Chilenischer Hammerstrauch
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Chilenischer Hammerstrauch (Cestrum parqui) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cestrum parqui | ||||||||||||
| L’Hér. |
Der Chilenische Hammerstrauch (Cestrum parqui) Pflanzenart aus der Gattung der Hammersträucher (Cestrum) innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Sie ist in der Neotropis verbreitet.
ist eine Pflanzenart aus der Gattung Benthamiella
Beschreibung
Alle Pflanzenteile gelten als giftig.
Vegetative Merkmale
Der Chilenische Hammerstrauch bildet halbimmergrüne Sträucher, die Wuchshöhen von 2 bis 3 Meter oder mehr erreichen. Die Zweige und Laubblätter riechen unangenehm, wenn sie zerstossen werden.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist relativ kurz. Die einfache, kahle Blattspreite ist schmal und ganzrandig und eiförmig bis -lanzettlich oder verkehrt-eiförmig, -eilanzettlich mit spitzem bis zugespitztem oberen Ende.
Generative Merkmale
Die in der Nacht angenehm und am Tag unangenehm duftenden, sehr kurz gestielten oder fast sitzenden Blüten befinden sich in end- oder achselständigen rispigen Blütenständen oder Büscheln an den Zweigenden.
Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der kurze Kelch ist röhrig mit kleinen Zähnchen. Die bis 2,5 Zentimeter lange, gelbe bis grünlich-gelbe Krone ist trompetenförmig mit kleinen Zipfel. Die Staubblätter oben in der Kronröhre und der Griffel mit kopfiger Narbe sind eingeschlossen. Der zweikammerige Fruchtknoten ist oberständig und es ist ein Diskus vorhanden.
Die anfängliche grünen, im reifen Zustand schwarzen und glatten Beerenfrüchte sind bei einer Länge von 1 bis 1,5 Zentimetern relativ klein und eiförmig bis rundlich mit beständigem Kelch und enthalten ein oder zwei Samen. Die braunen Samen sind 3 bis 4 Millimeter groß, knochig und fein texturiert.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]
Vorkommen
Der Chilenische Hammerstrauch ist in Südamerika ursprünglich in Bolivien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Argentinien und Chile verbreitet.[2] Die ursprünglich aus den tropischen Teilen Amerikas stammenden Pflanzen wurden als Zierpflanzen weltweit exportiert. In vielen Gegenden sind sie mittlerweile zu einem hartnäckigen „Unkraut“ geworden.
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1785 als Varietät Cestrum jamaicense var. parqui durch Jean-Baptiste de Lamarck in Encyclopédie méthodique. Botanique, Band 1, Teil 2, Seite 687–688. Sie wurde 1788 durch Charles Louis L’Héritier de Brutelle in Stirpes Novae aut Minus Cognitae, Band 4, Seite 73, Tafel 36 als Art Cestrum parqui (Lam.) L'Hér. eingestuft. Parqui ist der Name dieser Pflanzenart in Chile.
Nutzung
Wirkstoffe
Cestrum-Arten, somit auch der Chilenische Hammerstrauch, enthalten Carboxyparquin, ein Terpen als Gift. Der Stoff ist der deutlich giftigere der beiden Kaurenglykoside und lässt sich aus den getrockneten Laubblättern des Chilenischen Hammerstrauch isolieren. Strukturell ist es eng mit dem Atractylosid verwandt. Neben den beiden Parquinen sind ebenfalls Saponine enthalten.
Verwendung
Der Chilenische Hammerstrauch wurde bereits vor dem 16. Jahrhundert als berauschendes und anregendes Mittel geraucht. Teilweise fand der Chilenische Hammerstrauch Anwendung in der traditionellen Medizin.
Symptomatik
Bei Rindern tritt vermehrter Speichelfluss auf, sowie tränende Augen und Koliken, ein gekrümmter Rücken, allgemeine Schwäche, ein schwankender Gang und Bauchschmerzen. Des Weiteren kommt es zu Leberläsionen. Beim Menschen führt eine Vergiftung zu heftigem Erbrechen, Bauch- und Kopfschmerzen, Krämpfen. Nach einer raschen Verschlechterung des Gesundheitszustandes tritt nach dem Koma der Tod ein.
Pharmakologie
Die Wirkstoffe des Chilenischen Hammerstrauchs sind Zellgifte und als psychoaktiv eingestuft mit einer Giftigkeit von Ib-II. Die für Säugetiere giftigen Stoffe Atracylosid und Carboxyparquin führen zu ähnlichen Symptomen wie eine Vergiftung mit Strychnin. Angeblich ist es durch den Chilenischen Hammerstrauch bereits zu Todesfällen bei Viehbeständen gekommen. Die Toxine werden in getrocknetem Pflanzenmaterial nicht abgebaut. Wird Schnittmaterial, beispielsweise von Hecken, für die Fütterung von Tieren verwendet, kann es zu Vergiftungen kommen. Die Früchte der Pflanze sind dabei zehnmal giftiger als andere oberirdische Pflanzenteile. Der Tod tritt in der Regel innerhalb weniger Stunden ein. 200 g getrocknete Blätter sind für Rinder tödlich, für Ziegen bereits 15 g. Die LD50 für Mäuse liegt bei 4,3 mg/kg Carboxyparquin.
Erste Hilfe und klinische Therapie
Als Sofortmaßnahme erfolgt die Gabe von Aktivkohle und Natriumsulfat. In der Klinik erfolgt in der Regel eine Magenspülung sowie ebenfalls die Applikation von Aktivkohle und Natriumsulfat und eine Azidosetherapie mit Natriumcarbonat, gegebenenfalls auch eine Intubation und Sauerstoffbehandlung.
Literatur
- Michael Wink, Ben-Erik van Wyk, Coralie Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008, ISBN 3-8047-2425-6.
- Ross McKenzie: Australia's Poisonous Plants, Fungi and Cyanobacteria. CSIRO, 2012, ISBN 978-0-643-09267-9, S. 549 ff.
Weblinks
- Cestrum parqui bei Useful Tropical Plants.
- Cestrum parqui bei Flock and Herd.
- Cestrum parqui bei Chile Flora.
- Cestrum parqui bei Weeds of Australia.
- Illustrations of Cestrum parqui bei Flora Iberica (Illustration).
Einzelnachweise
- ↑ Cestrum parqui bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
- ↑ Cestrum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 28. November 2017.