Cimone und Efigenia

Cimone und Efigenia ist die erste Novelle des fünften Tages (V,1) in Giovanni Boccaccios Il Decamerone. Sie ist eine Renaissance-Novelle mit antikisierender Namens- und Motivgestaltung. Die Geschichte spielt auf Zypern und handelt von der Verwandlung eines jungen Mannes durch die Macht der Liebe sowie von abenteuerlichen Entführungen und glücklichen Hochzeiten. In der von Panfilo erzählten Novelle finden Liebende nach vielerlei Beschwerden und Gefahren am Ende ihr Glück. Im Mittelpunkt stehen die Motive der Verwandlung durch die Liebe – Cimone entwickelt sich von einem „wilden“ zu einem kultivierten Mann – und der Einfluss von Fortuna. Zufälle, Gefangenschaften, Befreiungen und Entführungen prägen den Handlungsverlauf, der dennoch in einem glücklichen Ende mündet. Die Erzählung fand auch in der Kunst Resonanz, etwa in illuminierten Handschriften und bildlichen Darstellungen, die Cimone und Efigenia beim ersten Aufeinandertreffen oder bei der Entführung zeigen.[1][2]

Inhalt der Novelle

Zusammenfassung: Es lebte einst auf Zypern ein reicher Edelmann namens Aristippo, der einen Sohn namens Galeso hatte. Dieser war zwar schön von Gestalt, aber ungebildet, plump und galt als fast töricht. Aufgrund seines groben Benehmens wurde er spöttisch „Cimone“ (zu Deutsch: „Bestie“) genannt. Da sein Vater jede Hoffnung aufgegeben hatte, schickte er ihn aufs Land, damit er bei den Bauern lebte. Eines Tages entdeckte Cimone in einem Hain die schlafende junge Adlige Efigenia. Von ihrer Schönheit überwältigt, ergriff ihn die Liebe, die ihn völlig verwandelte: Aus dem Rohling wurde ein kultivierter, gebildeter und tapferer junger Mann, der sich alle ritterlichen Fähigkeiten aneignete. Er wollte Efigenia heiraten, doch ihr Vater hatte sie bereits dem reichen Pasimunda aus Rhodos versprochen. Als Efigenia nach Rhodos gebracht werden sollte, überfiel Cimone das Schiff mit bewaffneten Gefährten und entführte sie. Ein Sturm verschlug sie jedoch selbst nach Rhodos, wo sie von den Feinden erkannt und gefangen genommen wurden. Cimone wurde ins Gefängnis geworfen. Pasimunda wollte Efigenia heiraten, während sein Bruder Ormisda gleichzeitig die schöne Kassandra heiraten sollte, die jedoch heimlich Lisimakus liebte, einen der höchsten Beamten von Rhodos. Um seine Geliebte nicht zu verlieren, verbündete sich Lisimakus mit dem gefangenen Cimone. Am Hochzeitstag stürmten sie mit bewaffneten Freunden das Fest, erschlugen Pasimunda und Ormisda und raubten Efigenia und Kassandra. Mit den beiden Frauen flohen sie nach Kreta, wo sie heirateten und Feste feierten. Nach einiger Zeit durften sie durch Vermittlung von Freunden in ihre Heimat zurückkehren. Cimone kehrte mit Efigenia nach Zypern und Lisimakus mit Kassandra nach Rhodos zurück. Dort lebten beide Paare glücklich bis ins hohe Alter.[3][2]

Literatur

  • Giovanni Boccaccio (Übers. Karl Witte): Das Dekameron: Vollständige Ausgabe, Anaconda Verlag, 2013.
  • Decameron. Edizione critica secondo l’autografo hamiltoniano, a cura di Vittore Branca, Firenze, 1976.
  • Vittore Branca und Pier Giorgio Ricci: Un autografo del Decameron. Codice Hamiltoniano 90, Padua, CEDAM, 1962.

Einzelnachweise

  1. Giovanni Boccaccio: Das Dekameron – Vollständige Ausgabe. Anaconda Verlag, 2013.
  2. a b Dekamerone oder die 100 Erzählungen. Abgerufen am 22. September 2025.
  3. Giornata quinta - Novella prima - Decameron - di: Giovanni Boccaccio. Abgerufen am 22. September 2025.