Clemens von Zedtwitz-Liebenstein
Clemens Graf von Zedtwitz-Liebenstein (geb. als Clemens von Zedtwitz am 18. September 1814 in Liebenstein, Elbogener Kreis, Kaisertum Österreich, gest. am 17. November 1896 ebenda, Österreich-Ungarn) war ein deutsch-böhmischer Gutsbesitzer, der vor allem als Heimat- und Mundartdichter des Egerlandes bekannt wurde.
Leben
Er entstammte dem katholischen Zweig des erstmals 1235 urkundlich erwähnten vogtländischen Adelsgeschlechts von Zedtwitz, das über Jahrhunderte hinweg über das Ascher Ländchen geherrscht hatte und von 1426 bis zur Aufhebung der Patrimonialherrschaft im Kaisertum Österreich 1848 auch über die benachbarte Herrschaft Liebenstein. Einem begüterten adligen Elternhaus entstammend, erhielt er seine Schulbildung von 1823 bis 1829 an der Theresianische Akademie in Wien und später am Gymnasium Eger. Er schrie sich als Student an der Prager Karls-Universität ein, scheint aber kein ernsthaftes Studium aufgenommen zu haben. Vielmehr trat er bald in die Armee ein, um eine Offizierslaufbahn zu verfolgen. Auch diese sagte ihm allerdings nicht zu, so dass er 1836 in seine Heimat zurückkehrte, um dort Verwaltungstätigkeiten auf den Gütern der Familie zu übernehmen.
Clemens von Zedtwitz-Liebenstein war zweimal verheiratet. Beide Frauen entstammten anderen Zweigen der Familie von Zedtwitz; Catharina von Zedwitz auf Schönbach (1812–1842) und Ernestine von Zedtwitz auf Oberneuberg (1823–1886). Mit ihnen hatte er sieben Kinder. Ab 1862 gehörte er als Vertreter der Grundbesitzer dem Böhmischen Landtag an, ohne sich zunächst besonders politisch zu engagieren. 1872 wurde er mit dem Komturkreuz des Franz Josefs-Ordens ausgezeichnet. Nach dem Tod seines Neffen Maximilian (1825–1877), dem einzigen Sohnes seines gleichnamigen Stiefbruders (1785–1863), erbte er dessen Familienbesitz Vorder-Liebenstein, wodurch die beiden Güter Vorder- und Hinter-Liebenstein wieder in einer Hand zusammenfielen.[2] Auf seinen Antrag hin wurden ihm und seinen ehelichen Nachkommen vom kaiserlich-königlichen Minister des Innern 1879 gestattet, zukünftig den Namen von Zedtwitz-Liebenstein zu tragen.
Spätestens ab seinem Eintritt in den Böhmischen Landtag lebte er für zwanzig Jahre abwechselnd in Liebenstein und in Prag, wo er und seine Familie insbesondere die Wintermonate verbrachten. Politisch missbilligte er zunehmend die tschechischen Autonomiebestrebungen, drohten sie doch, ihn zum Angehörigen einer Minderheit im eigenen Land zu machen. Er äußerste, dass ihm „die nationalen Zerwürfnisse immer unerträglicher wurden“.[3] Die Sprachverordnung von 1880, nach der auch in den deutschsprachigen Regionen Böhmens Tschechisch als Amtssprache verbindlich wurde, lehnte er entschieden ab. Schließlich erwog er sogar, seine Güter zu verkaufen und nach Amerika auszuwandern. Die öffentliche Äußerung seiner Bedenken machte ihn zur Zielscheibe von Anfeindungen durch Teile der tschechischen Presse, die ihn zermürbten. Schließlich meldete die Egerer Zeitung: „Liebenstein, 19. April 1882. Herr Clemens Graf von Zedtwitz-Liebenstein ... verlässt für immer Prag und begibt sich zum bleibenden Aufenthalte auf seine Besitzungen. Der Graf hat aus diesen Anlass alle seine Prager Ehrenämter niedergelegt.“[4]
In schon fortgeschrittenem Alter begann Clemens von Zedtwitz-Liebenstein, Gedichte zum Alltagsleben der Egerländer zu verfassen. Er selbst führte aus, dass er in der langen Zeit seines Lebens in der Region „... Gelegenheit hatte, Land und Volk unseres Egerlandes genau kennen zu lernen und mich mit seiner Sprache vertraut zu machen, ist wohl nicht zu verwundern, um so weniger als ich es nie verschmähte, mit dem Volke in Berührung zu kommen, im Gegentheil stets gerne mit ihm verkehrte. Dies brachte mich also auf ganz natürlichem Wege auf den Gedanken, die Sitten, Lebensweise und Denkungsart der Egerländer zu schildern, wozu ich begreiflicherweise als passendes Ausdrucksmittel auch den Egerländer Dialekt, der mich stets anheimelte, gebrauchte.“[3]
Da sich der Kreis seiner Leser naturgemäß im Wesentlichen auf das Egerland begrenzte, ist die Sekundärliteratur zu ihm und seinem Werk begrenzt. Der egerländische Volkskundler und Heimatschriftsteller Alois John befand 1890:
„Sein eigentliches Feld ist der Dialekt und seine drastischen, von derben Humor gewürzten Poesien in Egerländer Mundart sind genügend bekannt. Er beherrscht wie selten Einer den Dialekt des Volkes ... In seiner kernigen Gestaltungsgabe führt uns der gräfliche Autor das ureigentliche Volksleben der Egerländer vor den Augen ... So gewinnen wir zum Schluss eine lebendige Chronik, eine Geschichte des alten Egerländer Dorfes, eine Psychologie des Egerländer Charakters, eine soziale Geschichte aus der Übergangsepoche etwa seit 1848 ... Darin besteht auch der literarische und kulturgeschichtliche Wert dieser Dichtung“
Neuauflagen der Gedichtsammlungen As da Håimat und Wos Funklnoglnais erschienen in den Jahren 2009 bzw. 2025. Beide Ausgaben enthalten Abweichungen zur Orthographie der Originale.
Werke
- As da Håimat (1877), Verlag W. Doranth, Falkenau
- Wos Funklnoglnais (1880), H. Dominicus, Prag
- Humoristische satirische Lieder und triste Lieder (1880), H. Dominicus, Prag
- Åladahånd (1882), E. Scheithauer, Eger
- Dåu bring ich nu wo's (1893), Druck und Verlag Hermann Holub, Tachau
- Vermischte Gedichte (1893), Druck und Verlag Hermann Holub, Tachau
- Vermischte Gedichte, 2. Folge (1893), Druck und Verlag Johann Wenk, Eger
- Vermischte Gedichte, 3. Folge, Druck und Verlag Hermann Holub, Tachau
- Aus dem Nachlasse (1905), Druck und Verlag Hermann Holub, Tachau
Weblinks
Quellen
- ↑ Theodor Mayerhofer: Zedtwitz-Liebenstein, Klemens Graf von. Österreichische Nationalbibliothek, abgerufen am 13. Oktober 2025.
- ↑ Constantin von Wurzbach: Clemens Graf von Zedtwitz-Liebenstein. In: Biographische Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band 59. 1890, abgerufen am 10. Oktober 2025.
- ↑ a b Ludwig Fränkel: Zedtwitz-Liebenstein, Clemens Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 44 - Onlinefassung. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1898, abgerufen am 13. Oktober 2025.
- ↑ Rudi Friedrich: Liebenstein Kreis Eger. In: Quellensammlung. Selb 2015, S. 64.
- ↑ Rudi Friedrich: Liebenstein Kreis Eger, Quellensammlung. Selb April 2015, S. 72.