Clasina Albertina Kluyver
Clasina Albertina Kluyver (auch Kluijver, geboren 23. September 1884 in Breda; gestorben 7. Oktober 1974 in Den Haag) war eine niederländische Feministin und die erste niederländische Delegierte beim Völkerbund.
Leben
Clasina Albertina Kluyver wurde am 23. September 1884 in Breda geboren. Ihr Vater war der Mathematiklehrer und Professor Jan Cornelis Kluyver (1860–1932) und ihre Mutter Marie Honigh (1859–1928). Sie hatte einen Bruder, Albert Jan (1888–1956) und zwei Schwestern, Nelly Margaretha Maria Kluyver (1891–1964) und Marie Johanna Kluyver (1894–1964). Die Familie zog 1892 nach Leiden, da ihr Vater dort eine Professur angenommen hatte, und Kluyver besuchte die Höhere Allgemeine Schule und belegte als Gasthörerin Kurse in Latein und Griechisch am Gymnasium. Nach ihrem HBS-B-Diplom, welches sie 1901 erwarb, studierte sie Medizin in Leiden. Das Studium schloss sie jedoch nicht ab. Dafür erwarb sie 1904 ihren Bachelor-Abschluss in Botanik und Zoologie und 1906 ihren Bachelor-Abschluss in Medizin.[1]
Feminismus und Friedensbewegung
Wie ihre Mutter vor ihr engagierte sich Clasina Kluyver während ihres Studiums in der „Vereeniging voor Vrouwenkiesrecht“ (Verein für das Frauenwahlrecht). Sie wurde Mitglied des Vorstands und sie hielt Vorträge. Am 17. Oktober 1907 heiratete sie in Leiden den Rechtsanwalt Benjamin de Jong van Beek en Donk (1881–1948). Er arbeitete im Justizministerium und war Mitglied des Ausschusses „Frieden durch Gerechtigkeit“. Er brachte sie mit der Friedensbewegung in Kontakt. Nach ihrer Heirat nannte sie sich Clasina De Jong Van Beek en Donk-Kluyver und sie hielt Vorträge über Friedensfragen für den Verband der Studentinnen in Leiden. Sie wurde ein Jahr später gebeten, Sekretärin des Vorstands des „Nationalen Frauenrates der Niederlande“ (NVR) zu werden. Dies blieb sie bis 1914. Sie befürwortete Eheverträge zum Schutz des Selbstbestimmungsrechts verheirateter Frauen und schrieb darüber den Aufsatz Die Frau im XX. Jahrhundert (Juli 1912). Ab Dezember 1912 war sie als Autorin für Kolumnen des liberaldemokratischen Wochenblatts De Zuid-Hollander der Liberaldemokratischen Union (VDB) tätig. Sie war auch Mitglied der VDB und prägte als außenpolitische Expertin das VDB-Parteiprogramm. Dem Hauptvorstand gehörte sie mehrere Jahre an und schrieb in der Zeitschrift Wereldkroniek über Frauenrechte. Zudem gehörte sie dem International Council of Women an.[1]
Völkerbund
Clasina De Jong Van Beek en Donk-Kluyver wurde 1914 stellvertretende Sekretärin des von ihrem Ehemann mitgegründeten Niederländischen Antikriegsrates (NAOR). Sie leitete auch das Büro der Vereinigung. Als Delegierte reiste sie 1916 zu der vom amerikanischen Automobilhersteller Henry Ford initiierten Konferenz der von ihm angestoßenen Friedensinitiative nach Stockholm. Später sagte sie, dass sie das von Ford finanzierte Luxushotel genossen habe und länger als die anderen niederländischen Delegierten geblieben sei. Sie setzte sich seitdem für die Gründung eines Völkerbundes ein. Dazu hielt sie im April 1917 den Vortrag Frauen und die Friedensbewegung im Zusammenhang mit internationalen Beziehungen für den Nationalkongress des niederländischen Komitees der Frauen für nachhaltigen Frieden und ein Jahr später kandidierte sie für das Frauenparlament im Namen der „Liste der Frauen in der Friedensbewegung“, einer Initiative des Wochenmagazins De Amsterdammer. Internationales Recht und die Friedensfrage waren für sie von großem Interesse und sie veröffentlichte 1919 die Broschüre Der Entwurf des Völkerbundes der Pariser Friedenskonferenz. Sie war in dem Jahr auch die einzige Frau in der niederländischen Delegation einer Konferenz in Brüssel, die die Gründung des Völkerbundes vorwegnahm, und war in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Sicherheit aktiv.[1]
Ihre Ehe scheiterte 1920 und sie ließ sich scheiden.
