Comœdia

Comœdia war eine französische Kulturzeitschrift, die von 1907 bis 1914 und von 1919 bis 1937 täglich erschien und von 1941 bis 1944 zunächst wöchentlich, dann zweimonatlich. Sie wurde von Henri Desgrange gegründet.

Geschichte

1907 bis 1939

Henri Desgrange, der Erfinder der Tour de France und Gründer (im Jahr 1900) der Zeitung L’Auto-Vélo brachte die Zeitung 1907 auf den Markt.[1] Comœdia kostete 5 Centimes und umfasste insgesamt vier illustrierte Seiten. Von 1907 bis 1914 und dann von 1919 bis 1937 war sie die wichtigste französische Kultur-Tageszeitung. Lange Zeit war sie die einzige Zeitung, die täglich auf ihrer Titelseite Kunst und Literatur in den Vordergrund stellte. Ihr Schwerpunkt lag auf der Bühne (Theater, Live-Aufführungen, Kino, Musik, Tanz) und der bildenden Kunst.

Von 1907 bis 1914 war Gaston de Pawlowski Chefredakteur. Pawlowski legte den Schwerpunkt auf das Theater; in seiner Zeit veröffentlichte Comœdia Texte unter anderem von Guillaume Apollinaire und André Rouveyre[2]. Ab 1908 war Maurice de Brunhoff[3] für die Comœdia illustré verantwortlich. Diese Zeitung kostete 50 Centimes und war mit Farbfotos und Zeichnungen bebildert.[4] Nach der durch den Ersten Weltkrieg bedingten Unterbrechung waren ab 1919 René Clair, ab 1920 Paul Nivoix[5] und ab 1924 André Lang[6] mit der Redaktionsleitung betraut. Als Höhepunkt kulturellen Schaffens war die Zeitung in dieser Zeit auch an den Miss-France-Wahlen beteiligt.

Comœdia gab auch sogenanntes Briefmarkenkapselgeld heraus; vermutlich zu Werbezwecken[7]

Besatzungszeit

Während der Besatzungszeit erschien Comœdia unter Leitung von René Delange[A 1] zunächst wöchentlich, später in zweimonatlichem Rhythmus.[8] Die Auflage betrug 45.000 Exemplare. Delange war ein Freund des Sonderführers Gerhard Heller, der die französische Kulturpolitik bestimmte.[A 2] Zu den Autoren gehörten Roland Purnal[9], Arthur Honegger, Jacques Audiberti, Jean-Louis Barrault, Marcel Arland, Henry de Montherlant, Jean Giono, Jean Paulhan, Jean Cocteau, Colette, Paul Valéry, Paul Claudel, Marcel Jouhandeau und Jean-Paul Sartre (der, wie auch Simone de Beauvoir mit Delange befreundet war.[10])[11]

Comœdia veröffentlichte auch zahlreiche Artikel deutscher Nationalsozialisten. Zu diesen gehörten Ernst Wilhelm Eschmann, Georg Rabuse, Wilhelm Pinder, Friedrich Sieburg, Gerhard Fricke, Johannes Hoffmeister, Wolfgang Boetticher und Karl Epting.

Die Romanistin Ingrid Galster schreibt zu Comœdia, dass „Comœdia vom Deutschen Institut subventioniert wird, das die Veröffentlichung überwacht. Delange ... muss ebenfalls die antijüdischen Vorschriften einhalten.“[12] Andererseits merkte der Journalist Josef Biélinky an, Comœdia sei das einzige Blatt in Paris gewesen, das Juden nicht verunglimpft habe.[10] Nach der Befreiung wurde gegen die Zeitung ermittelt, aber Delange blieb davon unberührt. Die Veröffentlichung von Comœdia, die am 17. August 1944 eingestellt worden war, wurde jedoch nicht wieder aufgenommen.

Literatur

Commons: Comoedia – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Die französische Sprachversion enthält weiterführende Information zu Delange.
  2. Wie aus den Wikipedia-Artikeln zu Heller (insbesondere auch dem frankophenen Text) hervorgeht, hatte dieser zeitgenössisch den Ruf, eine liberale Kulturpolitik zu vertreten. Später wurde das (auch durch Hellers Biographie) als taktisches Manöver erkannt.

Einzelnachweise

  1. Comœdia vom 1. Oktober 1907 auf Gallica
  2. André Rouveyre. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  3. Angaben zu Maurice de Brunhoff in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  4. Comœdia illustré vom 15. Dezember 1908 auf Gallica
  5. Paul Nivoix. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  6. André Lang. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  7. Les timbres-monnaie émis par Comoedia vers 1920. In: Collection de monnaie. Abgerufen am 2. November 2025 (französisch).
  8. Siehe Literaturliste Gouranton 1997
  9. Angaben zu Roland Purnal in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  10. a b Julian Jackson: France: The Dark Years, 1940–1944. OUP Oxford, 2003, ISBN 978-0-19-162288-5 (google.de).
  11. Comœdia vom 21. Juni 1941 auf Gallica
  12. Ingrid Galser: Avertissement. Sartre devant la presse d’Occupation. Presses universitaires de Rennes, 2005, doi:10.4000/books.pur.31224.