Christoph Richter (Mediziner)

Christoph Richter (* 21. August 1624 in Reichenberg, Böhmen; † 8. Februar 1692 in Zittau) war ein Arzt und Chemiker.

Leben

Christoph Richter wurde 1624 im böhmischen Reichenberg geboren, nahe der Stadt Zittau in der Oberlausitz. Richters Studienverlauf an der Universität Leipzig lässt sich aufgrund mehrerer namensgleicher Einschreibungen nicht eindeutig nachvollziehen.[1] 1652 zog er nach Zittau, wo er sowohl umfangreiche chemische Versuche durchführte als auch als Arzt tätig war. Seine Leistungen wurden 1667 von Kaiser Leopold I. anerkannt, der ihm den Doktorgrad verlieh.[2]

Richter war Leibarzt der Kurfürstin Magdalena Sibylle.[3] Da es jedoch zeitgleich zwei Frauen dieses Namens gab, Magdalena Sibylle von Preußen und Magdalena Sibylle von Brandenburg-Bayreuth, ist unklar, welche genau gemeint ist. Seine Leibarzttätigkeit ist wahrscheinlich auf die Witwenzeiten beschränkt, also 1656 bis 1659 bzw. 1680 bis 1687.

Richter starb 1692 in Zittau an der Pest.

Kontroversen

Promotion (1665–1667)

Am 27. November 1665 zeigte Richter dem Zittauer Rat an, er habe sich „durch ein überschicktes Diploma“ über den Comes palatinus Johann Rist zum Doctor ausrufen lassen und bitte um entsprechende Anerkennung. Die Leipziger Fakultät erklärte am 27. Januar 1666 in einem ausführlichen Responsum, Rist sei „zu weit gegangen“; Richter habe weder ordentliche Studien und Examina nachgewiesen noch das in der Comitivsvollmacht geforderte Beisitzen dreier Doktoren erfüllt. Kurfürst Johann Georg II. untersagte daraufhin am 1. Mai 1666 die Führung des Titels, sofern das vorgelegte Diploma den überlieferten Copien entspreche; an dieser Linie hielt man auch nach Rists deutschsprachigem Traktat von 1667 fest (weiteres Responsum vom 9. November 1667).[4] Nach Intervention von Richter ließ Kaiser Leopold I. am 21. März 1667 ein anderweitiges Doktordiplom für Richter ausfertigen.[2] Georg Christoph Kreyßig verweist 1756 auf die ungewöhnliche Promotion, nennt Richter aber gleichzeitig einen „berühmten Empiricus“.[5]

Konflikt 1683

1683 griffen die Stettiner Ärzte Johann Zander, Johann Georg Liebe, Daniel Gottfried Klug und Johann Gerdes die Familie Richter mit der Schmähschrift Larva arcanorum Richteri delecta an. Man „entlarve“ Richters geheime chymische Arzeneien (Arcanen) und stelle deren Zulässigkeit und Seriosität sowie neben dem Vater auch die Söhne Johann und Gottfried (in Stettin tätig) öffentlich in Frage.[6]

Die in Zittau gedruckte Apologia contra larvam impiam et calumniosissimam des Sohnes Johann hält dagegen und beinhaltet, neben der Verteidigung, einen beigefügten Bericht „von einigen meines Vaters Medicamenten“.[7] Auch Sohn Gottfried antwortete noch im selben Jahr mit der kurzen Polemik Larva Richtero dempta.[8]

Familie

Christoph Richter war mit Helene († 1693), geborene Reiterin, verheiratet[9] und begründete die medizinische Tradition der Familie, fünf seiner Söhne wurden ebenfalls Ärzte.[3]

Christoph Richters vermutlich ältester Sohn, ebenfalls Christoph oder Christian, geboren 1648 in Zittau[10] , immatrikulierte sich 1668 in Jena, obwohl im Universitätsregister irrtümlich Reichenbach als Herkunftsort verzeichnet ist. Nach einem dreijährigen Studium reiste er durch Italien, Belgien und England und erwarb 1671 in Jena den akademischen Grad eines Lizentiaten. Er praktizierte später als Arzt in Zittau, wo er 1711 verstarb.[11] Sein Sohn, ebenfalls Christoph genannt, immatrikulierte sich 1714 in Frankfurt an der Oder.

