Claudio Hils
Claudio Hils (geb. am 6. Januar 1962 in Mengen, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Fotograf, Kommunikationsdesigner und Hochschullehrer.
Fotografische Arbeiten
Claudio Hils studierte von 1985 bis 1993 Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Bildjournalismus an der GHS Universität Essen, unter anderem bei Angela Neuke, Erich vom Endt und Inge Oswald. Durch die Arbeiten der Fotoklasse von Angela Neuke an gesellschaftliche Problemstellungen wurde er u. a. von Fotografen der New Topographics Bewegung, den amerikanischen Bildautoren Diane Arbus, Lee Friedlander, Richard Misrach, sowie den europäischen Bildautoren Michael Schmidt, und Martin Parr beeinflusst.
Bereits während seines Studiums arbeitete er als Bildjournalist für internationale Magazine wie Der Spiegel, ZEIT Magazin, Vanguardia, El País oder Geo. Parallel dazu arbeitet er aber auch bereits an seinen eigenen fotografischen Langzeitprojekten in Form von Ausstellungen und Publikationen.
Neuland
Claudio Hils begann 1989 mit einer fotografischen Langzeitstudie über die Wandlungsprozesse in den neuen Bundesländern nach der Maueröffnung. Sein Fokus richtete sich vor allem auf die Einflüsse des Westens auf den Osten. Seine Publikation Neuland. Fotografien von Claudio Hils erschien dann im Jahr 1999 im Braus.Verlag, Heidelberg. Begleitet wurde die Publikation von einer Reihe von Ausstellungen, sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern.
Red Land, Blue Land
Bereits ein Jahr später erschien seine nächste Publikation, Red Land, Blue Land, beim Kunstverlag Hatje Cantz. Dieses Ausstellungs- und Buchprojekt zeigt Fotografien, die auf dem Truppenübungsplatz Senne in Nordrhein-Westfalen aufgenommen wurden – Red Land steht für Feindes-, Blue Land für Freundesland im Manöver. Die begleitenden Essays von Rolf Schönlau und Anna M. Eifert-Körnig bieten dem Leser sozialhistorische Informationen zur Sennelandschaft und eine genaue Analyse der künstlerischen Arbeit Claudio Hils'. Für diese Arbeit erhielt seine damalige Galerie Sabine Schmidt eine Sonderkoje des Landes NRW auf der Fotomesse Paris Photo 2001. Durch die Ausstellung 2021 in der kommunalen Galerie „Belfast Exposed“ im Rahmen eines Fotofestivals wurde die Arbeit auch im Vereinigten Königreich und Irland bekannt. Er bekam in der Folge ein Stipendium des Arts Council of Northern Ireland und begann dort ein neues Projekt (Archive-Belfast) zu bearbeiten.
Archive-Belfast
2004 veröffentlichte er dann das Ergebnis dieses Stipendiums beim Kunstverlag Hatje Cantz unter dem Titel Archive-Belfast. Zeitgleich wurde die Ausstellung erstmals in der Galerie „Belfast Exposed“ in Belfast gezeigt. Diese Projektarbeit dokumentiert die Spuren, die Jahre der Gewalt in Belfast hinterlassen haben. In jedem Archiv der Stadt, das fotografische Mittel zur objektiven Beweisführung für die Auswirkungen von Gewalt verwendet, finden sich Spuren des Konflikts. Auch private und halböffentliche Sammlungen von Memorablen des Konflikts werden während des Projekts in öffentliche Archive umgewandelt.
Im Jahr 2001 ergab sich eine Zusammenarbeit mit dem Architekt und Städteplaner Max Stemshorn aus Ulm. Die beiden konzentrierten sich auf die Entwicklung des europäischen Stadtraums sowie die weltweite Entstehung von Megacities. Die resultierende Ausstellung fand im Stadthaus Ulm statt.
„abseits – aside – à l'écart“
Nach seinem Umzug von Essen zurück nach Baden-Württemberg im Jahr 2000 folgte eine sehr persönliche Arbeit über seine alte Heimat mit dem Titel „abseits – aside – à l'écart“.
Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges
Für seine Ausstellung „heimatfront – Bühnenbilder des Krieges“ fotografierte Hils in militärischen Tabuzonen und anderen militärischen Anlagen im Südwesten Deutschlands. Zusätzlich verwendete er virtuelle Bilder aus Übungssoftwares der Bundeswehr.
