Clara Heinke

Clara Friederike Heinke (* Juni 1824 in Breslau, Provinz Schlesien; † 9. Januar 1892 in Schöneberg bei Berlin) war eine deutsche Malerin.

Leben und Wirken

Clara Heinkes Eltern waren der preußische Beamte Ferdinand Heinke und Charlotte, geborene Werner. Sie wuchs mit drei Brüdern und drei Schwestern auf, darunter die Komponistin und Klavierpädagogin Ottilie Heinke.

Sie war als Porträt- und Miniaturenmalerin sowie als Kopistin tätig.

1859 beteiligte sie an der Kunstausstellung in Breslau, wo ihre Miniaturenmalerei von der Kritik hervorgehoben wurde. So schrieb die Breslauer Zeitung: „Großes Lob verdienen die niedlichen Miniatüren von Clara Heinke […], in denen der Auftrag der Wasserfarbe auf Elfenbein mit großer Kunst ausgeführt ist und auch die gewählten Originale und Stoffe einen anmuthigen Eindruck machen.“[1] Ihr Bildnis von Caspar Netscher wurde im Anschluss an die Ausstellung vom Schlesischen Kunstverein angekauft.[2]

Im November desselben Jahres wurde eines ihrer Werke, ein „Christuskopf nach Guido Reni“, bei einer Verlosung des Schlesischen Kunstvereins unter seinen Mitgliedern einem „Justiz-Rath Engelmann in Ratibor“ zugelost.[3]

In Berlin gründete Clara Heinke im Jahr 1867 gemeinsam mit Marie Remy, Clara Wilhelmine Oenicke und Rosa Petzel den Verein der Berliner Künstlerinnen.[4]

Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen teil.[5]

In Maxen trafen sie und ihre Schwester Ottilie bei der Familie Serre mit vielen Künstlern und Wissenschaftlern zusammen. Darunter befanden sich Clara und Robert Schumann, Ottilie von Goethe, Hans Christian Andersen und auch der Leibarzt des sächsischen Königshauses, Albert Carus.

Wie ihre Schwestern blieb auch Clara Heinke zeitlebens ledig. Sie starb am 9. Januar 1892 im Alter von 67 Jahren im damals noch eigenständigen Schöneberg bei Berlin.[6] Nach Umzügen von Schöneberger Straße 32 und Bernburger Straße 26 lebte sie mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Ottilie zumindest bis zu deren Tod im Jahr 1888 an der Adresse Bülowstraße 104.[7]

Freundschaft mit Hans Christian Andersen

Wegen einer schweren Erkrankung mit Lähmungserscheinungen wurde Clara Heinke von ihrem behandelnden Arzt aus Hans Christian Andersens Büchlein Bilderbuch ohne Bilder und Erzählungen des Mondes vorgelesen. Sie fand darin so viel Gefallen, dass ihr von ihren Eltern und Geschwistern weitere Werke dieses dänischen Dichters gebracht wurden, die sie umgehend studierte. Es entstand das Bedürfnis, dem Autoren ihre Gedanken in Wort und auch durch Zeichnungen zu übermitteln. Wider Erwarten bekam sie von ihm eine sehr freundliche Antwort. Daraus entstand ein von 1853 bis 1875 währender brieflicher Kontakt. Anfangs adressierte Andersen nach Breslau, Gartenstraße 32b. Dem Tagebuch Andersens zufolge erhielt er ihren ersten Brief am 2. Oktober 1853 („Brev fra Clara Heinke i Berlin“).[8] Bald konnte sie ihm von ihrer Genesung berichten, die eine persönliche Begegnung ermöglichte. Diese erfolgte 1857 in Dresden, und daraus entstand eine Vertrautheit mit zunehmender Korrespondenz, weil Andersen der dringenden Bitte nachkam, auf viel Zeit kostende deutschsprachliche Korrekturen zu verzichten.[9] Dieser Schriftverkehr erreichte in den 1860er Jahren ihren Höhepunkt mit nahezu monatlichem Austausch. In Andersen Almanach ist der letzte Brief an Clara Heinke im Juni 1870 vermerkt.[10] Clara Heinke beschreibt aber noch Briefe bis zum Juli 1875, wobei der letzte diktiert und nur von Andersen persönlich unterschrieben war.

