Christian Zgoll
Christian Zgoll (* 1969 in Hof (Saale)) ist ein deutscher Philologe (Lateinische, Griechische und Hethitische Philologie) und maßgeblicher Begründer der Hylistik, einer neuen Theorie und Methode der Erzählstoff-Forschung.
Leben
Zgoll studierte ab 1990 an den Universitäten Würzburg und München Philosophie, Latein und katholische Religion (einschließlich Graecum und Hebraicum), gefördert durch ein Stipendium des Cusanuswerks. Das Staatsexamen legte er 1997 in Latein, katholischer Religion und Erziehungswissenschaften an der Universität München mit Auszeichnung ab.
Ab 1998 erforschte Zgoll an der Universität München die Metamorphosen in der lateinischen Dichtung außerhalb von Ovids Metamorphosen als Promotionsprojekt in der Graduiertenförderung des Cusanuswerks. Die Promotion erreichte er 2002 mit der Monographie Phänomenologie der Metamorphose. Verwandlungen und Verwandtes in der augusteischen Dichtung, die mit dem Prädikat summa cum laude ausgezeichnet wurde.
2003 folgte ein DFG-Forschungsprojekt an der Universität Leipzig zur Auswertung griechischer Briefliteratur aus Byzanz, dessen Ergebnisse 2007 in ein Modell zum Wandel von Herrschaftskonzeptionen mündete, die Monographie Heiligkeit – Ehre – Macht. Ein Modell für den Wandel der Herrschaftskonzeption im Spätmittelalter am Beispiel der byzantinischen Kydonesbriefe. Ab 2005 an war Zgoll Lehrbeauftragter und dann wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Philologie und Komparatistik der Universität Leipzig, unter anderem mit Aufgaben in der Gräzistik. Ab 2008 war er geschäftsführender Assistent am Seminar für Klassische Philologie der Universität Göttingen.
Ab 2009 war Zgoll wissenschaftlicher Koordinator beim Forschungs- und Editionsprojekt SAPERE an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Seit 2011 leitet Christian Zgoll die interdisziplinäre Forschungsgruppe zu antiken Mythen Collegium Mythologicum und hat Lehraufträge am Seminar für Klassische Philologie der Universität Göttingen für Griechisch und Latein. Seit 2014 ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Sammlung Tusculum. Gemeinsam mit Annette Zgoll ist er seit 2015 Initiator, Important Investigator und Principal Investigator der von der DFG geförderten Forschergruppe STRATA – Stratifikationsanalysen mythischer Stoffe und Texte in der Antike (FOR 2064). Seit 2016 ist er Mitglied der Abteilung Komparatistik des Seminars für deutsche Philologie der Universität Göttingen.
In diesem Kontext hat Zgoll eine neue Theorie und Methodik der Mythosforschung und allgemeinen und vergleichenden Erzählstoffforschung erarbeitet. Als wichtigstes Grundlagenwerk dazu veröffentlichte er 2019 seine Habilitationsschrift an der Universität Göttingen unter dem Titel Tractatus mythologicus. Theorie und Methodik zur Erforschung von Mythen als Grundlegung einer allgemeinen, transmedialen und komparatistischen Stoffwissenschaft.