David Richter, geboren 1650 in Zittau[10], folgte seinem Bruder Christoph 1670 nach Jena. Seine Disputation "De hydrope Tympanite" fand 1672 statt, und seine Promotion erfolgte 1674 in Italien, wo er als Arzt tätig war. Er verstarb 1707 auf seinem Gut Körbigsdorf (bei Löbau, Oberlausitz).

Über Johann Richter, geboren 1652 in Zittau[10], ist bekannt, dass er 1667 in Leipzig studierte und später durch Schweden, England und die Niederlande reiste, bevor er in verschiedenen deutschen Städten arbeitete. Er erwarb ein Gut in Körbigsdorf, das später seinem Sohn David gehörte. Da die chemischen Forschungen seines Vaters in Stettin auf erheblichen Widerstand stießen, trat Johann 1683 öffentlich gegen die Angriffe verschiedener Personen auf, die sich sowohl gegen seinen Vater als auch seinen Bruder Gottfried in Stettin und ihn selbst richteten.

Gottfried Richter, geboren 1654[10], studierte ab 1678 in Jena und wurde 1678 in Utrecht promoviert. Er arbeitete später als Arzt in Stettin.

Christian Richter, geboren 1656[10], disputierte 1678 in Leipzig und wurde in Erfurt promoviert. Er war als kaiserlicher Bergrat tätig und spezialisierte sich vermutlich auf Geologie. Sein jüngster Sohn, Paul Christoph Richter, geboren 1677[10], wurde 1702 in Halle an der Saale promoviert und war ab 1706 als Klosterarzt im Kloster Marienthal tätig.

Gottlieb Friedrich Otto (1821) und Oskar Friedrich (1886) nennen abweichend zu Johann Benedict Carpzov III. (1716) nicht fünf, sondern sechs Söhne, die dem Vater im Arztberuf gefolgt seien.

Literatur

  • Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716. S. 134
  • Gottlieb Friedrich Otto: Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jetztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler. Supplementband. Zobel, Görlitz/Leipzig 1821, S. 356 (online).
  • Oskar Friedrich: Album des Gymnasiums zu Zittau. Menzel, 1886. S. 33 (online)
  • Andreas Lesser: Die albertinischen Leibärzte vor 1700 und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ärzten und Apothekern. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0285-0, S. 233–236.

Einzelnachweise

  1. Georg Erler (Hrsg.): Die Immatrikulationen vom Wintersemester 1634 bis zum Sommersemester 1709. Leipzig 1909. S. 357
  2. a b Heinrich R. von Kyaw: Familien-Chronik des adelichen und freiherrlichen Geschlechtes von Kyaw. Teubner, 1870. S. 120 f.
  3. a b Christian Adolph Pescheck: Handbuch der Geschichte von Zittau. Band 2. J.D. Schopsischen, 1837. S. 808
  4. Johann Christoph Wolf: Der entdeckte Falsarius und Plagiarius. Wolff, 1732. S. 284 ff.
  5. Georg Christoph Kreyßig: Beyträge zur Historie derer Chur- und Fürstlichen Sächsischen Lande. Band 3. Richter, 1756. S. 161
  6. Johann Zander, Johann Georg Liebe: Larva arcanorum Richteri delecta. Wittenberg 1683.
  7. Johann Richter: Apologia contra larvam impiam et calumniosissimam. Hübner, Zittau 1683.
  8. Gottfried Richter: Larva Richtero dempta. Stettin 1683.
  9. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Ausgabe 30. C.C. Meinhold, 1907. S. 44 f.
  10. a b c d e f Johann Benedict Carpzov III.: Analecta fastorum Zittaviensium, oder historischer Schauplatz der löblichen alten Sechs-Stadt des Marggraffthums Ober-Lausitz Zittau. Schöps, Zittau 1716. S. 134
  11. Christian Adolph Pescheck: Handbuch der Geschichte von Zittau. Band 2. J.D. Schopsischen, 1837. S. 785