Clemens Maria Franz von Bönninghausen

Clemens Maria Franz von Bönninghausen (* 12. März 1785 auf Gut Herinckhave bei Tubbergen, Vereinigte Niederlande; † 25. Januar 1864 in Münster, Provinz Westfalen) war ein Homöopath, Botaniker und höherer preußischer Verwaltungsbeamter.

Leben und Wirken

Clemens von Bönninghausen entstammte der westfälischen Adelsfamilie Bönninghausen. Er besuchte das Gymnasium Paulinum in Münster und studierte an der Universität Groningen Rechtswissenschaften. Sein Studium schloss er mit der Dissertation De iure venandi (lateinisch: Über das Jagdrecht) ab und wurde 1806 zum Doctor iuris utriusque promoviert. Anschließend arbeitete er 1806/1807 als Advokat beim Obergericht in Deventer, danach bis zu dessen Abdankung 1810 am Hof von Louis Bonaparte im Königreich Holland, als juristischer Berater, als Generalsekretär des Amtes für die Steuereinziehung und als Leiter des topographischen Büros.[1]

Im Frühjahr 1814 übernahm Bönninghausen sein väterliches Erbteil, das Landgut Haus Darup bei Darup in Westfalen. Dort entdeckte er seine Passion für die Fragen der Landwirtschaft, mehr noch für die Flora und Fauna. Über Jahre hinweg war er zudem Direktor des Botanischen Gartens in Münster und Dozent an der dortigen Akademischen Lehranstalt, der späteren Universität Münster.

Der preußische König Friedrich-Wilhelm III. ernannte Bönninghausen 1816 zum ersten Landrat des Kreises Coesfeld.[2] Die Kreisverwaltung („Kreisstube“) richtete er zunächst auf seinem Landsitz in Darup ein, bis er die „Kreisstube“ 1819 in die besser erreichbare Kreisstadt verlegte.[3] Als Landrat leitete er – mit zweifelhaften Methoden und umstrittenem Ergebnis – die staatliche Kommission zur Untersuchung der Stigmatisation der Nonne Anna Katharina Emmerick.[4] 1822 legte er sein Landratsamt nieder.[5] Im Folgejahr ernannte Oberpräsident Ludwig von Vincke ihn zum Regierungsrat der Katasterbehörde.[6]

Während einer schweren Erkrankung 1827 fand Bönninghausen zur Homöopathie.[7] Er wurde ein Schüler von Samuel Hahnemann und gehörte zu den Wegbereitern dieser Behandlungsmethode. In zahlreichen Veröffentlichungen legte er seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus seiner umfangreichen Praxis nieder, die er in Darup und Münster unterhielt. Unter seinen Patienten waren die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (fast 20 Jahre lang)[8] und zeitweilig die französische Kaiserin Eugénie.

Familie

Am 4. Oktober 1813 heiratete Clemens von Bönninghausen auf Schloss Ahausen Freiin Sophia Franziska von Schade zu Ahausen (* 1787, † 1820). Aus dieser Ehe stammte der Sohn Clemens Ludwig Bernhard.

Aus der am 19. November 1822 in Coesfeld geschlossenen zweiten Ehe mit Maria Amalia Christina von Hamm gingen neun Kinder hervor.

Gedenken

Sein Grab auf dem alten Hörster Friedhof in Münster fiel den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Heute erinnert an dieser Stelle eine Sandsteinstele mit dem Bildnis des Barons an den Gelehrten.

In Darup ist seit 1996 die Von-Bönninghausen-Straße benannt nach ihm. 2014 wurde in Darup ein Denkmal mit seiner Büste aufgestellt.

Ehrungen und Auszeichnungen

  • Dedikationsnamen: Wahrscheinlich ihm zu Ehren wurde die Gattung Boenninghausenia der Pflanzenfamilie der Rautengewächse (Rutaceae) benannt.[9]
  • Medizinische Ehrendoktorwürde des Collegium Medicinal zu Cleveland, Ohio, USA (1854)[10]
  • Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion durch Kaiser Napoleon III. von Frankreich (1861)[10]

Schriften

  • Prodromus florae monasteriensis westphalorum. Phanerogamia. Regensberg, Münster 1833 (Digitalisat).
  • Systematisch-alphabetisches Repertorium der homöopathischen Arzneien. Coppenrath, Münster 1833, zwei Bände (Digitalisat von Band 1 und Digitalisat von Band 2).
  • Beiträge zur Kenntnis der Eigentümlichkeiten aller bisher vollständiger geprüften homeopathischen Arzneien, in Betreff Erhöhung oder Linderung ihrer Beschwerden nach Tageszeit und Umständen und der von ihnen erregten Gemüthsbeschaffenheiten. Coppenrath, Münster 1833 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).
  • Die homöopathische Diät und die Entwerfung eines vollständigen Krankheitsbildes behufs homöopathischer Heilung. Regensberg, Münster 1833 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Ernst Friedländer: Bönninghausen, Clemens Maria Franz von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 131 f.
  • Dietrich Wegmann: Art. Bönninghausen I, Dr. iur., Dr. med. Klemens Maria Franz von. In: ders.: Die leitenden staatlichen Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815–1918 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens, Reihe XXII A: Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, Band 1). Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1969, S. 245.
  • Willy Schmitz: Die preußischen Landräte des Kreises Coesfeld 1816–1945. Kreisverwaltung Coesfeld, Coesfeld 1974, S. 26–39.
  • Martin Stahl: Der Briefwechsel zwischen Samuel Hahnemann und Clemens von Bönninghausen (= Quellen und Studien zur Homöopathiegeschichte, Band 3). Haug, Heidelberg 1997 (Medizinische Dissertation, Göttingen 1995).
  • Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, vor allem S. 125–138 (Digitalisat).
  • Christian Schulze Pellengahr: Clemens von Bönninghausen: Jurist, Botaniker und Homöopath. In: Jahrbuch Westfalen, Jg. 2015, S. 238–244.
Commons: Clemens von Bönninghausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Dietrich Wegmann: Art. Bönninghausen I, Dr. iur., Dr. med. Klemens Maria Franz von. In: ders.: Die leitenden staatlichen Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815–1918. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1969, S. 245.
  2. Wilhelm Grabe: „Mit der sorgfältigsten Schonung der bestehenden Verhältnisse“ – Die Einrichtung der Kreise in Rheinland-Westfalen 1816. In: Claudia Maria Arndt, Wilhelm Grabe, Stephen Schröder (Red.): Von der preußischen Obrigkeit zur bürgerlichen Selbstverwaltung. Herausgegeben vom Landkreistag Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2016, S. 13–23, hier S. 22.
  3. Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 131.
  4. Thomas Wegener: Das Leben der Anna Katharina Emmerick. Christiana-Verlag, Stein am Rhein, 8. Aufl. 1990, ISBN 3-7171-0933-2, S. 131–144.
  5. Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 132.
  6. Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 133.
  7. Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 134.
  8. Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 134–135.
  9. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018. [1]
  10. a b Christian Schulze Pellengahr: Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93–160, hier S. 137.