Seit der Habilitation und Erteilung der venia legendi in den Fachgebieten Klassische Philologie und Komparatistik 2017 erforscht er weiter die Rekonstruktion und Interpretation von Mythen. Seit 2018 ist Zgoll auch Sponsor des Seminars für Altorientalistik der Universität Göttingen, das er durch regelmäßige Seminare zum Hethitischen unterstützt. 2022 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Christian Zgoll ist seit 1997 mit dem Altorientalistin Annette Zgoll verheiratet (3 Kinder), mit der gemeinsam er die Hylistik etabliert und in verschiedenen Forschungsverbünden erforscht.[1]
Forschung
Christian Zgoll ist seit 2010 Leiter des Göttinger Collegium Mythologicum, eines Think Tank zur Mythosforschung. Er ist einer der Initiatoren und Principal Investigator der DFG-geförderten Mythos-Forschungsgruppe 2064 STRATA, hat 2019 die theoretischen und methodischen Grundlagen der transmedialen Erzählstoffforschung (Hylistik) und der Mythosforschung gelegt durch sein umfassendes Werk Tractatus mythologicus, das schon verschiedentlich von Seiten der Altorientalistik, Digital Humanities, Klassischen Philologie und zeitgenössischen slavischen Literatur rezipiert wurde und dabei wesentliche Ergebnisse zur Rekonstruktion, Stratifikation und Interpretation von Mythen und anderen Erzählstoffen erbracht hat. Auch für die transmediale komparative Forschung hat sich die Hylistik als wesentliche Grundlage erwiesen. Zgoll hat exemplarische, teils komparative hylistische Studien zu mesopotamischen, hethitischen und griechischen Mythen vorgelegt.
Christian Zgolls Beiträge zur Etablierung der hylistischen Mythosforschung wurden 2023 mit dem Peregrinus-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz ausgezeichnet.[2]
Außer der Mythosforschung hat Zgoll auf Basis von griechischen Briefen aus Byzanz eine Monographie zum Wandel von Herrschaftskonzeptionen erarbeitet, verschiedene wegweisende Beiträge zum Verständnis berühmter augusteischer Dichtung (Ovid, Horaz, Tibull) und eine Monographie zu den Metamorphosen außerhalb von Ovids Metamorphosen publiziert. In mehreren Auflagen ist sein Studienbuch zur lateinischen Metrik erschienen.
2025 ist von Zgoll die erste deutsche Edition der sogenannten orphisch-bakchischen Goldplättchen, zusammen mit einer Rekonstruktion der geheimen Weiherituale des Dionysos-Mysterienkults erschienen. Es handelt sich dabei um die aktuellste und vollständigste Edition der Originaltexte.
Schriften (Auswahl)
- Phänomenologie der Metamorphose. Verwandlungen und Verwandtes in der augusteischen Dichtung (= Classica Monacensia. Band 28). Narr, Tübingen 2004, ISBN 3-8233-6025-6 (zugleich Dissertation, München 2002).
- Heiligkeit – Ehre – Macht. Ein Modell für den Wandel der Herrschaftskonzeption im Spätmittelalter am Beispiel der byzantinischen Kydonesbriefe (= Passauer historische Forschungen. Band 16). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2007, ISBN 978-3-412-20032-9.
- Römische Prosodie und Metrik. Ein Studienbuch mit Audiodateien (= WBG – Wissen verbindet). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-23688-6 (2., überarbeitete Auflage, ebenda 2020, ISBN 978-3-534-26918-1; 3., überarbeitete Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2025, ISBN 978-3-7693-5839-1).
- Tractatus mythologicus. Theorie und Methodik zur Erforschung von Mythen als Grundlegung einer allgemeinen, transmedialen und komparatistischen Stoffwissenschaft (= Mythological Studies. Band 1). De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 3-11-054119-X (online; zugleich Habilitationsschrift, Göttingen 2017).
- Mysterientexte. Die orphisch-bakchischen Goldplättchen. Griechisch – deutsch (Sammlung Tusculum). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2025, ISBN 978-3-11-914878-8.
Weblinks
- Seite an der Universität Göttingen
- Schriften bei academia.edu
- Annette Zgoll, Christian Zgoll: Göttinger Mythosforschung. Georg-August-Universität Göttingen.
Einzelnachweise
- ↑ Annette Zgoll, Christian Zgoll: Göttinger Mythosforschung. Georg-August-Universität Göttingen, abgerufen am 5. August 2020.
- ↑ Georg-August-Universität Göttingen: Presseinformation: Auszeichnung in der Altorientalistik und Klassischen Philologie. 17. November 2023, abgerufen am 17. November 2023.