Clement Mansfield Ingleby

Clement Mansfield Ingleby (* 29. Oktober 1823 in Edgbaston, heute Stadt Birmingham; † 26. September[1] 1886 in Ilford, Essex) war ein englischer Autor, Literaturforscher und Shakespeare-Kritiker.

Leben

Ingleby war der einzige Sohn des Birminghamer Anwalts Clement Ingleby († August 1859). Sein Großvater William Ingleby gehörte zum Landadel in Cheadle. Der Geologe Joseph Beete Jukes war einer seiner Kusins. Da er ein kränkliches Kind erhielt er nur eine oberflächliche häusliche Bildung. Im Alter von 20 Jahren wurde immatrikulierte er sich am Trinity College der Universität Cambridge. Hier wurde er als „Senior Optimist“ eingestuft, bekam 1847 den Bachelor of Arts, 1850 den Master of Arts und erwarb sich 1859 den Doktor der Rechte. Seine Interessen galten aber nicht der Rechtswissenschaft und er verbrachte seine Freizeit, soweit es seine Gesundheit zuließ, mit dem Studium der englischen, dramatischen Literatur sowie der Metaphysik und Mathematik. Seine erste Abhandlung The Neology of Shakespeare hielt er 1850 vor einer literarischen Gesellschaft in Birmingham.[1]

Er arbeitete mehrere Jahre in der Kanzlei seines Vaters, ehe er schließlich als Anwalt zugelassen und in dessen Partnerschaft aufgenommen wurde. Doch dieser Beruf sagte ihm nicht zu und so war er in den Jahren 1855 bis 1858 Professor der Logik und Metaphysik am Midland Institute. 1856 veröffentlichte Ingleby ein Lehrbuch mit dem Titel Outlines of theoretical logic[2] (‚Grundlagen der theoretischen Logik‘). 1859 gab Ingleby seine juristische Tätigkeit in Birmingham auf und zog in die Nähe von London, um sich ganz der schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. 1859 brachte er seine Schrift The Shakespeare Fabrications[3] heraus, die sich mit den literarische Fälschungen John Payne Colliers befasste, die er 1861 mit A Complete View of the Shakespeare Controversy abschloss.[1]

Es folgten zahlreiche Veröffentlichung in Fachzeitschriften, darunter eine Reihe von Aufsätzen für den British Controversialist über Francis Bacon, Henry Thomas Buckle, Hartley Coleridge, Thomas De Quincey, und Sir William Rowan Hamilton. 1864 und 1869 gab er die Introduction to Meta-physic heraus. Das notwendige Wissen hatte er sich zuvor angeeignet, indem er eine umfangreiche Abhandlung über The Principles of Reason, Theoretical and Practical schrieb, die nicht gedruckt wurde. 1868 befasste er sich mit der Frage ob Thomas Lodge ein Schauspieler war. 1870 wurde Ingleby zum Schriftführer, später zum Vizepräsidenten der Royal Society of Literature in London ernannt. Anschließend beschäftigte er sich fast ausschließlich mit den Werken Shakespeares. In seinem kleinen Band Shakespeare’s Bones[4] aus dem Jahr 1883 schlug er eine ehrfurchtsvolle Exhumierung von Shakespeares Gebeinen und die Untersuchung seines Schädels vor, was umgehend zu schriftlichen und öffentlichen Protesten führte.[1] Ingleby verfasste auch Gedichte, wie das Kindergedicht The One-eyed-Doll, das er für seine Tochter schrieb.[5]

Er war Mitglied der New Shakespeare Society und gab für diese 1874 die Shakespeare Allusion Books heraus, wurde zum englischen Ehrenmitglied der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft in Weimar gewählt und war Gründungsmitglied des Kuratoriums von Shakespeares Geburtshaus in Stratford-upon-Avon.[1]

Familie

Ingleby war seit dem 3. Oktober 1850 mit Sarah Oakes (22. Dezember 1823 – 3. Januar 1906),[6] der einzigen Tochter des Friedensrichter Robert Oakes und dessen Frau Sarah (geborene Holcombe) verheiratet, die eine entfernte Verwandte von ihm war. Sie wuchs bei ihrem Onkel Charles Thomas Holcombe (* um 1792) und dessen Frau Margaret († April 1860) auf, die eine Schwester ihrer Mutter war.

