: „Die Galerie befindet sich im Corbusierhaus in Berlin-Charlottenburg. Sie widmet sich besonders architektonischen Themen, mit einem klaren Fokus auf das Werk von Le Corbusier sowie die Berliner Nachkriegsmoderne.“