Christiane Wendehorst

Christiane Clara Wendehorst, geb. Christiane Clara Lass (* 14. November 1968 in München) ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin und Universitätsprofessorin am Institut für Zivilrecht der Universität Wien.

Leben

Christiane Wendehorst studierte von 1988 bis 1993 Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefördert durch Stipendien der Stiftung Maximilianeum, des Freistaates Bayern, und der Studienstiftung des deutschen Volkes.[1] Im Jahre 1993 absolvierte sie das erste Staatsexamen und 1995 das zweite Staatsexamen. Wendehorst wurde 1995 mit der Arbeit „Der Flüchtling im deutschen Internationalen Privatrecht.“[2] promoviert. Von 1993 bis 1998 war Christiane Wendehorst wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Internationales Recht – Rechtsvergleichung an der Ludwig-Maximilians-Universität München[1]. Von 1997 bis 1998 absolvierte Wendehorst einen Master of Laws an der University of Cambridge und habilitierte sich 1998 mit der Habilitationsschrift „Anspruch und Ausgleich“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.[3]

Mit nur 29 Jahren erhielt Christiane Wendehorst den Ruf auf einen Lehrstuhl (Gerd-Bucerius-Stiftungsprofessur) an der Universität Greifswald, wo sie von 1998 bis 1999 tätig war. Wendehorst war von 1999 bis 2008 als Nachfolgerin von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Erwin Deutsch Professorin für Bürgerliches Recht, Medizinrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.[1] Während ihrer Zeit in Göttingen war sie u. a. Geschäftsführende Direktorin des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaft (2000 bis 2008). 2008 folgte sie einem Ruf an die Universität Wien und hat an dieser seither einen Lehrstuhl am Institut für Zivilrecht inne.[1] An der Universität Wien fungiert sie außerdem als Stellvertretende Institutsvorständin am Institut für Digitalisierung und Recht.[4]

Neben ihrer Tätigkeit als Universitätsprofessorin übt Christiane Wendehorst zahlreiche Funktionen aus. Aktuell ist sie Präsidentin der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)[5] (seit 2022), Scientific Director des European Law Institute[6] (seit 2021) und Vizepräsidentin des Österreichischen Juristentags[7] (seit 2022). Christiane Wendehorst war Vorsitzende des Akademierats der ÖAW[8] (2017–2022). Sie ist ferner Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt[9] und war bis 2019 neben dem Medizinrechtler Karl Stöger und den beiden Medizinern Eva Schernhammer und Herwig Kollaritsch Mitglied der Expertenkommission zur Evaluierung der Impfpflicht.[10] Als Co-Vorsitzende der Datenethikkommission (2018–2019) leitete Wendehorst ein unabhängiges Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung zu Fragen der Digitalisierung.[11]

Auszeichnungen

Wendehorst ist gewähltes Mitglied u. a. der ÖAW, der Academia Europaea, des American Law Institute[12] sowie der International Academy of Comparative Law.[13]

Im Jahr 2018 wurde Wendehorst mit dem Kardinal-Innitzer-Würdigungspreis[14] ausgezeichnet. Im Dezember 2024 verlieh ihr die Universität Bern für ihre wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Rechtsvergleichung und der Rechtsvereinheitlichung, wegweisende Arbeiten zu den rechtlichen Herausforderungen der Digitalisierung und für ihr Engagement im Rahmen von transatlantischen Projekten und internationalen Kommissionen die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.[15] 2025 wurde Christiane Wendehorst das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst verliehen.[16] Das Ehrenzeichen ist die höchste Auszeichnung der Republik Österreich auf dem Gebiet der Wissenschaft und/oder Kunst, und die Zahl der Besitzer auf dem Gebiet der Wissenschaft darf die Zahl von 18 österreichischen und 18 ausländischen Staatsbürgern nicht übersteigen.

Privates

Christiane Wendehorst ist mit Stephan Wendehorst verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Wien.

