Conchita Grangé Beleta

Conchita Grangé Beleta, verh. Ramos (* 6. August 1925 in Espui, La Torre de Cabdella, Provinz Lleida; † 27. August 2019 in Toulouse), war eine spanisch-französische republikanische Kämpferin im Spanischen Bürgerkrieg und in der französischen Résistance. Sie überlebte ihre Gefangenschaft im KZ Ravensbrück sowie anderen NS-Lagern und engagierte sich in den folgenden Jahren in der Erinnerungsarbeit.

Biographie

Widerstand und Gefangenschaft

Conxita Grangé Beleta entstammte einer Arbeiterfamilie.[1] Sie war eine Tochter von Josep Grangé und Maria Beleta und hatte sieben Geschwister. Der Vater arbeitete im Wasserkraftwerk Cabdella, einem der ersten Wasserkraftwerke Spaniens.[1] Als sie zwei Jahre alt war, erkrankte ihre Mutter, und sie wurde zu ihrer Tante Elvira Ibarz und ihrem Onkel Jaume Beleta mütterlicherseits nach Toulouse gebracht;[2] deren Tochter war Maria Castelló Ibarz (später verheiratete Ferrer). Bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) zog die Familie nach Katalonien, um auf Seiten der Republik gegen die Franquisten zu kämpfen.[3] Jaume Beleta beteiligte sich am Bau republikanischer Flugplätze in der Region Alt Urgell und Empordà. 1943 musste er nach Andorra fliehen, da er von der Gestapo gesucht wurde.[4]

Nach Ende des Bürgerkriegs kehrte die Familie Beleta wie viele andere spanische Republikaner nach Frankreich zurück und kämpfte in der Résistance gegen die deutschen Besatzer. Conxita Grangé und ihre Kusine Maria Castelló fungierten als Verbindungsleute zu den Partisanen und der Maquis. Vermutlich aufgrund eines Hinweises wurde Conxita Grangé, Maria Castelló und Elvira Ibarz am 24. Mai 1944 in einem Bauernhaus in der kleinen Ortschaft Peny im französischen Département Ariège rund drei Kilometer südlich von Dalou von Milizionären der Petain-Regierung verhaftet, das mehreren Mitgliedern der französischen Résistance als Zuflucht diente (heute eine Etappe der „Chemins de la Mémoire”[5]).[4][6]

Die drei Frauen wurden von der Gestapo zunächst in deren Hauptquartier in Foix und später der Caffarelli-Kaserne von Toulouse inhaftiert, gefoltert und sieben Verhören ausgesetzt.[1] Zusammen mit 700 anderen Gefangenen wurden sie ab 3. Juli 1944 zwei Monate lang im „Geisterzug“ transportiert, stets unter alliierten Bombenangriffen. Am 28. August 1944 wurde das KZ Dachau erreicht. Dort wurde Grangé unter der Nummer 93.887 registriert.[7] Am 9. September 1944 wurde sie in das KZ Ravensbrück verlegt, wo sie die Nummer 62.480 erhielt; es war der letzte Konvoi, der in Ravensbrück eintraf.[1] Unter den rund 120.000 Gefangenen in Ravensbrück wurden rund 400 Spanierinnen festgehalten, darunter etwa Neus Català i Pallejà. Anschließend kam Grangé in das KZ Sachsenhausen.[8][9]

In Ravensbrück wurde Grangé Zeugin, wie Ärzte im Lager alle möglichen grausamen Experimente an Frauen durchführten. Später wurde sie zusammen mit ihrer Tante und ihrer Kusine in ein Kommando außerhalb Berlins gebracht und musste in Zwangsarbeit Flugzeugteile herstellen, zusammen mit 500 weiteren Frauen. „Ich sollte die Teile kontrollieren, aber wir sabotierten sie. Wir alle taten das. Ich bekam viele Schläge mit dem Stock”, berichtete Conchita Grangé später.[10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach ihrer Freilassung und Überführung nach Frankreich im Mai 1945 kehrten Elvira Ibarz und Conxita Grangé über das Hôtel Lutetia in Paris nach Toulouse zurück. Maria Castelló wurde mit einer Typhuserkrankung in das Pariser Krankenhaus Pitié-Salpêtrière eingeliefert, wo sie am 16. Juni 1945 im Alter von 31 Jahren starb.[11] Ihr Mann Joseph Ferrer überlebte seine Gefangenschaft im KZ Mauthausen. Elvira Ibarz starb 1953 im Alter von 62 Jahren, im Jahr darauf Jaume Beleta.[12]