Als Kommissarin im Außenministerium begann sie 1920 zu arbeiten. Sie war zuständig für die Angelegenheiten des Völkerbundes und verfasste Dokumente zum Völkerbund. Der VDB bat sie, für die Erste oder Zweite Kammer der Generalstaaten zu kandidieren, doch dies lehnte sie ab. Clasina Kluyver war ab 1921 Sekretärin der jährlichen niederländischen Delegation beim Völkerbund, damit war sie eine von weltweit nur fünf Frauen, denen es gelang, als Mitglieder in den Gremien des Völkerbundes mitzuwirken. Aufgrund ihrer guten Sprachkenntnisse war sie auch 1927 an der Gründung des niederländischen Soroptimistenclubs beteiligt.[1]
Sie sprach am 19. September 1926 im Zweiten Ausschuss des Völkerbundes. Es war das erste Mal, dass eine Frau im Namen der Niederlande im Völkerbund sprach, und sie wurde im September 1927 als erste Niederländerin zur Delegierten des Ausschusses für soziale und humanitäre Fragen berufen. Dort machte sie sich einen Namen, da sie die Probleme des Frauenhandels und der Prostitution nachdrücklich ansprach. Auch gehörte sie dem Abrüstungsausschuss an. Die Abrüstung lag ihr als Pazifistin am Herzen. Dies war auch der Grund, warum sie im Februar 1928 ihre Mitgliedschaft im VDB kündigte. Sie gehörte ab 1929 dem Haushaltsausschuss des Völkerbundes an und wurde ein Jahr später zur technischen Sachverständigen ernannt. Ab 1932 war sie stellvertretende Vertreterin der Niederlande.[1]
Zweiter Weltkrieg
Kluyver glaubte trotz der internationalen Spannungen lange an den Pazifismus. Sie sprach im April 1940 in Den Haag auf einer Studienkonferenz über internationale Zusammenarbeit und dauerhaften Frieden. Sie war der Meinung, dass die Staaten für einen dauerhaften Frieden letztlich ihre Souveränität aufgeben würden. Nach der Besetzung der Niederlande durch Deutschland wurde Kluyver vom SD verhört. Sie wurde gefragt, ob sie zu Hause „deutschfeindliche Literatur“ habe, wozu sie postulierte, dass Schriften des Völkerbundes nicht dazu gezählt werden könnten. Daraufhin wurde sie freigelassen. Während des Krieges half sie ihrem Mentor, Professor Jean François, bei der Ausarbeitung rechtlicher Abwehrmaßnahmen gegen die Tötung von Geiseln und später war sie Beamtin im Justizministerium. Sie lieferte Übersetzungen von Vorschriften und Verordnungen vom Niederländischen ins Deutsche und umgekehrt. Diese Tätigkeit gefiel ihr nicht und sie beantragte ihre Entlassung aus dem Ministerium. Sie verließ es am 1. Januar 1942. Weiter arbeitete sie für François und half ihm bei seinen Recherchen für sein Handbuch des Völkerrechts.[1]
Nach der Befreiung der Niederlande wurde Clasina Kluyver Leiterin der Abteilung Vereinte Nationen im Außenministerium. Sie wurde von der letzten Völkerbundsversammlung im April 1946 zur Berichterstatterin des für die finanzielle und administrative Regelung zuständigen Ausschusses berufen. Auch nach ihrer Pensionierung blieb sie als allgemeine außerordentliche ehrenamtliche Beraterin dem Außenministerium verbunden. Sie kandidierte 1946 für die Erste Kammer und 1952 für die Zweite Kammer, doch sie wurde für beide Ämter nicht gewählt. Der Frauenbewegung gehörte sie noch immer an und verfasste Leitartikel für die Zeitschrift Vrouwenbelangen.[1]
Clasina Kluyver zog sich nach 1950 aus dem öffentlichen Leben zurück und starb am 7. Oktober 1974, zwei Wochen nach ihrem neunzigsten Geburtstag, in Den Haag.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Marc Dierikx: Kluyver, Clasina Albertina. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 14. September 2015, abgerufen am 29. Dezember 2025 (niederländisch).