Christoph Weber-Berg
Christoph Weber-Berg (* 1964) ist ein Schweizer Pfarrer und Wirtschaftsethiker. Seit dem 1. August 2012 ist er Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau.
Leben und Ausbildung
Christoph Weber ist in Teufenthal und in Unterkulm im aargauischen Bezirk Kulm aufgewachsen. Die Kantonsschule besuchte er in Aarau und Glarus und studierte nach der Matur evangelisch-reformierte Theologie an der Universität Zürich. Im Jahr 1992 wurde er von der Reformierten Landeskirche Aargau in Lenzburg zum «Verbi Divini Minister» ordiniert. Nach Stellvertretungen in Thun und Murten wurde er Pfarrer in der Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken, wo er von 1995 bis 2001 arbeitete. Im Jahr 2002 promovierte er an der Universität Zürich zum Dr. theol. Von 2001 bis 2008 leitete er die Fachstelle «Kirche & Wirtschaft» der Reformierten Kirche Kanton Zürich und absolvierte eine Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA) in Nonprofit Management an der Universität Freiburg. Von 2009 bis 2012 war er Leiter des «Center for Corporate Social Responsibility» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich.
Die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau hat ihn als Nachfolger von Claudia Bandixen als Kirchenratspräsident gewählt. Er trat dieses Amt am 1. August 2012 an[1] und wird im Juni 2026 nicht mehr kandidieren, so dass er am 31. Dezember 2026 aus seinem Amt ausscheiden wird.[2]
Kirchliche Tätigkeit
Nach seiner pfarramtlichen Tätigkeit in der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken widmete sich Christoph Weber-Berg Fragen des Verhältnisses zwischen Kirche und Wirtschaft. Unter anderem arbeitete er im Auftrag des damaligen Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK (Heute: Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS) die Haltung der Schweizer Kirchen zum Thema Apartheid im Kontext der so genannten Bankengespräche in der Zeit zwischen 1986 und 1989 auf.[3]
In seine Zeit als Aargauer Kirchenratspräsident fällt der im Jahr 2020 durch den Kirchenrat angestossene Reformprozess 26/30. Das Ziel der Reform ist die Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit der Kirche unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Auf der Basis des Evangeliums und der Reformierten Tradition soll die Reformierte Kirche Aargau dank demokratisch-rechtsstaatlichen Strukturen als vielfältige Glaubensgemeinschaft in die Gesellschaft hinein wirken. Die Autonomie und die Zukunftsfähigkeit der Kirchgemeinden sollen durch Zusammenschlüsse gestärkt werden.
Für Weber-Bergs theologische Position programmatisch ist das Buch «Reformulierter Glaube. Anstösse für kirchliche Verkündigung heute.» Er betont darin die Bedeutung verständlicher und dialogischer Verkündigung. In Liturgie und Predigt sollen Bezüge zur heutigen Lebenswirklichkeit erfahrbar sein. Er hebt ausserdem die Bedeutung der Glaubwürdigkeit der Predigenden vor dem Hintergrund ihrer eigenen Spiritualität hervor.[4] Theologische Kernaussagen des Buches beziehen sich auf «sola caritate» («allein durch die Liebe») als fünftes reformatorisches Prinzip, sowie den Satz «Gott glaubt an dich – du bist frei».[5]
Von 2015 bis 2025 war Christoph Weber-Berg Präsident des von den Reformierten Kirchen der Deutschen Schweiz getragenen Vereins Reformierte Medien. In seine Zeit als Präsident fielen unter anderem die Lancierung des Magazins «bref» im Jahr 2016, der wirtschaftliche Turnaround des Betriebs 2018 sowie die Lancierung der kirchlichen Stellenplattform reformiert.jobs 2019.
Wissenschaftliche Tätigkeit
Im Anschluss an seine Dissertation zur «Kulturbedeutung des Geldes als theologische Herausforderung» widmete sich Christoph Weber-Berg Themen der Finanz- und Wirtschaftsethik. Zwischen 2010 und 2015 war er Mitorganisator der wissenschaftlichen Konferenzreihe «Finethikon», deren Beiträge im «Jahrbuch für Finanz- und Organisationsethik» veröffentlicht wurden. In seiner Tätigkeit als Wirtschafts- und Unternehmensethiker ging es Weber-Berg darum, den gesellschaftlichen Nutzen ethischen Handelns im Bereich der Wirtschaft aufzuzeigen. Er beschrieb den Einbezug ethischer Werte in Entscheidungen des Managements als «Mehrwert» und Nutzen, der kurzfristigen Gewinnen vorzuziehen sei.[6]
2010 und 2011 war Christoph Weber-Berg Fellow am interuniversitären Zentrum für Religion Wirtschaft und Politik ZRWP an der Universität Basel. Er arbeitete in einer interdisziplinären Forschngsgruppe, die sich mit dem Verhältnis von Risiko, Vertrauen und Schuld im Nachgang zur Finanzkrise 2007-2008 auseinandersetzte.[7] Er befasste sich dabei unter anderem mit Fragen zur Anthropologie des wirtschaftlich tätigen Menschen[8] sowie mit der Frage nach der Möglichkeit zur Wiederherstellung verlorenen Vertrauens im Finanzsystem.[9]
Weitere Tätigkeiten
Christoph Weber-Berg ist seit 2009 Mitglied und seit 2017 Präsident des Stiftungsrates der Stiftung Schürmatt. Seit 2024 ist er Präsident des Stiftungsrates der Stiftung Lernwerk.
