Christa Mannfeld-Hartung


Christa Edda Anna Ilse Charlotte Mannfeld-Hartung (* 13. Dezember 1900 in Gernrode; † 19. April 1979 in Radebeul)[1] war eine deutsche Kinderärztin und die erste Kinderärztin in Radebeul. Von 1945 bis 1978 leitete sie die Abteilung für Kinder der Klinik in Radebeul. Sie wurde 2019 mit einem Frauenort geehrt.

Leben

Christa Hartung wurde am 13. Dezember 1900 in Gernrode am Harz geboren. Ihr Vater war der Pfarrer Johannes Hartung und ihre Mutter Gustava Schmidt. Sie hatte fünf Geschwister und war das älteste Kind der Familie. Sie zog zu ihrer Tante Clara Schmidt in die Residenzstadt Oldenburg und dort kam sie mit Kunst und Musik in Kontakt und entdeckte das Lernen für sich. Sie legte im März 1920 das Abitur an der Cäcilienschule ab. Ihr Wunsch war es, Medizin zu studieren, doch ihr Vater gab ihr dazu nicht die Zustimmung. Erst nachdem er glücklich von einer schweren Verletzung genesen war, gestattete er ihr das Medizinstudium.[2]

Christa Hartung studierte von 1921 bis 1926 an den Universitäten Halle und Leipzig. Thema ihrer Dissertation war „Eczema vaccinatum“, eine schwere Nebenwirkung der Pockenimpfung.[3] Nach Erhalt ihrer Approbation 1927 arbeitete sie zunächst als Dr. med. an der Universitätsklinik Leipzig. Ihre Facharztausbildung begann sie 1930 und arbeitete als Assistenzärztin an der Kinderklinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt. Nachdem das Krankenhaus 1932 aus Kostengründen geschlossen worden war, eröffnete sie 1932 in Oberlößnitz[2] in der damaligen Sophienstraße (heute: Eduard-Bilz-Straße) ihre eigene Arztpraxis.[4] Sie verlegte zum 1. Juli 1933 die Praxis in die Gellertstraße nach Radebeul und wurde Radebeuls erste Kinderärztin.[4] Dort sollte die Praxis 45 Jahre lang bleiben. Sie war die einzige Kinderärztin von Radebeul und so waren fast alle Kinder der Stadt ihre kleinen Patientinnen und Patienten.[2] Christa Hartung machte den Führerschein und kaufte sich einen Opel P4, mit dem sie in die umliegenden Gemeinden zu Hausbesuchen fuhr.[5] Dies war in den 1930er Jahren ein ungewöhnlicher Anblick.[4] Doch Christa Hartung besaß ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und wusste auch, sich in einer Männerdomäne zu behaupten.[2]

Am 16. Juli 1938 heiratete Christa Hartung den Diplom-Optiker Erich Mannfeld (1906–1945). In den folgenden Jahren wurden ihre beiden Töchter Aenna und Maria geboren. Erich Mannfeld erhielt einige Zeit nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs seinen Einberufungsbefehl, er kam im Januar 1945 noch einmal auf Fronturlaub nach Hause, doch er fiel 1945 kurz vor dem Ende des Krieges im Alter von 38 Jahren[6] bei Siebenlehn bei einem Tieffliegerangriff.[4]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs heilte, versorgte und pflegte Christa Mannfeld-Hartung weiterhin viele Kinder. Diese litten nicht selten an Unter- oder Fehlernährung. Deshalb führte sie eine Mütterberatung ein und hielt Vorträge zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern. Im September 1945 wurde im Krankenhaus Radebeul eine Kinderabteilung mit 30 Betten eingerichtet, deren Leitung Christa Mannfeld-Hartung selber übernahm. Auch betreute sie die Kinder in den Schulen und Kindergärten und erledigte diese Arbeiten zusätzlich zur Arbeit in ihrer privaten Kinderarztpraxis. Um dieses Arbeitspensum als Alleinerziehende schaffen zu können, war sie auf die Unterstützung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. In ihrer spärlichen Freizeit besuchte sie gerne Konzerte und Kunstausstellungen.[2]

Ihre Privatpraxis wurde im Oktober 1966 in eine Kinderabteilung der Poliklinik Radebeul umgewandelt. Christa Mannfeld-Hartung übernahm die Leitung der Kinderabteilung, bis sie im Mai 1978 im Alter von 78 Jahren in den Ruhestand ging.[2]

Christa Mannfeld-Hartung starb am 19. April 1979.