European Law Institute

Zu Wendehorsts wesentlichen beruflichen Leistungen gehört ihr Engagement für den Aufbau des European Law Institute. Sie war bereits ab 2009 intensiv an Vorgesprächen beteiligt. Ab 2010 war Christiane Wendehorst Mitglied im Vorstand der Association for a European Law Institute (ELIA).[17] Später konnten unter anderen auf Bemühen von Christiane Wendehorst die ELIA-Initiative und die Initiative des European University Institute (EUI) zusammengebracht werden. Dank des Engagements von Reinhard Zimmermann, Direktor des Max-Planck-Instituts in Hamburg und Irmgard Griss, damals Präsidentin des Netzwerks der Höchstgerichtspräsidenten, wurden im Hamburg Memorandum[18] und Vienna Memorandum[17] die Grundsteine für die Gründung des European Law Institute (ELI) gelegt. Anfang 2011 wurde das ELI formell in Athen gegründet.[19] Der Gründungskongress fand am 1. Juni 2011 in Paris statt.[20] Bei der europaweiten Ausschreibung für den Standort des Sekretariats konnte sich die Universität Wien in der Schlussrunde gegen das Großherzogtum Luxemburg und das European University Institute (EUI) in Florenz durchsetzen.[21] Wendehorst war Founding Member[22] und hatte von Anfang an wichtige Funktionen inne. Sie war 2 Jahre Schatzmeisterin, danach 4 Jahre Vizepräsidentin und anschließend 4 Jahre Präsidentin.[1] Seit 2021 ist Christiane Wendehorst wissenschaftliche Direktorin.[1]

Forschungsschwerpunkte

Christiane Wendehorsts Forschungsschwerpunkte liegen im klassischen Zivilrecht und im europäischen Privatrecht. Derzeit arbeitet sie vor allem zu den rechtlichen Herausforderungen der Digitalisierung. Als Expertin zu Themen rund um digitale Inhalte, dem Internet der Dinge, künstliche Intelligenz (KI) und Datenwirtschaft ist Wendehorst u. a. für die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, die deutsche Bundesregierung, das ELI und das ALI tätig gewesen. Aktuell arbeitet Wendehorst beispielsweise an Fragen zu agentischer KI[23] und an Reformvorschlägen für das europäische Datenschutzrecht.[24]

Commons: Christiane Wendehorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Lebenslauf Christiane Wendehorst. In: Universität Wien – Institut für Zivilrecht. Universität Wien, Juli 2025, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  2. Christiane Wendehorst: Der Flüchtling im deutschen internationalen Privatrecht. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39764-6.
  3. Habilitation mit 30 - Die Juristen stellen die jüngste Nachwuchswissenschaftlerin. Abgerufen am 16. Juni 2021.
  4. Team. Abgerufen am 1. November 2025.
  5. Christiane Wendehorst. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  6. Christiane Wenderhorst. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
  7. Vorstand - Österreichischer Juristentag. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  8. Christiane Wendehorst neue Vorsitzende des Akademierats. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (deutsch).
  9. Mitglieder der Bioethikkommission - Bundeskanzleramt Österreich. Archiviert vom Original am 11. September 2025; abgerufen am 25. Oktober 2025 (deutsch).
  10. Impfpflicht: Kommission eingerichtet, Bericht bis 8. März. In: news.ORF.at. Abgerufen am 17. Februar 2022.
  11. Mitglieder der Datenethikkommission. Archiviert vom Original am 30. September 2021; abgerufen am 30. September 2021.
  12. Christiane C. Wendehorst | The American Law Institute Media Archive. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  13. Annuaire – AIDC-IACL. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (britisches Englisch).
  14. Univ.-Prof. Dr. Christiane Wendehorst erhielt Kardinal-Innitzer Würdigungspreis. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  15. Ehrungen. 12. Juni 2024, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  16. Personalnachricht 20.10.2025 Dr.in h.c. Dr.in Christiane Wendehorst. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  17. a b Vienna Memorandum. In: European Law Institute. European Law Institute, 3. Dezember 2010, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  18. Hamburg Memorandum. In: European Law Institute. European Law Institute, 15. Juli 2010, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  19. History. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  20. Towards a European legal culture: European Law Institute in Vienna takes up work. In: European Commission – Press Release. European Commission, 17. November 2011, abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  21. Opening of the ELI Secretariat in Vienna with EU Commission Vice-President Viviane Reding. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  22. Founding Members. Abgerufen am 25. Oktober 2025 (englisch).
  23. Christiane Wendehorst, Julia Grinzinger: Wenn Künstliche Intelligenz mit Künstlicher Intelligenz kontrahiert: Vertragsrechtliche Fragestellungen beim Einsatz autonomer Agenten. 1. Auflage. C.H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74897-4.
  24. Simpler, Fairer, More Effective – Feedback of the European Law Institute on the Digital Package / Digital Omnibus 4. In: European Law Institute. European Law Institute, abgerufen am 25. Oktober 2020 (englisch).