Claude Jordery

Claude Jordery (geboren am 3. März 1876 in Le Creusot; gestorben am 9. Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein französischer sozialistischer Politiker und Widerstandskämpfer. Er gehörte zu den „quatre-vingts“, also den achtzig Parlamentariern, die am 10. Juli 1940 in Vichy gegen die diktatorischen Vollmachten für Philippe Pétain stimmten. Jordery wurde im KZ Bergen-Belsen ermordet.

Leben

Claude Jordery stammte aus einfachen Verhältnissen, besuchte die Grundschule und arbeitete anschließend in den Fabriken von Schneider et Cie. 1900 wurde er wegen eines Streiks zusammen mit etwa hundert anderen Arbeitern entlassen. Er verließ das Département Saône-et-Loire, um eine neue Anstellung zu finden und fand diese in Oullins, wo er in den Werkstätten der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée arbeitete. Dort war er Gewerkschafter bei der Confédération générale du travail (CGT). 1910 wurde er erneut wegen Streiks entlassen und arbeitete anschließend in Lyon als Teamleiter in einer Werkstatt. Er trat der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) bei.[1][2]

Er wurde 1912 zum sozialistischen Stadtrat von Oullins gewählt und 1919 zum Bürgermeister dieser Gemeinde.[1] Daraufhin kündigte er seine Stelle, um sich ganz seiner Aufgabe als Stadtverwalter zu widmen. Dieses Amt bekleidete er ununterbrochen bis 1942.[3] Nach dem Kongress von Tours trat Claude Jordery der Kommunistischen Partei bei, war dort aber nur einige Monate aktiv und spielte keine nennenswerte Rolle. Im Juli 1924 wurde er ausgeschlossen und kehrte zur SFIO zurück.[2]

1932 wurde er zum Generalrat gewählt, ein Amt, das er bis 1938 ausübte.[1] 1933 bekundete er seine Ablehnung gegenüber dem Neosozialismus von Marcel Déat und kämpfte gegen dessen Einfluss.[2] Im Mai 1936 wurde er Abgeordneter im Rahmen der Front populaire.[1] Nach der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Paktes verurteilte er diesen Vertrag öffentlich.[2]

Am 10. Juli 1940 stimmte er gegen die Vollmachten für Philippe Pétain und wurde daraufhin vom Vichy-Regime seiner Ämter enthoben.[4] Er engagierte sich in der Résistance und gehörte der regionalen Leitung der Front National an. Im April 1944 wurde Claude Jordery von der Miliz und der Gestapo verhaftet. Er wurde nach Bergen-Belsen deportiert, wo er verstarb.[3]

Literatur

  • Pierre Miquel: Les quatre-vingts. éd.Fayard, 1995, ISBN 978-2-213-59416-3.
  • Jean Odin: Les Quatre-vingts. FeniXX réédition numérique, 1996, ISBN 978-2-402-07154-3 (google.de).

Einzelnachweise

  1. a b c d Siehe Biographie Jolly im Weblink der Assemblée nationale
  2. a b c d Siehe Weblink Le Maitron
  3. a b Siehe Biographie dictionnaire im Weblink der Assemblée nationale
  4. Jean-Pierre Maury: Les Quatre-vingts qui dirent « non » au projet de loi du 10 juillet 1940. In: Digithèqwue MJP. Abgerufen am 2. Oktober 2025 (französisch).