Constanze Spieß

Constanze Spieß (* 6. Januar 1975 in Bernburg, Saale) ist eine deutsche Germanistin und Linguistin.

Leben

Constanze Spieß studierte von 1995 bis 2002 Germanistik und Katholische Theologie für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Mainz (Erstes Staatsexamen). Sie wurde 2009/2010 an der Universität Trier promoviert. Ihre Dissertation mit dem Titel Diskurshandlungen. Theorie und Methode linguistischer Diskursanalyse am Beispiel der Bioethikdebatte ist laut dem Sprachwissenschaftler Thomas Niehr „ein voluminöses Werk zur Diskursanalyse“.[1] Anschließend arbeitete sie bis 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanistischen Institut der Universität Münster, Abteilung Sprachdidaktik. Einen Ruf auf eine W3-Professur für Germanistische Linguistik an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg sowie ein Angebot zu Berufungsverhandlungen auf eine W3-Professur für Angewandte Sprachwissenschaft an der Technischen Universität Dresden lehnte sie ab.[2] Seit 2019 ist sie Professorin (W3) für Pragmalinguistik am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Seit 2021 ist sie Vorsitzende und Sprecherin der Jury des Unworts des Jahres.[3]

Forschungsschwerpunkte

Im Rahmen der Pragmalinguistik, die sich mit sprachlichem Handeln befasst, spezialisierte sich Spieß auf Genderlinguistik, so etwa die Untersuchung von sprachlichen Konstruktionen von Geschlechtsidentitäten und von Diskursen über geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören weiterhin Diskurslinguistik einschließlich des Sprachgebrauchs in öffentlich-politischen Diskursen und in online-Kontexten sowie Sprache und Politik einschließlich des Sprachgebrauchs politischer Parteien, politischer Rhetorik, sprachlicher Gewalt und populistischen Sprachgebrauchs. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Sprache in den Bereichen (Bio-)Medizin und Bioethik sowie Kunst und Kunstkommunikation, Textlinguistik sowie Sprachgeschichte als Diskursgeschichte, beispielsweise bezogen auf Frauen- und Geschlechterbewegungen oder Biomedizin.[2]

Schriften (Auswahl)

Monografien
  • Diskurshandlungen. Theorie und Methode linguistischer Diskursanalyse am Beispiel der Bioethikdebatte, De Gruyter, Berlin/Boston 2011 (Reihe Sprache und Wissen Band 7), ISBN 978-3-11-025880-6.
Herausgeberschaften
  • 2012 mit Susanne Günthner und Dagmar Hüpper: Genderlinguistik: Sprachliche Konstruktionen von Geschlechtsidentität (= Linguistik – Impulse & Tendenzen. Band 45). De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-027290-1 (doi:10.1515/9783110272901; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  • 2016 mit Andreas Bittner: Formen und Funktionen: Morphosemantik und grammatische Konstruktion. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-047849-5 (doi:10.1515/9783110478976; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  • 2017 mit Martin Reisigl: Sprache und Geschlecht. Band 1: Sprachpolitiken und Grammatik (= OBST. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. Band 90). Universitätsverlag Rhein-Ruhr, Duisburg 2017, ISBN 978-3-95605-034-3 (Leseprobe; Besprechung).
  • 2017 mit Martin Reisigl: Sprache und Geschlecht. Band 2: Sprachliche Praktiken der Geschlechterkonstruktion – Empirische Studien zur Genderlinguistik (= OBST. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. Band 91). Universitätsverlag Rhein-Ruhr, Duisburg 2017, ISBN 978-3-95605-036-7 (Leseprobe).

Einzelnachweise

  1. Thomas Niehr: Constanze Spieß. Diskurshandlungen. Theorie und Methode linguistischer Diskursanalyse am Beispiel der Bioethikdebatte. Aus: Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Sprachwissenschaft, Band 4 Heft 2, Oktober 2012, S. 251–256.
  2. a b Prof. Dr. Constanze Spieß. In: Internetangebot der Philipps-Universität Marburg. Abgerufen am 1. November 2025.
  3. Sascha Zoske: Eine Genderlinguistin für die „Unwort“-Jury, FAZ, 25. Januar 2021.