Chicago Imagists
Die Chicago Imagists waren keine formelle Institution, sondern eine lose Bezeichnung für eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich in den 1960er- und 1970er-Jahren in Chicago zusammenfand. Sie fielen durch eine charakteristische Mischung aus knalligen Farben, grotesker Figuration, Bezügen zur Comic- und Popkultur sowie einer eigenständigen, oft provokativen Bildsprache auf.[1]
Geschichte
Der Begriff Chicago Imagists fasst mehrere eng verwandte Gruppierungen und Milieus zusammen, die am School of the Art Institute of Chicago sowie rund um das Hyde Park Art Center wirkten. Wichtige Teilgruppen sind das als Hairy Who? bekannte Sextett (erste Ausstellungen 1966–1969, kuratiert/organisiert u. a. von Don Baum) und das lose zusammenhängende Phänomen, das manchmal mit dem Begriff Monster Roster beschrieben wird und zeitlich vorher sowie parallel dazu existierte. Während die Hairy-Who?-Shows in den späten 1960er Jahren die lokale Szene sichtbar machten und später in größeren Häusern rezipiert wurden, bezieht sich der weitere Imagisten Zusammenhang auf eine breitere Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern der 1960er/70er Jahre, darunter Roger Brown, Ed Paschke und Christina Ramberg.[1]
Stil und Themen
Die Chicago Imagists arbeiteten vorwiegend figurativ und kombinierten Elemente des Surrealismus, der Comic-Ästhetik, der Popkultur sowie der lokalen grotesken Tradition. Ihre Bilder zeichnen sich durch intensive, oft neonartige Farben, dichte Muster und verzerrte Körperformen aus. Hinzu kommt eine Vorliebe für bizarr-humoristische oder sexuell aufgeladene Motive. Im Gegensatz zur zeitgleich in New York dominierenden abstrakten Malerei betonten die Imagists die Narration, konkrete Bildgegenstände sowie eine handwerklich präzise und detailreiche Mal- und Drucktechnik.[1]
Gruppen und Persönlichkeiten
Hairy Who?
Die Gruppe bestand aus Jim Falconer (auch Jim bzw. James Falconer), Art Green, Gladys Nilsson, Jim Nutt, Suellen Rocca und Karl Wirsum. Ihre sechs Ausstellungen (meist im Hyde Park Art Center zwischen 1966 und 1969) gelten als prägendes Ereignis. Der von Sammlern und Museen wieder aufgegriffene Komplex wurde 2018/2019 u. a. im Art Institute of Chicago neu beleuchtet.[2]
Monster Roster
Der Ausdruck Monster Roster bezeichnet eine ältere Generation (post-WWII) von Künstlern aus Chicago mit existenzialistisch geprägter, figurativer Bildsprache (Leon Golub, Seymour Rosofsky u. a.). Sie werden als Vorläufer und lokaler Einfluss der späteren Chicago Imagists betrachtet. Zu den mit den Chicago Imagists assoziierten Einzelkünstlern zählen außerdem Roger Brown, Ed Paschke, Barbara Rossi, Christina Ramberg und Ray Yoshida. In verschiedenen Ausstellungen und Publikationen werden sie als Teil dieses Phänomens aufgeführt.[3]
Rezeption und Ausstellungen
Die Arbeiten der Chicago Imagists wurden lange Zeit als regionales Phänomen abgetan. Seit den 1990er Jahren und insbesondere seit den 2010er Jahren erhalten sie jedoch verstärkte museale Aufmerksamkeit. Wichtige institutionelle Würdigungen umfassen retrospektive Ausstellungen und Katalogpublikationen wie die Schau Hairy Who? und den dazugehörigen Katalog des Art Institute of Chicago (2018–2019) sowie Überblickspublikationen und Ausstellungen in Großbritannien und im Mittleren Westen. Durch diese Neubewertung wurde die Bedeutung der Imagists als eigenständiger Beitrag zur amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts hervorgehoben.
Museen mit bedeutenden Beständen oder Sammlungen von Arbeiten der Chicago Imagists sind unter anderem das Art Institute of Chicago, das Museum of Contemporary Art Chicago und diverse Universitätsmuseen sowie Sammlungen im Mittleren Westen. Besondere, oft zitierte Werke stammen von Mitgliedern und assoziierten Künstlern wie Jim Nutt, Gladys Nilsson, Roger Brown und Ed Paschke.[4]
Literatur
- Hairy Who? 1966–1969. Herausgegeben vom Art Institute of Chicago, Katalog zur Ausstellung (2018–2019).
- Chicago Imagists. 1960s–1970s. Herausgeber/Autorinnen Rosie Cooper, Sarah McCrory, Lynne Warren, Hayward Gallery Publishing (Katalog/Begleitband zur Retrospektive).
Weblinks
- Britannica
- Hairy Who?
- “Harry Who? Who Is This Guy?”
- Monster Roster: Existentialist Art In Postwar Chicago
- The Chicago Imagists
- Hairy Who? 1966–1969 at Art Institute of Chicago
Einzelnachweise
- ↑ a b c Hairy Who? 1966–1969. 26. September 2018, abgerufen am 7. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Communications Staff: “Harry Who? Who Is This Guy?” 26. September 2018 (artic.edu [abgerufen am 7. Januar 2026]).
- ↑ Monster Roster: Existentialist Art in Postwar Chicago | Smart Museum of Art. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Communications Staff: “Harry Who? Who Is This Guy?” 26. September 2018 (artic.edu [abgerufen am 7. Januar 2026]).