  • Arthur Ingleby (1852– 26. September 1929) wurde Priester und Kaplan der Krankenhauskapelle in Ilford
  • Holcombe Ingleby (18. März 1854 – 6. August 1926) ⚭ 1886 mit Neville (geborene Rolfe), Tochter von C. F. Neville Rolfe.[7]
  • Herbert Ingleby (um 1856 – 1900)
  • Clementina Rose Ingleby (um 1857 – 7. Februar 1938)

Ingleby erlitt im August 1886 einen schweren rheumatischen Anfall und starb kurze Zeit später in seiner Zesidenz Valentines in Ilford, Essex.[5]

Inglebys Frau Sarah war viele Jahre lang Präsidentin der Ilford Philanthropic Society und veranstaltete auf dem großen Grundstück ihres Anwesens zahlreiche eleganten Teegesellschaften und große gesellschaftliche Festen. In den 1890er Jahren beschloss sie, etwa 48 Hektar ihres Anwesens an den damaligen Stadtrat zu verkaufen, so dass der Central Park in Ilford erweitert werden konnte. Im Jahr 1899 wurde die später als „Valentines Park“[8] bekannte Anlage eröffnet.[5]

Werke (Auswahl)

  • The Shakespeare fabrications. J. R. Smith, London 1859 (archive.org).
  • A complete View of the Shakespeare controversy, concerning the authenticity and genuineness of manuscript matter affecting the works and biography of Shakspere. Nattali and Bond, London 1861 (archive.org).
  • Was Thomas Lodge an actor? An exposition touching the social status of the playwright in the time of Queen Elizabeth. R. Barrett and sons, London 1868 (archive.org).
  • The revival of philosophy at Cambridge. 1870.
  • The still lion, an essay towards the restoration of Shakespeare's text. Trübner & Co., London 1874 (archive.org).
  • Shakespeare’s century of prayse. 1874.
  • Shakespeare’s allusion-books. 1874.
  • Shakespeare hermeneutics. 1875.
  • Shakespeare, the man and the book. Trübner & Co., London 1877/1881, Teil 1 (archive.org), Teil 2 (archive.org).
  • Occasional papers on Shakespeare. 1881.

Gedichte/Esseys

  • Poems and epigrams;. Hrsg.: Holcombe Ingleby. Trübner, London 1887 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Mit einer Lebensskizze durch seinen Sohn).
  • Essays. Hrsg.: Holcombe Ingleby. Trübner & Co., London 1888 (archive.org).

Literatur

Wikisource: Clement Mansfield Ingleby – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise

  1. a b c d e Holcombe Ingleby: Ingleby, Clement Mansfield. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 28: Howard – Inglethorpe. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1891, S. 436–437 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  2. Clement Mansfield Ingleby: Outlines of Theoretical Logic: Founded on the New Analytic of Sir William … Macmillan and co., Cambridge 1856 (englisch, archive.org).
  3. Clement Mansfield Ingleby: The Shakespeare fabrications, or the MS. notes of the Perkins folio shown to be of recent origin. With an appendix on the authorship of the Ireland forgeries. J. R. Smith, London 1859 (englisch, archive.org).
  4. Clement Mansfield Ingleby: Shakespeare’s bones; the proposal to disinter them considered in relation to their possible bearing on his portraiture: illustrated by instances of visits of the living to the dead. Trübner, London 1883 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
  5. a b c Sarah & Clement Ingleby 1860–1906 valentines.org.uk
  6. Re Mrs. Sarah Ingleby, Deceased. In: The Gazette. Nr. 27885. London 11. Februar 1906, S. 1088 (co.uk).
  7. Obituary – Mr. Holcombe Ingleby In: The Thimes. 7. August 1926 (Volltext [Wikisource]).
  8. The Restoration of Valentines Park londongardenstrust.org (englisch).