Clemens Wannemacher
Clemens Wannemacher (* 11. Juli 1984 in Wien) ist ein österreichischer Tonmeister, Sounddesigner und Leiter der Tonabteilung der Bregenzer Festspiele. Er ist auf die akustische Gestaltung großformatiger Freiluftproduktionen spezialisiert und gilt als einer der führenden Fachleute im Bereich der Open-Air-Beschallung für Musiktheater.[1]
Leben
Clemens Wannemacher besuchte das BG/BRG Gänserndorf[2], wo er 2002 maturierte. 2003 begann Wannemacher ein Studium der Musikwissenschaft an der Universität Wien,[3] wechselte jedoch 2004 an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) in den Diplomstudiengang Tonmeister.[4] Dort absolvierte er den ersten Studienabschnitt bis 2006 und schloss den zweiten Studienabschnitt mit Schwerpunkt Beschallung im Jahr 2012 mit Auszeichnung ab. Zu seinen prägenden Lehrenden gehörten unter anderem Jürg Jecklin, Thomas Lang, Hermann Freiberger, Annegret Huber und Axel Seidelmann.
Seine Diplomarbeit trägt den Titel Die virtuelle Konzertbühne – Verbesserung der akustischen Bedingungen auf Open-Air-Bühnen für klassische Orchester durch künstlich erzeugte Erstreflexionsmuster am Fallbeispiel Wiener Festwochen-Eröffnung 2012.[5]
Für seine ausgezeichneten Studienleistungen wurde ihm 2013 der Würdigungspreis der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) verliehen.[6]
Während seines Studiums verbrachte Wannemacher 2008/2009 ein Auslandssemester am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand, wo er musica elettronica unter anderem bei Giuseppe Giuliano studierte.[7] Außerdem absolvierte er 2008 einen Meisterkurs an der Internationalen Ensemble Modern Akademie bei Norbert Ommer, Franck Ollu, Jürgen Kruse, Roland Diry, Rumy Ogawa, Michael Kaspar und Steve Reich.[8]
Karriere
Von 2006 bis 2012, während seines Studiums, kümmerte sich Clemens Wannemacher um die Tontechnik sowie die Beschallung von Konferenzen, Konzerten und Veranstaltungen an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw).[9] Weiters war er in dieser Zeit als Streaming Operator, Video-Cutter, Audio-Berater sowie Tontechniker bei unas media productions Ges.m.b.H tätig.[10]
2008, 2010 und 2012 war er für die Planung und Umsetzung von Surround-Raumsimulationen in Ambisonics für die Wiener-Festwochen-Eröffnungen verantwortlich[11] und entwickelte 2012 die Methode der künstlich erzeugten diskreten Reflexionsmuster für Orchester und Publikum weiter.[12]
Von 2011 bis 2012 arbeitete er am Theater Akzent Wien als Tonmeister und in der Videotechnik. Anschließend wechselte er 2012 ans Volkstheater Wien, wo er bis 2015 als Tonmeister tätig war und ab Mai 2014 die stellvertretende Leitung der Tonabteilung innehatte.[13] Von 2015 bis 2018 leitete Wannemacher die Tonabteilung der Staatsoperette Dresden, war als Tonmeister tätig und verantwortete das Sounddesign für zahlreiche Musicalproduktionen.[14]
Anschließend arbeitete er von 2018 bis 2020 bei der ISRW Dr.-Ing. Klapdor GmbH[15] in Düsseldorf als Ingenieur für Raumakustik und Bauphysik. Gleichzeitig war er an den Seefestspielen Mörbisch für Orchestermischung, Richtungsmischung und Systemtechnik zuständig.[16] 2019 war er zudem als Sounddesigner für drei Musicalproduktionen an der Staatsoperette Dresden tätig.[17]
2020 übernahm Wannemacher die Leitung der Tonabteilung der Bregenzer Festspiele, wo er unter anderem das Sounddesign der großen Seebühnenproduktion, des sogenannten Spiels am See, verantwortet.[18][19]
Seit 2022 ist er als Beirat ehrenamtlich im Vorstand der ÖTMV (Österreichische Ton- & Musikgestalter:innenvereinigung,[20] früher Österreichischer Tonmeisterverband).
