Cité Frugès

Die Cité Frugès ist eine Siedlung in Pessac in der Nähe von Bordeaux. Sie wurde von 1924 bis 1927 nach dem Entwurf des Architekten Le Corbusier mit Pierre Jeanneret errichtet.

Die Siedlung wurde von dem Industriellen Henri Frugès finanziert. Sie war ursprünglich mit 317 Einheiten geplant. Verwirklicht wurde nur ein kleiner Teil davon, da Frugès das Geld für die vollständige Umsetzung fehlte. Die Siedlung besteht aus vier verschiedenen Haustypen von 73 bis 95 Quadratmeter Fläche.

Die Siedlung ist heute Teil des Weltkulturerbes Das architektonische Werk von Le Corbusier – ein herausragender Beitrag zur „Modernen Bewegung“.

Geschichte

1923 beauftragte der Industrielle Henry Frugès Le Corbusier mit dem Bau von Arbeiterwohnungen für sein neu erworbenes Sägewerk in Lège in der Gironde. Es handelte sich um ein kleines Vorhaben mit 7 bis 8 Wohnungen. Obwohl es beim Bau zu zahlreichen Schwierigkeiten kam, beauftragte Frugès 1924 Le Corbusier mit dem Bau einer Arbeitersiedlung in Pessac in der Nähe von Bordeaux. Dieses Projekt sollte 130 bis 150 Häuser inklusive Infrastruktur wie Straßen und Geschäfte umfassen und war für die Arbeiter von Frugès Zuckerfabrik bestimmt. Zu dieser Zeit war Pessac ein ländlicher Vorort von Bordeaux.[1]

Le Corbusiers Plan

Frugès kaufte ein Grundstück von 38.882 m² Fläche, westlich vor der Stadt auf freiem Gelände, am Rande der Landstraße und der Eisenbahn zum Atlantik. Das Grundstück war wegen der Verkehrsadern nicht rechteckig, Le Corbusier teilte es durch zwei größere Straßen in vier Viertel, der weitere Zugang zu den Häusern erfolgte über kleinere Straßen. Das Vorbild für die Siedlung waren die bekannten Gartenstädte des 19. Jahrhunderts. Le Corbusiers Plan unterscheidet sich aber stark von diesem Schema. Anstelle von ein- bis zweistöckigen Reihen- oder Doppelhäusern plante er höhere Bauwerke mit Wohnungen für mehrere Familien. Anstelle der traditionellen Architektur plante er die Häuser im Bauhaus-Stil mit kubischen Formen und Flachdach. Vom Bauhaus-Stil unterscheiden sich die Häuser durch den Einsatz kräftiger Farben, die die Flächen strukturieren. Um die Wohnungen mit modernem Komfort ausstatten zu können und sie trotzdem für Arbeiter bezahlbar zu machen, wählte er originelle Lösungen: Jede Wohnung hatte ein Badezimmer, aber mit einfacher Ausstattung. Die Beheizung sollte durch einen großen Herd in der Küche erfolgen, der auch Warmwasser bereitete, die Wärme sollte über Röhren und Öffnungen im ganzen Haus verteilt werden. Da zunächst keine Kanalisation vorhanden war, waren Trockentoiletten geplant, die aber bald durch WCs ersetzt wurden. Auch die Heizung wurde bald durch konventionelle Heizkörper ersetzt. Ein Ziel war es, helle Wohnungen zu schaffen, die durch natürlichen Licht beleuchtet werden. Dazu setzte Le Corbusier große Fensterflächen ein, die Bäder wurden durch schmale, hohe Fenster beleuchtet, die zum Sichtschutz versetzt angebracht waren. Auf dem Flachdach war eine teilweise überdachte Terrasse realisiert, die den Raum zu einem zusätzlichen, offenen Zimmer machten. Das Klima in der Gegend ist durch die Atlantik-Nähe mild. Außerdem hatte man von den Terrassen einen weiten Blick über das umliegende, unbebaute Land.

Es gab einige wenige, 16, private Gärten innerhalb der Siedlung zur Selbstversorgung. Allerdings haben die meisten Häuser einen kleinen Vorgarten. Die Flächen zwischen den Häusern sollten parkartig angelegt werden. Entlang der Straßen wurden große Bäume gepflanzt.