Im Jahr vor Andersens Tod besuchten ihn im Mai 1874 Clara Heinke gemeinsam mit ihrer Schwester Ottilie in Dänemark („Frøknerne Heinke komme“).[11]

1882 veröffentlichte die Allgemeine konservative Monatsschrift für das christliche Deutschland ihren unter dem Autorenkürzel „C. H.“ in zwei Teilen erschienenen Beitrag Etwas von Andersen, in dem sie die Entstehungsgeschichte und Episoden ihrer Freundschaft mit persönlichen Begegnungen in Deutschland und Dänemark mit Andersen detailliert schildert. Zwei Gedichte von Andersen überträgt Heinke aus dem Dänischen ins Deutsche und zitiert aus den erhaltenen Briefen die Eindrücke des Dichters zu Ereignissen wie dem Sinken des Schiffes Austria im Jahr 1858, bei dem er seine Freundin Henriette Wulff, Tochter des Konteradmirals Peter Wulff (1774–1842), verliert, den Brand des Schlosses Frederiksborg im Jahr 1859 oder seine sehr persönlichen und freundschaftlichen Begegnungen mit dem dänischen Königshaus.[12]

Nachlass

Das Archiv der Akademie der Künste in Berlin besitzt im Rahmen der Künstlerinnendokumentation:[13]

  • Lexikonauszug aus Käthe, Paula und der ganze Rest, Berlin 1992
  • Kopie 6 Briefe von Clara Heinke an Hofrath Albert Carus, Dresden, 22. April 1873 – 19. März 1886
  • Kopien 1 Rezension aus Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst, Mai 1873
  • Kopien 1 Erwähnung eines Bildes in der Vereinsausstellung aus Zeichenhalle, XI. Jg., Nr. 11/12, 1875
  • Kopien 1 Notiz zur Würdigung durch den Kaiser aus Preussische Kreuzzeitung, Nr. 37, 12. Februar 1888, Kopie

Die Sammlung „Künstlerinnen“ der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln enthält ...

Werke

Gemälde
Publikation
  • Etwas von Andersen. In: Allgemeine konservative Monatsschrift für das christliche Deutschland. 1882, S. 261 bis 271 und 321 bis 330.

Einzelnachweise

  1. Die breslauer Kunstausstellung. VII. In: Breslauer Zeitung. 259, Morgen-Ausgabe, 7. Juni 1859, S. 1314 (Digitalisat).
  2. Kunst und Literatur. In: Breslauer Zeitung. 317, Morgen-Ausgabe, 12. Juli 1859, S. 1611 (Digitalisat).
  3. Verzeichniß der vom Schlesischen Kunst-Verein am 19. November 1859 unter seine Mitglieder verlosten Kunst-Gegenstände. In: Breslauer Zeitung. 545. Beilage, 22. November 1859, S. 2705 (Digitalisat).
  4. Eintrag im Archiv des Vereins der Berliner Künstlerinnen, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  5. https://www.ub.uni-heidelberg.de/service/heiopensearch/treffer.html?qf=&q=%22Clara+Heinke%22
  6. Sterberegister Schöneberg I, zurückgeführtes Erstregister 1888, Eintrag Nr. 13 vom 10. Januar 1892; eingesehen auf ancestry.de am 15. Dezember 2025.
  7. Sterberegister Schöneberg I, zurückgeführtes Erstregister 1888, Eintrag Nr. 368 vom 3. November 1888; eingesehen auf ancestry.de am 15. Dezember 2025.
  8. H. C. Andersens Almanakker 1833–1873. (PDF, S. 222) Abgerufen am 14. Dezember 2025 (dänisch).
  9. Clara Heinke: Etwas von Andersen. In: Allgemeine konservative Monatsschrift für das christliche Deutschland. 1882, S. 261 ff. (Digitalisat).
  10. H. C. Andersens Almanakker 1833–1873. (PDF, S. 322) Abgerufen am 14. Dezember 2025 (dänisch).
  11. Harry Rasmussen: H.C.Andersen og familierne Wulff og Koch – med afsæt i en samling familiefotografier. In: livetseventyr.dk. 19. September 1973, abgerufen am 15. Dezember 2025 (dänisch).
  12. Clara Heinke: Etwas von Andersen. In: Allgemeine konservative Monatsschrift für das christliche Deutschland. 1882, S. 261 bis 271 und 321 bis 330. (Digitalisat).
  13. Detailseite - Archivportal-D. In: archivportal-d.de. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  14. Der Berliner Verein für religiöse Kunst in der evangelischen Kirche. In: Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus. Nr. 6. Berlin 1. Juni 1887, S. 82 (Digitalisat).
  15. Clara Heinke, active 1870s, A portrait of Helene Duchess von Württemberg (1807–1880), Princess zu Hohenlohe-Langenburg, bust-length, wearing a black dress with a white bonnet. In: christies.com. 2009, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).

Anmerkungen