Fotografische Auftragsarbeiten
The Making of the Euro
Im Auftrag der Europäischen Zentralbank dokumentierte Hils die Entstehung des neuen Euro. Dabei werden sowohl technische als auch sozialgesellschaftliche Faktoren einbezogen.
TEAM.NL
2004 wurde Claudio Hils vom Fotografie-Museum Amsterdam beauftragt, eine künstlerisch-dokumentarische Arbeit über die Niederländische Fußballnationalmannschaft zu erstellen. Er begleitete die Mannschaft bei verschiedenen Vorbereitungsspielen auf die Fußball-Europameisterschaft.
Hölderlin. Eine Winterreise
Hölderlins Reise nach Bordeaux im Winter 1801/1802 stellt bis heute ein großes Rätsel dar. Sicher ist nur: Sie wurde zum entscheidenden Wendepunkt im Leben und Schreiben des Dichters. Thomas Knubben ist der Route Hölderlins zu Fuß gefolgt. Von Nürtingen aus wanderte er über die Alb, über den Schwarzwald, über Straßburg, Lyon, die Auvergne nach Bordeaux. Im Winter und allein.
Er unternimmt eine poetische Wanderung. Er will wissen, ob auf diese Weise Neues zu erfahren ist über Hölderlins »fatale Reise«. Und ob es gelingen kann, den in den Dichterolymp Entschwundenen wieder ein Stück weit zurückzuholen in den Erfahrungshorizont der Gegenwart, ihn begreifbar zu machen in seiner alltäglichen poetischen Kraft.
Mit Bildern über Landschaften von Claudio Hils nach Fotografien von Thomas Knubben sowie historischen Abbildungen und Dokumenten.
Lehre und kuratorische Arbeiten
Bereits ab 1998 arbeitet Claudio Hils, parallel zu seinen journalistischen und freien Autorenarbeiten, als Dozent an verschiedenen Hochschulen. Von 1998 bis 2002 war er als Dozent am der Freien Schule für Gestaltung in Ravensburg tätig. 1999 wurde er berufenes Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie. Von 2000 bis 2005 war er Kurator und Projektleiter des Fotografenstipendiums der Stadt Ravensburg. Zusammen mit dem damaligen Kulturamtsleiter Thomas Knubben initiierten sie das erste Stadtfotografen-Stipendium in Deutschland.
2003/2004 übernahm Hils Lehraufträge an der Fachhochschule Vorarlberg im FB Intermedia in Dornbirn, Österreich. 2004 wurde er berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Von 2004 bis 2009 war er Projektkoordinator und Kurator des Europan Central Bank „Annual Photography Award“. 2005/2006 lehrte er als Dozent für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Anschließend war er von 2005 bis 2008 als Hochschullehrer an der FH Vorarlberg im Fachbereich Mediengestaltung in Dornbirn. 2008 wurde er zum Professor für Fotografie und Gestaltung an der Fachhochschule Vorarlberg berufen.
Hils arbeitete als Kurator der FHV Galerie, Dornbirn (2010–2017), der Galerie im Kreuzgang, Kloster Obermarchtal (2012–2016) und der Sonderausstellung „Menschengemacht. Fotografische Blicke auf die Landschaften unserer Zeit“ im Bauernhaus-Museum Wolfegg 2022 (2021–2023).
Ausstellungsdesign und Szenografie
Neben seiner fotografischen Laufbahn und der Lehre, engagierte sich Claudio Hils ebenfalls im Bereich des Ausstellungsdesign und der Szenografie. Durch seine rege Ausstellungstätigkeiten wurden ihm auch andere Ausstellungsprojekte zur Bearbeitung von verschiedenen Museen und Auftraggebern angeboten.