Um Einförmigkeit zu vermeiden, entwarf Le Corbusier vier Typen von Häusern: Typ „quinconce“ (versetzt, gestaffelt), „gratte-ciel“ (Wolkenkratzer), „arcade“ (Arkade) und „isolée“ (isoliert). Die französischen Bezeichnungen stammen von Le Corbusier selbst, die Bedeutung ist aber nicht offensichtlich. „Versetzt“ bezieht sich auf die Anordnung der Häuser, manchmal auch als „Z-förmig“ bezeichnet. Die „Wolkenkratzer“ Häuser sind nur wenig höher als die anderen, allerdings sind sie vertikal anstelle von horizontal strukturiert. „Arkade“ bezieht sich darauf, wie die Häuser aneinander gebaut sind. „Isoliert“ sind Häuser, die allein stehen.

Le Corbusiers Plan konnte nicht vollständig realisiert werden. Es wurden nur 51 Häuser gebaut, die „Torhäuser“ am Eingang wurden nicht gebaut, und nur wenige Geschäfte. Der Grund war der Konkurs der Zuckerfabrik Frugès 1929.[1]

Der Weg zum Architekturdenkmal

Am Ende der 1920er Jahre begann die große Weltwirtschaftskrise, danach der Zweite Weltkrieg. In dieser Zeit waren keine Mittel vorhanden, die Siedlung instand zu halten. Der Großraum Bordeaux wuchs und Pessac wurde Teil davon. Die Siedlung liegt heute innerhalb der Bebauung, nur westlich ist ein Park mit alten Bäumen erhalten. Im Krieg wurde nur ein Haus durch die Bombardierung der Eisenbahnlinie zerstört, der Rest blieb erhalten. 1973 begannen die Eigentümer eines Hauses damit, es sachgerecht zu restaurieren. Danach wurde das Haus unter Denkmalschutz (Monument Historique) gestellt, damit war auch die nähere Umgebung und praktisch die gesamte Siedlung teilweise geschützt. Dies veranlasste die Stadt Pessac und die staatlichen Stellen (Departement, Denkmalschutzbehörde), einen Plan zur Restaurierung der gesamten Anlage zu erstellen. Er umfasste drei Stufen: Zunächst eine Bestandsaufnahme, dann eine Zielvereinbarung, was mit der Restaurierung erreicht werden soll und schließlich die Restaurierung selbst. In den Jahren seit dem Bau haben die Besitzer und Bewohner verschiedene Änderungen vorgenommen, einerseits, weil manche Originale sich nicht bewährt haben oder defekt geworden sind, andererseits wollten die Bewohner moderneren Komfort haben. So besaßen jetzt die meisten ein Auto und benötigten einen Abstellplatz. Schließlich fand man einen Kompromiss zwischen Restaurierung des Originals und Erhalt des Wohnkomforts der Bewohner. In den 1980er Jahren wurde ein Report erstellt, gleichzeitig sanierte die Stadt die Infrastruktur wie Kanalisation und die Straßen. 1993 wurde der endgültige Plan erstellt und von der Stadt und den staatlichen Stellen angenommen, danach begann die Restaurierung der Häuser. 1998 wurde die Siedlung als „Zone de protection du patrimoine architectural, urbain et paysager“ (Schutzzone für architektonisches, städtebauliches und landschaftliches Erbe) anerkannt, 2016 als UNESCO-Weltkulturerbe.[2]

Literatur

  • Marylène Ferrand, Jean-Pierre Feugas, Bernard Le Roy, Jean-Luc Veyret: Le Corbusier: Quartiers Modernes Frugès, Birkhäuser Basel, 1998, ISBN 978-3-7643-5808-2

Einzelnachweise

  1. a b Marylène Ferrand, Jean-Pierre Feugas, Bernard Le Roy, Jean-Luc Veyret: Le Corbusier: Les Quartiers Modernes Frugès. (PDF) In: 20 Century Architecture. 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (französisch).
  2. QUARTIERS MODERNES FRUGES PESSACGIRONDE LE CORBUSIER & PIERRE JEANNERET Architectes 1924–1927 RAPPORT DE PRESENTATION. In: www.culture.gouv.fr. Ministère de la Culture, 2014, abgerufen am 3. Dezember 2025 (französisch).
Commons: Cité Frugès – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 44° 47′ 56,5″ N, 0° 38′ 51,7″ W