Schriften (Auswahl)
- Das Erbe der Reformation und die Herausforderungen der Schweizer Volkskirchen, in: Bakshi Natalia / Pfleiderer Georg / Pörzgen Yvonne (Hrsg.), Ausstrahlung der Reformation: Ost-westliche Spurensuche. Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2020. ISBN 978-3-7705-6489-7
- Das verlorene Einkaufsparadies und die Entzauberung der Oekonomie: Ein theologisches Nachwort, in: Peter Seele und Chr. Lukas Zapf, Der Markt existiert nicht. Aufklärung gegen die Marktvergötterung. Springer Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-662-53939-2
- Geld und Geltung, zur Moral eines gesellschaftlichen Leitmediums, in: Stüttgen Manfred (Hrsg.), Ethik von Banken und Finanzen. Pano / Nomos-Verlag, Zürich / Baden-Baden 2017. ISBN 978-3-290-22037-2
- Reformulierter Glaube. Anstösse für kirchliche Verkündigung heute. Theologischer Verlag Zürich 2016. ISBN 978-3-290-17860-4
- „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – Zweifel als Konstituens von Glauben und Vertrauen, in: Pfleiderer Georg et al. (Hrsg.), Kapitalismus, eine Religion in der Krise II, Aspekte von Risiko, Vertrauen, Schuld. Pano / Nomos-Verlag, Zürich / Baden-Baden 2015 ISBN 978-3-290-22030-3
- Die Entfaltung des homo oeconomicus – Eine neue Sicht auf den wirtschaftlich tätigen Menschen, in: Peter Seele und Georg Pfleiderer (Hrsg.), Kapitalismus – eine Religion in der Krise I, Grundprobleme von Risiko, Vertrauen, Schuld. Pano / Nomos-Verlag, Zürich / Baden-Baden 2013. ISBN 978-3-8487-0016-5
- Der Mensch ist ein Unterschiedswesen, Replik auf Dirk Baecker: „Gott rechnet anders“, in: Georg Pfleiderer / Alexander Heit (Hrsg.), Sphärendynamik II, Religion in postsäkularen Gesellschaften. Pano / Nomos-Verlag, Zürich / Baden-Baden 2012. ISBN 978-3-290-22006-8
- Mehrwert Ethik, Added Values in Wirtschaft und Management. Versus Verlag Zürich, 2007. ISBN 978-3-03909-099-0
- Salz der Erde oder Spiegel der Gesellschaft, Studie betreffend die Haltung des SEK im Kontext der „Bankengespräche“ zum Thema Apartheid in den Jahren 1986 – 1989. Eigenverlag SEK, Bern 2004. ISBN 3-7229-6007-X
- Die Kulturbedeutung des Geldes als theologische Herausforderung. Pano Verlag Zürich, 2002. ISBN 978-3-907576-53-3
Weblinks
- Lebenslauf auf der Website der Reformierten Landeskirche Aargau
- Zum Prozess der Aargauer Kirchenreform 26/30
- Zu den Zielen und zur Vision der Aargauer Kirchenreform 26/30
Einzelnachweise
- ↑ Verabschiedung von Claudia Bandixen ( vom 20. August 2012 im Internet Archive)
- ↑ Amtsperiode 2027-2030 in neuer Besetzung auf ref-ag.ch 3. Juli 2026
- ↑ «Apartheid: Mea Culpa der Protestanten» auf www.swissinfo.ch, 22.04.2004, aufgerufen: 22.12.2025. Der Beitrag bezieht sich unter anderem auf Weber-Bergs Studie «Salz der Erde oder Spiegel der Gesellschaft», allerdings ohne ihn als Autor zu nennen.
- ↑ «Reformulierter Glaube», von Fritz Imhof, Liturgie- und Gesangbuchkonferenz LGBK (ohne Datum), aufgerufen: 22.12.2025
- ↑ «Ein Zeichen der Hoffnung gesetzt», von Hans-Peter Mathys, reformiert.info, 22. Juni 2016, aufgerufen: 22.12.2025
- ↑ Mehrwert Ethik, Added Values in Wirtschaft und Management. Rezension auf www.getabstract.com, aufgerufen: 22.12.2025
- ↑ Forschungskolleg Basel, 2010 bis 2011, auf zrwp.ch, aufgerufen: 22.12.2025
- ↑ Die Entfaltung des homo oeconomicus – Eine neue Sicht auf den wirtschaftlich tätigen Menschen, auf www.inlibra.com, aufgerufen: 22.12.2025
- ↑ «Ich glaube, hilf meinem Unglauben» - Zweifel als Konstituens von Glauben und Vertrauen, auf www.inlibra.com, aufgerufen: 22.12.2025