Chris Ishii
Kishio Christopher (Chris) Ishii (* 11. August 1919 in Fresno, Kalifornien; † 6. November 2001 in Dobbs Ferry, New York) war ein US-amerikanischer Maler, Animator und Illustrator japanischer Abstammung.[1][2]
Leben
Kishio Ishii wurde als viertes von sechs Kindern der Landwirte Koshiro und Naka Ishii geboren. Kurz nach seiner Geburt reiste die Familie nach Toyotamura in der japanischen Präfektur Kagawa, kehrte jedoch im Sommer 1920 in die Vereinigten Staaten zurück. Nach dem Abschluss der Caruthers Union High School im Fresno County studierte er an der Chouinard Art School in Los Angeles. Er spezialisierte sich dort auf Aquarellmalerei und Gebrauchsgrafik und war Schüler von Phil Paradise, Gyo Fujikawa, Carl Beetz und Ed Northridge.[1] Nach seinem Abschluss wurde er von den Walt Disney Studios angestellt und arbeitete an mehreren Zeichentrickfilmen wie Fantasia, The Reluctant Dragon und Dumbo sowie an Kurzfilmen mit Donald Duck und Micky Maus mit.[2] Im Mai 1941 nahm er am Streik der Disney-Mitarbeiter teil, der zur gewerkschaftlichen Organisation der Angestellten führte. Nach dem Erlass der Executive Order 9066 im April 1942 wurde er interniert und in das Santa Anita Assembly Center gebracht.[1] Dort arbeitete er als Zeichner für das Lagerblatt The Pacemaker und schuf die Comicfigur „Li’l Neebo“ (Little Nisei Boy), die das Leben eines japanisch-amerikanischen Jungen im Internierungslager thematisierte.[3] Zudem unterrichtete er Kunst. Zu seinen Schülern zählte die spätere Künstlerin Ruth Asawa. Nach der Schließung des Santa Anita Centers im September 1942 wurde Ishii in das Internierungslager Amache in Colorado überführt. Dort wurde die Comicserie „Li’l Neebo“ in der Lagerzeitung Granada Pioneer fortgesetzt. Die Figur wurde sehr populär und diente auch als Vorlage für Puppenspiele. Nach Ishii übernahmen Tom Okamoto und Jack Ito die Fortführung der Serie. In Amache gab Ishii zudem Kunstkurse für Erwachsene. Im Herbst 1942 meldete er sich freiwillig zum Dienst im Military Intelligence Service der US-Armee. Von 1943 bis 1946 arbeitete er als Künstler für das Office of War Information und die Psychological Warfare Unit in Indien, Burma und China, wo er Propagandaplakate illustrierte. Während dieser Zeit lernte er in Shanghai seine spätere Ehefrau Ada Suffiad kennen, mit der er nach Kriegsende in die USA zurückkehrte.[1]
Zwischen 1946 und 1949 lebte das Ehepaar in Los Angeles. Chris Ishii arbeitete erneut bei Walt Disney, gründete später ein eigenes Werbeatelier und engagierte sich politisch in der Bewegung Nisei for Wallace (auch Nisei Progressives). Für deren Publikationen The Independent und The Vanguard fertigte er Layouts, Illustrationen und politische Karikaturen an. Er berichtete zudem für The Independent über den Prozess gegen Iva Toguri („Tokyo Rose“) und wurde in diesem Zusammenhang vom FBI überprüft. 1949 zog Ishii nach New York, wo er zunächst für das Animationsstudio Tempo Productions tätig war und später als freier Animator arbeitete. Er illustrierte unter anderem Titelblätter für das Magazin The Reporter. 1951 zog er mit seiner Familie nach Paris, um mit Unterstützung des G. I. Bill an der Académie Julian bei Fernand Léger zu studieren.[2] Nach der Geburt eines zweiten Kindes kehrte die Familie 1952 nach New York zurück.[1]
1965 gründete Chris Ishii mit zwei Partnern die Firma Focus Productions, bei der er als Regisseur für Spielfilm und Animation tätig war. Zwischen 1975 und 1985 arbeitete er als freischaffender Künstler und entwarf zahlreiche Werbespots, Industriefilme, Lehrfilme sowie Sequenzen für Spielfilme. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen Beiträge zu James Thurbers A Unicorn in the Garden, Ludwig Bemelmans’ Madeline und Woody Allens Annie Hall (Animationssequenz „Snow White“).[2] Chris Ishii starb am 6. November 2001 in Dobbs Ferry, New York.[1]
Literatur
- Gordon H. Chang, Mark Dean Johnson, Paul J. Karlstrom (Hrsg.): Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, Stanford, 2008.
- George Wakiji: An Uncommon Man—Not Typically Nisei, in: Rafu Shimpo, 19. Dezember 1964.
Weblinks
- Densho Encyclopedia: Chris Ishii
- IMDb: Chris K. Ishii (1919-2001)
- Archives of American Art, Smithsonian Institution
- Images and imaginings of internment: comics and illustrations of camp
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Chris Ishii | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 12. August 2025; abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Chris K. Ishii papers, [ca. 1940] - 1999 | Archives of American Art, Smithsonian Institution. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
- ↑ Chris Ishii. Abgerufen am 11. November 2025 (englisch).