Chartreuse de Glandier

Chartreuse de Glandier (lateinisch Locus beatae Mariae de Glandiero) ist ein ehemaliges Kartäuserkloster im heutigen Département Corrèze (Region Nouvelle‑Aquitaine) in Frankreich, auf dem Gebiet der Gemeinde Beyssac. Es ist das einzige Kartäuserkloster des ehemaligen Limousin, das heute weitgehend erhalten ist.

Historisch gesehen war Glandier eine der beiden Niederlassungen des Kartäuserordens, die in der ehemaligen Region Limousin errichtet wurden. Nach dem Abriss der Kartause von Mortemart, die sich früher in Haute-Vienne befand und im 15. Jahrhundert verschwand, ist es die einzig erhaltene.

Historisch bestand der Konvent in zwei Hauptphasen: von der Gründung 1219 bis zur Französischen Revolution (1791) und von der Restaurierung im 19. Jahrhundert bis zur endgültigen Auflösung 1901. Nach der Auflösung wurde das Gelände verschiedentlich als Sanatorium und Zentrum für psychisch behinderte Menschen genutzt.

Toponymie / Name

Der lateinische Name Locus beatae Mariae de Glandiero bedeutet „Ort der seligen Maria von Glandier“. Der Name „Glandier“ bezieht sich auf einen Eichenwald oder ein Eichelmastgebiet (glandée) – ein häufiger Ortsname im Limousin.[1]

Geschichte

Erste Kartäuserbesiedlung (1219–1791)

Gründung

Nach Überlieferung wurde das Kloster 1219 von Archambault VI., Vicomte de Comborn, gestiftet (durch Schenkung von Schloss und Land Glandier). Die Stiftung soll im Zusammenhang mit einem Gelübde gestanden haben, möglicherweise zur Sühne einer Schuld gegenüber der Kirche. Offiziell wurde der Gründungsakt auf den 10. November 1219 datiert („Vigil der Saint-Martin“) in der neunten Amtsjahr des Papstes Gregor IX. und zur Zeit von König Philipp II. August. Die Kartäuser ließen sich Anfang in einem Schloss nieder, dass dort bereits bestand.

Ausbau und Entwicklung

Der Ort wurde bewusst abgelegen gewählt, in einem Tal, um Einsamkeit und Rückzug zu gewährleisten, wie es für Kartäuser üblich war. Das Kloster wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, hauptsächlich während der Herrschaft Ludwigs IX. Der Plan entsprach dem anderer Kartäuserklöster mit der Klosterkirche in der Mitte und gegenüber ihrer Apsis einem großen Kreuzgang, der damals zwölf Zellen verband. Dies ist das „Obere Haus ( Domis Superior ), in dem die Patres leben“. Das „Untere Haus ( Domus Inferior )“, auch Correrie genannt, in dem die Laienbrüder leben, wurde an der Stelle errichtet, die als alte Scheune bekannt ist und etwa zwei Kilometer nördlich von Glandier liegt. Mit der Übergabe dieses Lehens an die Kartäuser gewährte Archambault VI. ihnen auch „volles Recht auf Rechtsprechung über ihre Ländereien“.

Im Mittelalter erhielt das Kloster zahlreiche Schenkungen, darunter von Durand d’Orlhac, zwischen 1240 und 1245 Bischof von Limoges, der 6000 Sous zur Kirchenerrichtung beisteuerte.

Im Jahr 1339 zählte Glandier eine Gemeinschaft von fünfzehn Patres. Im Jahr 1346 wurde der ehemalige Prior, Jean Birelle, ein Professpater, der innerhalb des Ordens für seine große Frömmigkeit bekannt war, Prior der Grande Chartreuse, das heißt Generalminister des Ordens. Er lehnte die päpstliche Tiara zugunsten von Étienne Aubert, dem späteren Innozenz VI., ab.[2]

Während seiner Geschichte wurde Glandier mehrfach beschädigt, geplündert oder verlassen – u. a. im Hundertjährigen Krieg, in den Religionskriegen und durch Pestepidemien. Die erste begann 1349. 1408 wurde die Kartause durch die Engländer geplündert.

