Chemische Fabrik Siegel & Co.
| Sidol-Werke (Chemische Werke Siegel & Co.) | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 20. Januar 1903 |
| Auflösung | 1971 |
| Auflösungsgrund | Übernahme durch Henkel |
| Sitz | Köln-Braunsfeld, Deutschland |
| Leitung | Franz Benno Wolff-Limper |
| Mitarbeiterzahl | 4000 (1960) |
| Branche | Konsumgüter |
Die Sidol-Werke, offiziell Chemische Werke Siegel & Co., waren ein Kölner Unternehmen für Reinigungsmittel. Es wurde 1903 gegründet und entwickelte sich bis in die 1960er Jahre zu einem der größten Produzenten für Reinigungsmittel in Deutschland mit mehreren tausend Beschäftigten. Hauptsitz und Produktionsanlagen befanden sich seit 1911 im Kölner Stadtteil Braunsfeld. Das bekannteste Produkt war das Metallputzmittel Sidol, das später zum Namensgeber des Unternehmens wurde.
Geschichte
Gründung und frühe Jahre
Die Firma wurde am 20. Januar 1903 von den Kaufleuten Eugen Wolff (1878–1937) und Oskar Siegel (1875–1938) als Fabrik für chemisch-technische Präparate Siegel & Co. in der Kölner Neustadt gegründet.[1] Erste Betriebsräume befanden sich in der Eifelstraße. 1910 erfolgte ein Umzug nach Köln-Nippes und bereits 1911 auf ein großes Gelände mit Gleisanschluss an der Eupener Straße in Köln-Braunsfeld.[2][3]
Das erste Produkt war das Metallputzmittel Sidol (1903), gefolgt 1920 vom Scheuerpulver Sitrax. Die Marke Sidol etablierte sich schnell am Markt und gab später dem gesamten Unternehmen seinen Namen.[2][1]
Aufstieg in der Zwischenkriegszeit
In den 1920er Jahren expandierte das Unternehmen trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit und erreichte eine führende Marktstellung für Reinigungsprodukte. Die stetige Modernisierung der Produktion führte 1926–1928 zum Neubau einer modernen Industrieanlage nach Plänen des Architekten Otto Müller-Jena (1875–1958). Die im Bauhaus-Stil errichteten Fabrikgebäude gelten als bedeutendes Beispiel der klassischen Moderne im Rheinland.[2][3]
Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau
Während der Luftangriffe 1943 wurden Teile der Fabrik zerstört, insbesondere die Verwaltung und die Wachsschmelze. Der Sohn des Mitgründers, Franz Benno Wolff-Limper, übernahm 1937 die Leitung und organisierte nach Kriegsende den Wiederaufbau. Ab 1946 führte der Architekt Valentin Pollack (1900–1994) die Wiederaufbauarbeiten durch. Bis 1951 war die Produktion vollständig wiederhergestellt.[2][3] Bis in die 1960er Jahre beschäftigten die Sidol-Werke mehr als 4000 Mitarbeiter und exportierten ihre Produkte weltweit.[2] Der Standort umfasste über 100.000 Quadratmeter und dutzende Produktionsgebäude.
Fusion und Übernahme
1969 fusionierte das Unternehmen mit den Düsseldorfer Thompson-Werken zur Thompson-Siegel GmbH. Bereits 1971 übernahm die Düsseldorfer Henkel & Cie. GmbH das Unternehmen. In den 1980er Jahren verlagerte Henkel die Produktion vollständig nach Düsseldorf-Holthausen. Die Fabrikation in Köln-Braunsfeld wurde eingestellt.[1][3]
Architektur
Die Neubauten von 1926 bis 1928 stellten ein Ensemble aus Eisenbeton dar, das sich durch funktionalistische Gestaltung und große Flexibilität für Fließbandarbeit auszeichnete. Charakteristisch waren das winkelförmige Fabrikationsgebäude, ein markanter Wasserturm sowie weitere technische Bauten. Die glatten weißen Putzfassaden mit Stahlfenstern im Raster betonen die Nähe zur Bauhaus-Architektur.[3] Der Wasserturm diente als Hochreservoir zur Sicherstellung des Kühlwasserdrucks für die Produktion. Er wurde zum Wahrzeichen des Unternehmens.
Nach Kriegszerstörungen ergänzte Pollack in den 1950er Jahren die Anlage um Verwaltungsgebäude im Stil der Nachkriegsmoderne sowie runde Pförtnerhäuser.[3] Seit dem 20. Januar 1998 ist das Ensemble „Fabrik und Bürohäuser (Sidol-Werke Siegel & Co.)“ als Baudenkmal der Stadt Köln eingetragen.[2]
Heutige Nutzung
Nach der Stilllegung erfuhren die Gebäude verschiedene Zwischennutzungen, darunter ein Zirkuscafé (Bel Air), Künstlerateliers sowie kleine Gewerbebetriebe.[3] Von 1991 bis 1999 wurde im Wasserturm die Autoren Galerie Kostka betrieben, ein Ausstellungsprojekt des Künstlers und Architekten Norbert Kostka. Der ehemalige Wasserbehälter wurde zuvor zu einem Ausstellungsraum umgebaut und bot Platz für raumgreifende Bild-, Klang- und Lichtinstallationen. Das Projekt wurde mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet, musste jedoch 2000 wegen Abrissplänen beendet werden.
Seit den 2000er Jahren wurde das Gelände schrittweise neu genutzt. Ein Bebauungsplan von 2009 sieht eine Mischung aus Wohn- und Gewerbenutzung vor. Rund 400 Wohneinheiten entstanden in Verbindung mit der Integration denkmalgeschützter Bauten, darunter der Wasserturm.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Geschichte – Sidol-Profi Kaufen Sie bestes Putzmittel und Poliermittel für alle Metalle! Abgerufen am 26. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c d e f g Rheinische Industriekultur. Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Objektführer - Rheinische Industriekultur. Abgerufen am 26. September 2025.