Ehrungen

In Radebeul wurde Christa Mannfeld-Hartung am 30. September 2019 mit einem Frauenort geehrt.[2][7][8] Die Tafel wurde feierlich eingeweiht und befindet sich frei zugänglich an der ehemaligen Praxis von Christa Mannfeld-Hartung in der Gellertstraße 15 in Radebeul.[5][9]

Ihre Biografie ist Teil einer 2022 konzipierten Wanderausstellung, die seit 2023 gezeigt wird.[10]

Literatur

  • Kathrin Wallrabe (Hrsg.): Frauenzimmer – Frauen im Zimmer? Radebeul 2005, verlegt von der Stadt Radebeul/Gleichstellungsstelle, 98 Seiten.[11]

Einzelnachweise

  1. Dr. med. Christa Mannfeld-Hartung, trauer-anzeigen.de, 20. April 2019
  2. a b c d e f g Dr. med. christa mannfeld-hartung. In: frauenorte-sachsen.de. frauenorte sachsen, abgerufen am 7. Dezember 2025 (deutsch).
  3. Christa Hartung: Eczema vaccinatum. Hochschulschrift Leipzig, Medizinische Dissertation, Zeulenroda in Thüringen 1927
  4. a b c d Nina Schirmer: Radebeul: Radebeuls erste Kinderärztin. Vier Jahrzehnte versorgte Dr. Christa Mannfeld-Hartung die jüngsten Patienten der Stadt. In: saechsische.de. 24. September 2019, abgerufen am 12. Dezember 2025: „Die Ärztin hinterm Steuer war ein Anblick mit Seltenheitswert. Damals, in den 1930er Jahren, rollten ohnehin nur sehr wenige Autos durch Radebeul. Wenn dann noch eine Frau das Fahrzeug lenkte, zog das alle Blicke auf sich. Kein Wunder, dass Christa Mannfeld-Hartung, die mit ihrem Auto zu Hausbesuchen fuhr, schnell stadtbekannt war. … Als dieses 1932 aus Ersparnisgründen geschlossen wird, eröffnet die junge Ärztin 1932 in Oberlößnitz in der damaligen Sophienstraße, heute Eduard-Bilz-Straße, ihre eigene Praxis. Der Mann wird als Soldat nur wenige Wochen vor Kriegsende bei einem Tieffliegerangriff bei Siebenlehn getötet.“
  5. a b Ein Frauenort in Radebeul. In: vorschau-rueckblick.de. Vorschau & Rückblick, 1. Dezember 2019, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  6. Kathrin Wallrabe: Frauenzimmer – Frauen im Zimmer, Amtsblatt der Stadt Radebeul 03/2006, S. 1 (PDF), abgerufen am 7. Dezember 2025
  7. Tafeleinweihung Dr. med. Christa Mannfeld-Hartung, landesfrauenrat-sachsen.de, 30. September 2019
  8. Romy Leithold, Stadtarchiv: Dr. med. Christa Mannfeld-Hartung: Projekt »frauenorte sachsen« ehrt engagierte Radebeuler Kinderärztin Amtsblatt der Stadt Radebeul Oktober 2019, 1. Oktober 2019, S. 5 (PDF), abgerufen am 10. Dezember 2025
  9. Tafeleinweihung Dr. med. Christa Mannfeld-Hartung. In: Landesfrauenrat Sachsen. Abgerufen am 10.Dezember 2025
  10. Wanderausstellung. In: frauenorte-sachsen.de. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).
  11. Kathrin Wallrabe: Frauenzimmer -Frauen im Zimmer. Hrsg.: Radebeuler Amtsblatt. Radebeul 1. März 2006, S. 1 (radebeul.de [PDF]).