Seit Beginn der Reformation war Limousin von Unruhen heimgesucht, da sich der Protestantismus in der Region rasch ausbreitete. Am 11. Februar 1547 wurde die Kartause von Glandier zum ersten Mal von calvinistischen Truppen geplündert.

Im Jahr 1554 wurde Dom Pierre Sarde, ehemaliger Prior von Glandier, zweihundert Jahre nach Jean Birelle zum Prior der Grande Chartreuse und Generalminister des Ordens ernannt.

Im Jahr 1560 konvertierte Jeanne d’Albret, Vizegräfin von Limoges und Mutter des späteren Königs Heinrich IV., zum Protestantismus. Im Jahr 1563 wandte sich Uzerche, eine etwa zwanzig Kilometer von Glandier entfernte Stadt, den Protestanten zu. Am 2. Februar 1569 verließen die Kartäuser aus Angst vor weiteren Missbräuchen ihr Kloster und suchten Zuflucht im Château de Pompadour.

Am 13. März 1569 führte die Schlacht von Jarnac im benachbarten Angoumois zur Niederlage der Protestanten und zum Tod ihres Anführers, Prinz Ludwig I. von Bourbon-Condé. Die Kartäuser beschlossen daraufhin, in ihr Kloster zurückzukehren. Als Wolfgang von Bayern, Herzog von Deux-Ponts, im Juni 1569 mit seiner Söldnerarmee im Sold der Protestanten in das Limousin einmarschierte, waren die Kartäuser erneut gezwungen, im Château de Pompadour Zuflucht zu suchen. Die Stadt und ihr Schloss wurden schwer belagert, leisteten dem Eindringling jedoch Widerstand, der seine Plünderungen im Umland fortsetzte. Die Armee des Herzogs von Anjou, des späteren Heinrich III., traf ihrerseits ein, um die Protestanten aus dem Limousin zu vertreiben, und plünderte ihrerseits das Umland. Wieder einmal erlitten die Mönche von Glandier zahlreiche Verluste an Ernte und Vieh. Am Ende dieses schrecklichen Jahres, nach der Schlacht von Moncontour, zogen sich die Armeen beider Seiten endgültig aus dem Limousin zurück und die Kartäuser kehrten in ihr Kloster zurück, das zwar noch stand, dessen Ernten jedoch geplündert und dessen Weinberg verwüstet worden waren.

1575 kehrten die protestantischen Armeen zurück und die Kartäuserpatres waren erneut gezwungen, im Schloss Pompadour Zuflucht zu suchen. Dann legte sich der Sturm erneut und die Kartäuser fanden Glandier wieder, das erneut geplündert worden war. 1580 wurde Jean de Soudais, ursprünglich aus der Chartreuse von Paris, zum Prior von Glandier ernannt.

Letzte Jahre vor der Revolution

Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte Glandier eine Phase der Konsolidierung und Erneuerungen. Während der Französischen Revolution, am 2. November 1789 ordnet ein Dekret die Beschlagnahmung des Eigentums des Klerus an. Am 18. November beschloss die Nation, eine Bestandsaufnahme des beweglichen und unbeweglichen Eigentums von Kirchen und Klöstern durchzuführen.

Im Jahr 1790 brachen Unruhen im Département Corrèze aus, das im selben Jahr gegründet worden war. Das Schloss Pompadour wurde von bewaffneten Bauern aus der Umgebung angegriffen und Kirchen (Chanteix, Voutezac, Allassac ) wurden geplündert oder beschädigt. Am 28. Januar 1790 versammelte sich eine unbewaffnete Menge am Eingang des Klosters, um die Entfernung der herrschaftlichen Bänke zu fordern, die seit der Autonomie der Kartause fehlten. Die Menge verlangte dann verschiedene Güter, die die Mönche abgeben mussten. Um weiteren Missbrauch zu vermeiden, entsandte der Seneschall von Uzerche eine Abteilung der Nationalgarde zum Schutz des Klosters.