Ausgewählte Produktionen (Sounddesign)
- 2015: Anatevka von Jerry Bock und Joseph Stein, Regie: Arne Böge, Staatsoperette Dresden[21]
- 2015: Der kleine Horrorladen (WA) von Alan Menken und Howard Ashman, Regie: Giorgio Madia, Staatsoperette Dresden[22]
- 2016: Rocky Horror Picture Show (WA) von Richard O’Brien und Richard Hartley, Regie: Winne Schneider, Staatsoperette Dresden[23]
- 2016: Wonderful Town von Leonard Bernstein, Joseph A. Fields und Jerome Chodorov, Regie: Matthias Davids, Staatsoperette Dresden[24]
- 2016: Evita (WA) von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, Regie: Winne Schneider, Staatsoperette Dresden[25]
- 2017: Catch Me If You Can (WA) von Marc Shaiman, Scott Wittman und Terrence McNally, Regie: Werner Sobotka, Staatsoperette Dresden[26]
- 2017: La Cage aux Folles (WA) von Jerry Herman und Harvey Fierstein, Regie: Andreas Gergen, Staatsoperette Dresden[27]
- 2018: Candide von Leonard Bernstein und Lillian Hellmann, Regie: Winne Schneider, Staatsoperette Dresden[28]
- 2018: Zzaun – das Nachbarschaftsmusical (UA) von Tillmann von Blomberg und Alexander Kuchinka, Regie: Andreas Gergen, Staatsoperette Dresden[29]
- 2018: Frau Luna von Paul Lincke und Heinrich Bolten-Baeckers, Regie: Andy Hallwaxx[30]
- 2019: One Touch of Venus von Kurt Weill und Ogden Nash, Buch: S. J. Perelman und Ogden Nash, Regie: Matthias Davids, Staatsoperette Dresden[31]
- 2019: Der Mann mit dem Lachen von Frank Nimsgern, Tillmann von Blomberg und Alexander Kuchinka, Regie: Andreas Gergen, Staatsoperette Dresden[32]
- 2019: My Fair Lady von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner, Regie: Sebastian Ritschel, Staatsoperette Dresden[33]
- 2022, 2023: Madame Butterfly von Giacomo Puccini, Regie: Andreas Homoki, Bregenzer Festspiele, zusammen mit Alwin Bösch[34]
- 2024, 2025: Der Freischütz von Carl Maria von Weber, Regie: Philipp Stölzl, Bregenzer Festspiele, zusammen mit Alwin Bösch[35]
Einzelnachweise
- ↑ Team. In: Bregenzer Festspiele. Bregenzer Festspiele, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ BG/BRG Gänserndorf: Aus einer konventionellen Gangschule wurde ein offener und moderner Bildungsort. In: Austria Presse Agentur. Austria Presse Agentur, 19. Januar 2023, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Institut für Musikwissenschaft. In: Institut für Musikwissenschaft. Universität Wien, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Diplomstudium (magister artium). In: IKT - Institut für Kompositionsstudien, Ton- und Musikproduktion. Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (mdw), abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Diplomarbeit. mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Wien 2012. Offline einsehbar in der Bibliothek der mdw bzw. im Besitz des Autors.
- ↑ Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Urkunde „Würdigungspreis 2013“ für Clemens Wannemacher. Wien 2013. Offline-Dokument.
- ↑ Giuseppe Giuliano. In: composers21.com. THE LIVING COMPOSERS PROJECT, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ IEMA. In: Internationale Ensemble Modern Akademie. Internationale Ensemble Modern Akademie, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Diplomstudium (magister artium). In: mdw.ac.at. IKT - Institut für Kompositionsstudien, Ton- und Musikproduktion, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Image- und Werbefilm - unas media productions gesmbh. In: medianet.at. medianet.at, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Sarah van den Berg: Das waren die Wiener Festwochen 2012 - ein Rückblick. In: Vienna.at. Vienna online, 18. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Beschallung und Raumsimulation bei den Bregenzer Festspielen. In: eventelevator.de. Event Elevator, 30. Oktober 2021, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Clemens Wennemacher: Der Ton macht die Musik. In: weekend.at. Weekend Magazin Vorarlberg, 2. Juli 2024, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Sennheiser Drahtlostechnik Digital 6000 in der Staatsoperette Dresden. In: LightSoundJournal.de. Light Sound Journal, 22. Juni 2017, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ So sehen Sieger aus! In: competitiononline. Competition online, 2017, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Clemens Wannemacher: Sonic Delight: Inside The Audio Transformation At The Annual Bregenz Festival In Austria. In: Pro Sound Web. Pro Sound Web, 10. Februar 2024, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Der Mann mit dem Lachen (Dresden 2019). In: united musicals. united musicals, 2019, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Hannah Lena Rebel: Engineering soundscapes on water: Clemens Wannemacher at the Bregenz Festival. In: The NYC Daily Post. The NYC Daily Post, 25. September 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Team. In: Bregenzer Festspiele - Team. Bregenzer Festspiele, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ ÖTMV (Österreichische Ton- & Musikgestalter:innenvereinigung). Abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ Anatevka. In: musicalzentrale.de. Musicalzentrale - Deutschlands größte Musicaldatenbank, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Vorsicht, hier kommt Audrey Zwo! In: unitedmusicals.de. UM Verlag und Medien, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ The Rocky Horror Show. In: musicalzentrale.de. Musicalzentrale - Deutschlands größte Musicaldatenbank, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Wonderful Town (Dresden 2016). In: unitedmusicals.de. unitedmusicals.de, 2016, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Evita. In: Staatsoperette Dresden. Staatsoperette Dresden, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Catch Me If You Can (2015 - 2017). In: musicalzentrale.de. Musicalzentrale - Deutschlands größte Musicaldatenbank, 27. April 2024, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ La Cage aux Folles: Staatsoperette Dresden. In: classictic.com. CLASSICTIC - Ihre Eintrittskarte zur Kultur, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Candide (2007-2019). In: musicalzentrale.de. Musicalzentrale - Deutschlands größte Musicaldatenbank, 2007, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical (Dresden 2018). In: unitedmusicals.de. unitedmusicals.de, 2018, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Frau Luna. In: events TODAY. events TODAY, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Ein Hauch von Venus (One Touch of Venus). In: musicalzentrale.de. Musicalzentrale - Deutschlands größte Musicaldatenbank, 22. März 2018, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ „Der Mann mit dem Lachen” auf Platz 1. In: Presseservice Staatsoperette Dresden. Staatsoperette Dresden, 15. April 2020, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ MY FAIR LADY - Musical in zwei Akten. In: Staatsoperette Dresden. Staatsoperette Dresden, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Madame Butterfly. In: Chronik Bregenzer Festspiele. Bregenzer Festspiele, 2022, abgerufen am 16. November 2025.
- ↑ Clemens Wennemacher: Der Ton macht die Musik. In: weekend.at. Weekend Magazin Vorarlberg, 2. Juli 2024, abgerufen am 16. November 2025.