Christine Kotzebue

Anna Christine Kotzebue geb. Krüger, auch Anna Christiane Kotzebue,[1] (* 8. Juli 1736 in Wolfenbüttel; † 31. Januar 1828 in Weimar[2]) war die Mutter von August von Kotzebue.

Christi(a)ne Krüger war eine Tochter aus der (ersten) Ehe des Kaufmanns und Stadtkämmerers Johann Anton Krüger (1710–1755) in Wolfenbüttel mit der verwitweten Anna Elisabeth geb. Eilers (* 1722), geschlossen am 1. November 1735.

Aus der zweiten Ehe ihres Vaters hatte sie die Halbschwester Elisabeth Magdalene Juliane Krüger (* 1743; † 8. Dezember 1819)[3], die sich 1770 mit dem Lehrer und Schriftsteller Carl August Musäus (1735–1787) verehelichte,[4] und den Halbbruder Christoph Heinrich Krüger (* 3. Dezember 1745; † 25. Dezember 1796), ab Juli 1771 in der Weimarer Regierung, zunächst Kommissionssekretär, dann Rat und Gerichtssekretär, ab 1791 Konsistorialrat und Amtmann im Amt Jena.[5][6]

Aus der dritten Ehe ihres Vaters hatte sie die Halbschwester Elisabetha Henrietta Juliana Krüger (* etwa 1755; † Mai 1819[7]), die sich im August 1788 mit dem Bibliothekar Christian Joseph Jagemann (1735–1804) verehelichte.[8]

Christi(a)ne heiratete am 12. Mai 1757 den Kanzleisekretär Carl Christian Kotzebue (1727–1761) in Braunschweig und zog mit ihm im Herbst 1758 nach Weimar.[9] Der Ehe entstammten drei Kinder:

  • Karl Ludwig Anton, * 31. Mai 1758 in Wolfenbüttel, war das Opfer eines dauerhaften Gemütsleidens; † 14. Dezember 1832.[10]
  • Caroline Amalie, * 1. Oktober 1759 in Weimar,[11] † 15. Januar 1844 in Bremen; heiratete im April 1778 den Juristen Johann Friedrich Gildemeister (1750–1812). Nach dessen Tod lebte sie noch einmal für mehrere Jahre in Weimar.[12]
  • August Friedrich Ferdinand, * 3. Mai 1761 in Weimar. Der vaterlos aufgewachsene Sohn wurde Schriftsteller und ab 1817 Staatsrat im Dienst des russischen Zaren.

August (von) Kotzebue (1785 geadelt) beherrschte zu seiner Zeit förmlich die Bühnen in ganz Europa; er verfasste über 200 Theaterstücke.[13] Er wurde von dem Burschenschafter Carl Ludwig Sand 1819 in Mannheim wegen seiner angeblich reaktionären, volksverräterischen Haltung ermordet.

Enrica von Handel-Mazzetti schrieb 1934 eine Novelle Christiana Kotzebue. Die Autorin unterstellte ihr einen Versöhnungsgedanken dergestalt, dass sie nach dem Tod ihres Sohnes nicht glauben könne, dass Sand ein unedler Mensch gewesen sein soll. Es ist gewissermaßen Teil des National-Kultes um Carl Ludwig Sand.[14]

Das Grab von Christine Kotzebue befindet sich auf dem Historischen Friedhof Weimar.[15]

Literatur

  • J. Gr. von Oeynhausen: Die Familie von Kotzebue. In: Vierteljahresschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie, 13. Jg. 1885, S. 38‒70; hier: S. 53. (PDF)
  • P. Mitzschke: August von Kotzebue und Friedrich Nietzsche. In: Roland. Verein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde. Monatsschrift. 11. Jg. 1910–1911, S. 1–2.
  • Werner Deetjen: Amalie Kotzebues Liebes- und Ehestandsgeschichte. In Briefen mitgeteilt. In: Westermanns Monatshefte 127. Band, 2. Teil, 1920, S. 463‒468 und S. 594‒599.
  • Christine Krüger Kotzebue in der Datenbank Find a GraveVorlage:Findagrave/Wartung/Gleiche Kenner im Quelltext und in WikidataVorlage:Findagrave/Wartung/Wirkungslose Verwendung von Parameter 2Vorlage:Findagrave/Wartung/Name ungleich Wikidata-Bezeichnung

Einzelnachweise

  1. So bei Beerdigte in Weimarisches Wochenblatt vom 7. März 1828, S. 110; auch z. B. im Register Hans Gerhard Gräf (Hrsg.): Goethes Briefwechsel mit seiner Frau, Bd. II: 1807-1816, Frankfurt am Main 1916, S. 488.
  2. Todesanzeige in Weimarisches Wochenblatt vom 5. Februar 1828, S. 57.
  3. Todesanzeige und Gestorbene in Weimarisches Wochenblatt vom 10. Dezember 1819, S. 440, und vom 31. Dezember, S. 466.
  4. Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 25. April 1770, S. 130f.
  5. Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 27. Juli 1771, S. 237, und vom 16. April 1791, S. 117.
  6. C. H. Krügers Schwiegertochter Erdmuthe Dorothea geb. Krause (1778–1856) wurde in ihrer zweiten Ehe die Mutter von Carl Ludwig Nietzsche (1813–1849), dem Vater des Philosophen Friedrich Nietzsche. (Mitschke 1910/1911.)
  7. Gestorbene in Weimarisches Wochenblatt vom 15. Juni 1819, S. 220.
  8. Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 3. September 1788, S. 283f.
  9. Wöchentliche Weimarische Anzeigen vom 18. November 1758, S. 182.
  10. Todesanzeige in Beilage zur Weimarischen Zeitung vom 22. Dezember 1832, Familien-Nachrichten.
  11. Geburtsangabe in Wöchentliche Weimarische Anzeigen vom 6. Oktober 1759, S. 158.
  12. Eine Anekdote findet sich in dem anonymen (von Wilhelm Ludecus (1768–1854) stammenden) Büchlein Aus Goethes Leben. Wahrheit und keine Dichtung, 1849, S. 80.
  13. Laut Annette Seemann waren es genau 227 Stücke (Annette Seemann: Weimar. Eine Kulturgeschichte, München 2012, S. 137 und 171. ISBN 978-3-406-63030-9).
  14. Harro Zimmermann: Ein deutscher Gotteskrieger? Der Attentäter Carl Ludwig Sand: Die Geschichte einer Radikalisierung, Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag 2020, S. 234. ISBN 978-3-506-70309-5.
  15. Gertrud Ranft: Historische Grabstätten aus Weimars klassischer Zeit. 5. Auflage, Weimar 1990, S. 93. ISBN 3-7443-0010-2; Hannelore Henze, Doris-Annette Schmidt: Der historische Friedhof zu Weimar. Ilmenau 2011, S. 39. ISBN 978-3-939399-08-7.