Am 2. Februar 1790 forderte der Abgeordnete Barnave die Entsendung von Kommissaren, die die Klöster besuchen sollen. Vom 13. bis 19. Februar 1790 beschließt die verfassunggebende Versammlung die Abschaffung der Mönchsgelübde und die Unterdrückung regulärer Orden und Kongregationen mit Ausnahme derer, die der öffentlichen Bildung und Wohltätigkeit dienen.

Am 1791 begann der Staat mit dem Verkauf der Ländereien. Die Mönche wurden Pächter ihres Klosters. Da das Kloster beschädigt, des Schmuckes und ihrer Bücher beraubt war, zogen die Paters dennoch weg. Bis 1792 wurden sämtliche Möbel, Tiere und andere wertvolle Gegenstände verkauft.

Am 11. Juli 1796 verkaufte die Nation das Kloster an Léonard Chauffour, einen Honoratior der Region, der das Anwesen in zahlreiche Grundstücke aufteilte und dann das Oberhaus Gebäude für Gebäude verkaufte, einschließlich der Zellen der ehemaligen Mönche.

Zwischenphase und Besitzveränderungen (1791–1860)

Am 6. März 1817 verkaufte Léonard Chauffour an Jean-Basptiste Pouch-Lafarge, Friedensrichter von Vigeois, den größten Teil des Besitzes der Kartause von Glandier. Charles, der Sohn des Letzteren, beschloss, diesen Besitz und insbesondere die Schmiede zu übernehmen, um dort einen Hochofen zu betreiben.

Zweite Kartäuserzeit & endgültige Schließung (1860–1901)

Nach dem Tod seines Hauptbewohners wurde das alte Kartäuserkloster 1844 an einen ehemaligen Eisenhüttenmeister namens Bonnel-Laborie versteigert, der das Werk von Charles Lafarge übernehmen wollte, jedoch ohne großen Erfolg. Die Gebäude wechselten dann den Besitzer, bis 1860 der Kartäuserorden beschloss, das alte Kloster und seine Gebäude trotz ihres baufälligen Zustands zu kaufen. Die neue Kirche wurde am 5. August 1869 durch Jean Baptiste Pierre Léonard Berteaud geweiht.

Vor der Schließung des Klosters 1901 hatten die Mönche einen eigenen Stromgenerator an der Loyre installiert, dem kleinen Fluss, der an ihr Kloster grenzte. Dieser bescheidene Wasserfall ermöglichte es ihnen, einen Turbogenerator mit Strom zu versorgen, der für den damaligen Beleuchtungsbedarf des Geländes ausreichte.

1901 wurde das Kloster im Zuge des französischen Gesetzes über Kongregationen endgültig geschlossen. Die letzte Gemeinschaft erhielt eine Frist von drei Monaten um eine Genehmigung zu erhalten. Am 1. Juli 1901 hatte die Kartause 37 Ordensleute (21 Professpater und 16 Laienbrüder). Der letzte Prior Albert Courtray organisierte den Umzug der Gemeinschaft in das belgische Zepperen, ein Stadtteil von Sint-Truiden.

Die Mönche der Grande Chartreuse wurden am 29. April 1903 gewaltsam vertrieben.

Nutzung als Sanatorium / Zentrum für psychisch Kranke und Auktion

Nach der Schließung diente die Anlage später als Sanatorium, seit den 1920er Jahren insbesondere zur Betreuung tuberkulosekranker junger Frauen und Mädchen. Die Stadt Paris erwarb das Gelände 1920 mit dem Ziel, es in ein öffentliches Gesundheitszentrum umzuwandeln. Im 20. Jahrhundert wurde es als Zentrum für Kinder mit psychischen Behinderungen (ab 1960er Jahren) und später für Erwachsene genutzt. Die letzten Bewohner verließen das Gelände 2019/2020. Im Juli 2020 wurde das Anwesen öffentlich versteigert (44 Gebäude, ca. 16 000 m², Gelände 16,48 ha). Im März 2021 beschloss der Conseil de Paris die Veräußerung an die Firma Descas & Fils aus Bordeaux zum Preis von ca. 2,8 Mio. € (in Absprache mit Département Corrèze).

