Connie Lewcock
Constance (Connie) Mary Lewcock, geborene Ellis (* 11. April 1894 Horncastle, Lincolnshire; † 11. November 1980 in Newcastle upon Tyne) war eine englisch-britische Suffragette und Sozialistin.[1]
Leben
Lewcock war das einzige Kind Thomas Henry Ellis († 1898), der ein Geschäft für Stoffe in Horncastle führte, und seiner Frau Emily Mary, geborene Lessware. Der Tod des Vaters, als Lewcock vier Jahrfe alt war, und die Wiederheirat der Mutter mit einem methodistischen Pfarrer, traf das nach eigener Einschätzung verwöhnte Einzelkind tief und sie verabscheute ihren Stiefvater.[2] Als die Eltern nach Slough zogen, blieb sie bei ihrer Tante, die ebenfalls einen Laden in Horncastle führte. Nach dem Besuch einer Mädchenschule erhielt Lewcock ein Stipendium für das Gymnasium in Horncastle, wo sie bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr blieb. Enttäuscht darüber, dass sie keinen Studienplatz erhalten hatte, nahm sie eine Stelle als Lehrerin ohne Abschluss für 50 Pfund pro Jahr in Esh Winning, Durham an. Dort unterrichtete sie von 1912 bis 1914 eine Klasse mit 78 Kindern.
1913 meldete sich Lewcock freiwillig bei der Women’s Social and Political Union (WSPU) und warnte zunächst vor den Nachteilen von Verhaftungen. Sie lernte die Politik kennen, indem sie bei WSPU-Treffen in der Grafschaft Durham den Vorsitz führte und Reden hielt. Bei einer Versammlung der Independent Labour Party (ILP) in der Kohlenmine in Cornsay traf sie einen sympathisierenden Bergarbeiter, Joss Craddock, der die blauen Flecken bemerkte, die sie sich durch das Herauswerfen aus Versammlungen zugezogen hatte. In der Folge begleitete und beschützte Craddock sie.[3]
Ihre Mitarbeit in der WSPU fiel mit dem Höhepunkt der Militanz in den Jahren 1912–14 zusammen. 1914 beging Lewcock das, was sie später im Interview als „perfektes Verbrechen“ bezeichnete, als sie ein Eisenbahngebäude in Esh Winning niederbrannte.[4] Sie hatte ein System entwickelt, bei dem ein Gefäß mit brennbarer Flüssigkeit entzündet wurde, wenn eine Kerze heruntergebrannt war. Das bedeutete, dass sie, als das Holzgebäude in Flammen stand, bereits meilenweit entfernt war und sich ein Alibi verschafft hatte. Sie wurde dabei von Craddock unterstützt. Das Bahnhofsgebäude in Esh Winning brannte nieder, aber die Polizei konnte keine formelle Anklage erheben, da sie über dreißig Zeugen hatte, die bezeugen konnten, dass sie zum Zeitpunkt des Brandes bei ihnen war. Ihre Arbeitgeber brauchten jedoch keine Beweise und sie wurde aufgefordert, ihre politischen Aktivitäten einzustellen oder den Lehrberuf aufzugeben. Sie gab den Lehrberuf auf, aber zu diesem Zeitpunkt begann der Erste Weltkrieg und die WSPU vereinbarte mit der Regierung gegen eine Amnestie einen Waffenstillstand für die Dauer des Krieges.
Lewcock verstärkte ihre politischen Aktivitäten für die Federation of Women Workers und die ILP . Sie ging nach Middlesbrough, um Munitionsarbeiterinnen zu organisieren, und 1917 wurde sie von der ILP für eine Antikriegskampagne in der Grafschaft Cleveland mit einem Wochenlohn von 2 Pfund eingestellt. Im August 1918 wurde sie wegen aufrührerischer Reden angeklagt, weil sie Fleischlieferanten der Truppen vorgeworfen hatte, übermäßige Gewinne zu erzielen. In Guisborough vor Gericht gestellt, hatte sie die Wahl zwischen einer Geldstrafe von 5 Pfund oder einem Monat Gefängnis; zu ihrem Bedauern zahlte die ILP die Geldstrafe.
Am 6. August 1918 heiratete sie William Best Lewcock (1891–1960), einen Bergmann; der am Ruskin College in Oxford studierte und während des Krieges Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen betrieben hatte. Sie hatten drei Kinder: Sheila, Peter und Cynthia. William Lewcok betätigte sich politisch, die Familie zog nach Newcastle upon Tyne und Lewcock unterstützte die Arbeit ihres Mannes. Nach seinem Tod 1960 vertrat Lewcock den Bezirk Benwell im Stadtrat von Newcastle. 1966 erhielt sie den Order of the British Empire und 1971 legte sie ihr Amt als Stadträtin nieder. Während ihrer Amtszeit war sie Vorsitzende des Ausschusses für Wohnungswesen und des Ausschusses für parlamentarische und allgemeine Angelegenheiten sowie stellvertretende Vorsitzender des Finanzausschusses.
Der Historiker Brian Harrison führte zwei Oral-History-Interviews mit Lewcock im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[5] Das erste wurde im April 1976 aufgenommen. Im Interview erinnert sich Lewcock an ihre Kindheit und ihre Arbeit bei der WSPU, ihre politischen Interessen und erzählt Lewcock auch über Craddock.[3] 1978 war sie zur 50-Jahre-Feier der Gewährung des Frauenwahlrechts in der Westminster Hall dabei.[6]
Lewcock starb 1980 nach einem Sturz in Newcastle upon Tyne.
Einzelnachweise
- ↑ Sofern nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung Martin Pugh: Lewcock [née Ellis], Constance Mary [Connie] (1894–1980). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2010, doi:10.1093/ref:odnb/89853.
- ↑ Lewcock, Mrs Connie. In: Oral Evidence on the Suffragette and Suffragist Movements: the Brian Harrison interviews, 1974–1988. The Women’s Library, 15. April 1976, abgerufen am 8. Januar 2026.
- ↑ a b Wright, Mrs Elsie and Lewcock, Mrs Connie. In: Oral Evidence on the Suffragette and Suffragist Movements: the Brian Harrison interviews, 1974–1988. The Women’s Library, 15. April 1977, abgerufen am 8. Januar 2026.
- ↑ Krista Cowman: Women of the Right Spirit: Paid Organisers of the Women's Social and Political Union (WSPU) 1904–1918. Manchester University Press, Manchester 2007, ISBN 978-0-7190-7002-0, S. 3.
- ↑ Gilian Murphy: The Suffrage Interviews. London School of Economics and Political Science, abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Former suffragette, Connie Lewcock, Westminster Hall. Museum of London, Juni 1978, abgerufen am 8. Januar 2026.