Auftragsarbeit für das Weser Renaissance Museum Lemgo
Über dreihundert Jahre hielt die Weser zwei Lastkähne und ihre Sandsteinfracht verborgen. In früheren Jahrhunderten ist viel auf dem Wasserweg transportiert worden. Güter, zumal schwere, waren mit Schiffen oder Flößen viel leichter und billiger, auch schneller zu befördern, so hat man auch auf der Weser im 16., 17. und auch noch im 18. Jahrhundert Stückgut mit Segelkähnen transportiert. Gesunkene Binnenschiffe sind bisher erst wenige entdeckt worden, die meisten davon aus der Römerzeit. Daher gilt die Bergung der beiden gut erhaltenen Weserlastkähne als wichtiges Ereignis für die Erforschung der Schifffahrts- und Wirtschaftsgeschichte. In einer Publikation dokumentiert Claudio Hils die Phasen Bergung, Konservierung und Präsentation der historischen Weserschiffe und erhielt dann in der Folge noch den Auftrag die mehrjährige Konservierungsphase der Schiffe als Ausstellung zu inszenieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ausstellungsdesign für ein neues Römermuseum in Mengen-Ennetach
Das Römermuseum Mengen-Ennetach zeigte in einer multimedialen Umsetzung das Leben der Römer an diesem Ort auf. Durch die enge Zusammenarbeit des Ausstellungsteams mit dem Architektenteam konnte eine gelungene Symbiose zwischen Architektur und Ausstellung gelingen.
2004 erhielt das Ausstellungsteam um Claudio Hils den Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg für die Konzeption und Gestaltung des Römermuseums Mengen-Ennetach.
2006 wurde das Museum von der Architektenkammer Baden-Württemberg für „Beispielhaftes Bauen“ ausgezeichnet.
2007 folgte der Preis des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen e. V. „Vorbildliches Heimatmuseum“ für das Römermuseum Mengen-Ennetach.
Bundesarchiv, Außenstelle Rastatt
Visuelle Konzeption, Planung und Ausführung der Dauerausstellung „Freiheitsbewegungen in der DDR, 1949-1989“. Bundesarchiv, Außenstelle Rastatt, 2008/2009
Seit 1974 beherbergt das Schloss Rastatt die „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“ des Bundesarchivs. Im November 2008 wurde die Konzeption einer Erweiterung der Dauerausstellung um das Kapitel „Freiheitsbewegungen in der DDR“ und die friedliche Revolution 1989 ausgeschrieben. Bei der Ausschreibung wurde Claudio Hils für die visuelle Konzeption und Umsetzung der Ausstellung beauftragt. Die Eröffnung der Ausstellung fand am 4. November 2009 statt.
Industriedesign
Von 2005 bis 2015 initiierte Claudio Hils eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Innenarchitekt Thomas Gruber und dem Luft- und Raumfahrtingenieur Thomas Petzholdt. Jeder kennt die Faszination beim Betrachten von bewegten Wasseroberflächen, die weiche, fließende Formung der Wellenstrukturen mit ihren ständig wiederkehrenden jedoch niemals identischen Mustern. Das Resultat dieser Zusammenarbeit waren dann neuartige Akustik Absorber, die sich an der Formensprache dieser Natur orientierten. Sie schaffen so ein harmonisches und zeitloses Design im Bereich der Bionik. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen für dieses visuell ansprechende sowie innovative als auch nachweislich schalldämmende Produktdesign.
Preise und Auszeichnungen
| 2015 | Interior Innovation Award „Winner“ |
| 2014 | German Design Award „Special Mention“ für WAVE Akustik Absorber und WAVE Baffles |
| 2014 | Iconic Awards 2014 – Best of the Best für die WAVE Akustikdecke in der Messehalle Luzern |
| 2012 | Deutscher Fotobuchpreis – Auswahltitel 2013, „abseits – aside – à l'écart“, Klöpfer & Meyer |
| 2008 | Deutscher Fotobuchpreis – Auswahltitel 2008, ECB Annual Photography Award 2008, „Europe“, EZB Frankfurt |
| 2007 | Deutscher Fotobuchpreis – Auswahltitel 2007, „New Building Works“, Wolverhampton Art Gallery |
| 2007 | Preis des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen e. V. „Vorbildliches Heimatmuseum“ für das Römermuseum Mengen-Ennetach |
| 2006 | Deutscher Fotobuchpreis – Auswahltitel 2006, „Industrie_Zeit_Raum“, Zeppelinmuseum Friedrichshafen |
| 2006 | Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen“ der Architektenkammer Baden-Württemberg für das Römermuseum Mengen-Ennetach |
| 2005 | Deutscher Fotobuchpreis – Auswahltitel 2005, „Archive_Belfast“, Belfast Exposed Gallery |
| 2004 | Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg für die Konzeption und Gestaltung des Römermuseums Mengen-Ennetach |
| 2003 | Artist in Residence, Belfast, Nordirland, Stipendium des Arts Council of Northern Ireland „Belfast Becoming Past / Belfast Becoming Future“ |