Conxita Grangé heiratete 1946 Josep Ramos, einen ehemaligen katalanischen Partisanen,[13] und engagierte sich aktiv für die Bewahrung der Erinnerung an die Résistance und die Deportationen. Sie beteiligte sich von Anfang an an den Aktivitäten des Musée départemental de la Résistance et de la Déportation in Toulouse und gab ihre Erinnerungen an jüngere Generationen weiter. „Anders als andere Deportierte, die wegen des Traumas nicht sprechen konnten, verstand Grangé die Notwendigkeit, das Grauen in Erinnerung zu behalten. Zusammen mit anderen katalanischen Frauen, die Ravensbrück durchgemacht hatten, schworen sie, dass sie, falls sie überlebten, Zeugnis von der Hölle ablegen würden, die sie erlitten hatten“, erklärt der katalanische Historiker Josep Calvet.[1]

Conchita Grangé Ramos starb am 27. August 2019 im Alter von 94 Jahren in Toulouse. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie die letzte katalanische Überlebende eines NS-Konzentrationslagers.[13]

Ehrungen

Conchita Grangé wurde mit mehreren hohen Auszeichnungen gewürdigt. 2008 wurde sie Kommandeur des französischen Ordre national du Mérite.[14] Sie war Offizierin der Ehrenlegion, Commandeurin des Ordre national du Mérite und erhielt die Militärmedaille mit Palmen sowie die Médaille de la Résistance.[15]

Im Juli 2019 wurde in Torre de Capdella eine Gedenktafel für sie enthüllt.[13]

2025 rief die Generalitat de Catalunya das Jahr zum „Año Conxita Grangé” als „Leuchtfeuer“ für die Jugend gegen die globale Verharmlosung vorn Faschismus, das mit einer Reihe von Ausstellungen, Führungen und Workshops gewürdigt wurde.[2] Die zentrale Veranstaltung fand am 9. August im Wasserkraftmuseum von Capdella statt. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde der Conxita-Grangé-Platz eingeweiht, der zum Wasserkraftmuseum von Capdella führt.

Commons: Conchita Grangé Beleta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Conxita Grangé, la catalana que transportó dinamita para la Resistencia francesa y sobrevivió a los campos nazis. In: eldiario.es. 3. Mai 2025, abgerufen am 5. Januar 2026 (spanisch).
  2. a b Heroínas: Conchita Ramos o Conchita Grangé Beleta integrante de la resistencia francesa. In: heroinas.net. Abgerufen am 6. Januar 2026.
  3. Mor la pallaresa Conxita Grangé, última supervivent catalana del camp de concentració de Ravensbrück. In: viurealspirineus.cat. 27. August 2019, abgerufen am 4. Januar 2026 (spanisch).
  4. a b Elvira Ibarz Ibarz i Maria Castelló Ibarz (Ferrer) · Dones a Ravensbrück. In: ddd.uab.cat. Abgerufen am 10. Januar 2026 (katalanisch).
  5. Peny - Les Chemins de la Mémoire. In: chemins-memoire-ariege.fr. Abgerufen am 5. Januar 2026 (französisch).
  6. Die folgende chronologische Abfolge kann ungenau sein, da die vielen Quellen sich teilweise widersprechen.
  7. Amalia Rosado Orquín: Españolas en los campos nazis. Los Libros De La Catarata, 2024, ISBN 84-1352-995-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  8. Government of Catalonia recognises Conxita Grangé for keeping alive the memory of the Holocaust and fighting fascism. In: catalangovernment.eu. 5. September 2019, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
  9. L'odyssée des déportés du train fantôme - Le Vernet 30-06-1944. In: lesdeportesdutrainfantome.org. Abgerufen am 5. Januar 2026 (französisch).
  10. Mónica González Álvarez: „Guardianas nazis. El lado feminino del mal“. (PDF; 3,7 MB) auf bnjm.cu Abgerufen am 11. Januar 2026.
  11. WIRE Women in resistance. S. 60. (PDF; 5,2 MB) auf webs.uab.cat
  12. Elvira Ibarz Ibarz i Maria Castelló Ibarz (Ferrer) · Dones a Ravensbrück · Omeka Sites. In: ddd.uab.cat. Abgerufen am 10. Januar 2026 (katalanisch).
  13. a b c El Govern homenajeará a Conxita Grangé, última superviviente campo exterminio. In: lavanguardia.com. 25. Juli 2019, abgerufen am 6. Januar 2026 (spanisch).
  14. La Dépêche du Midi: L'Ordre du Mérite pour Conchita Ramos. In: ladepeche.fr. 16. Oktober 2008, abgerufen am 10. Januar 2026 (französisch).
  15. Conchita RAMOS - Avis de décès du 29/08/2019 - La Dépêche. In: avis-deces.ladepeche.fr. Abgerufen am 11. Januar 2026 (französisch).