Comité de solidarité Québec-Chili

Das Comité de solidarité Québec-Chili war ein 1973 in Québec, Kanada, gegründetes Solidaritätskomitee für Chile und die Regierung von Salvador Allende. Ihr Engagement stand während der Pinochet-Diktatur und bis zur Rückkehr zur Demokratie in Chile im Zeichen der Internationalen Solidarität.

Geschichte

Zu Beginn der 1970er Jahre begannen sich frankophone Kanadier im Umfeld der links orientierten Selbstbestimmungsbewegung des Québec für den Globalen Süden und den von der Unidad Popular in Chile eingeschlagenen demokratischen Weg zum Sozialismus zu interessieren. Gewerkschafter und Intellektuelle mit separatistischer, aber auch souveränistischer Ausrichtung, engagierten sich für Chile, wobei unter den Separatisten jene Aktivisten überwogen, die im Allgemeinen nicht für den bewaffneten revolutionären Kampf der FLQ zur Loslösung Québecs von Kanada zu gewinnen waren.[1]

Viele Québécois reisten für kurze oder längere Aufenthalte nach Chile. Zugleich gab es bereits ein Engagement katholischer Missionare in diesem Land. Gewerkschafter wie Michel Chartrand, der Unabhängigkeitsaktivist Pierre Bourgault und manche zum Teil noch sehr junge Mitglieder des Parti québécois (PQ), darunter Louise Harel, die spätere Vorsitzende der Nationalversammlung, brachten sich ein. Harel schrieb im Jahr 2023 rückblickend, es habe eine enge Verwandtschaft zwischen den Kämpfen in Québec und Chile gegeben. Chile mobilisierte und gab Hoffnung. Zu den Anliegen, die für beide Länder relevant waren, zählten die angestrebte Verstaatlichung übermächtiger Rohstoffunternehmen (hier Energie, dort Kupfer), die staatliche Kontrolle des Alkoholverkaufs und der noch immer empfundene Eindruck der Kolonisation, dem sie mit einem Prozess der Dekolonisation begegnen wollten.[1][2]

Der Militärputsch rechtsgerichteter Generäle um Augusto Pinochet am 11. September 1973 löste in Québec eine Schockwelle aus. Michel Chartrand gründete mit seiner Tochter, der Lehrerin Suzanne Chartrand, und dem Priester Jean Ménard, der lange in Chile gelebt hatte, das Comité de solidarité Québec-Chili. Sie wollten die Bevölkerung für die Lage in Chile sensibilisieren und den lokalen Widerstand gegen die Pinochet-Diktatur unterstützen. Mit diesem Ziel erschien ein Informationsbulletin und es wurden Unterschriftensammlungen und Kampagnen zur Befreiung der politischen Gefangenen durchgeführt.[3] Bereits im Oktober 1973 empfing das Komitee Hortensia Bussi, die Witwe Salvador Allendes, am Flughafen Dorval als Gastrednerin. 1975 sprach auf seine Einladung Carmen Castillo an einer Konferenz in der Kirche Saint-Louis-de-France in Montréal. Nach den Streiks der Asbest-Bergleute von Thetford Mines und Asbestos (heutiger Name: Val-des-Sources), als sich Erzbischof Joseph Charbonneau auf die Seite der Arbeiter gestellt hatte, war es das zweite Mal in der Geschichte Québecs, dass sich sozialistische Sympathisanten und die katholische Kirche verbündeten. Der Historikerin Adeline Vasquez-Parra zufolge war es auch die erste politische Bewegung Québecs, die sich der Internationalen Solidarität verschrieb.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c Adeline Vasquez-Parra: Histoire du Québec des origines à nos jours. Éditions Tallandier, Paris 2025, ISBN 979-1-02106190-3, S. 289 f. und Fußnote 4 und 5, S. 391.
  2. Louise Harel: Mon appui à Allende et au Chili. In: Bulletin d’histoire politique. Nr. 31 (1–2), 2023, S. 81–84.
  3. Suzanne G. Chartrand: Mon implication dans le Comité Québec-Chili. In: Bulletin d’histoire politique. Nr. 31 (1–2), 2023, S. 92–100.