Beschreibung der Anlage

Zum Zeitpunkt der Auktion umfasste das Anwesen 44 Gebäude mit insgesamt etwa 16 000 m² bebaute Fläche und ein Grundstück von 16,48 Hektar.

Hôtellerie / Correrie

Die Hôtellerie war der Bereich für Gäste und Laienbrüder. Im 19. Jh. wurde ein Teil neu gestaltet. Die Correrie (das Haus der Laienbrüder) wurde im Wiederaufbau nach 1860 nicht wiedererrichtet. Der Zugang erfolgt durch einen großen Torbogen. Innen befindet sich ein Vorhof und ein Kreuzgang, flankiert von früheren Gäste- und Verwaltungsräumen.

Kirche

Die heutige Kirche wurde im 19. Jh. auf den Fundamentsruinen der mittelalterlichen Kirche im romanischen Stil errichtet. Die Länge der Kirche beträgt etwa 38 Meter. Zugang zur Kirche erfolgt vom Innenhof über eine große Treppe.

Kapitelhaus, Refektorium

Das Kapitelhaus war Versammlungsort für Buße und Regel-Lesung. Das Refektorium (Speisesaal) lag nahe am Kapitelhaus.

Kreuzgang

Der große Kreuzgang verbindet Zellen, Kapitelhaus, Kirche und die Häuser des Klosters. Er misst etwa 88 × 78 Meter. Er ist mit romanischen Bögen ausgestattet und von Lichtöffnungen durchbrochen.

Zellen der Mönche

Jede Zelle (für die Kartäusermönche) besteht typischerweise aus:

  • einer Vorhalle oder Andachtsraum („Ave Maria“)
  • dem Hauptzimmer (kubiculum), meist mit Oratorium, Tisch, Bücherregal
  • einem Atelierraum (Handwerk)
  • einem kleinen Garten vor der Zelle
  • einem Speisezugang („guichet“) von außen, damit die Mönche die Zelle nicht verlassen müssen

Die Namen oder Wappen der Mönche waren an der Zellenpforte verzeichnet. Die Zellen sind an den Kreuzgang angeschlossen.

Gemeinschaft und Organisation

Die Mönche des Klosters gliederten sich in:

  • Klostermönche (Pères) – Priester oder zur Priesterweihe bestimmt
  • Laienbrüder (Frères convers)

Frühere zusätzliche Gattungen wie Präbendare und Kleriker wurden vor der Revolution abgeschafft.

Liste der Prioren der Chartreuse de Glandier (1219–1901)

Die folgende Übersicht basiert hauptsächlich auf den Arbeiten von Dom Cyprien-Marie Boutrais (La Chartreuse de Glandier en Limousin, 1886), ergänzt durch Archivquellen aus dem Service Historique de la Défense und den Archives départementales de la Corrèze.

Mittelalter (1219–1500)

  • Geoffroy (1219–1222)
  • Guillaume de Saychac (1222–1230)
  • Guillaume de l’Isle (1230–1234)
  • Pierre Allemand (1234–1239)
  • Guillaume Parach (1239–?)
  • Garnier, Jean Nicolai, Pierre de Montinhac (um 1245)
  • Renaud († ca. 1255)
  • Guillaume des Portes, Guillaume Hupania, Mathieu de Crabanac (1276–1277)
  • Jean de Noblac (1277–1306)
  • Gérard Quintini (1306–1308)
  • Jean de Montmartre (1308–1318)
  • Pierre Moliani (1318–1331)
  • Guigues (ab 1331)
  • Jean de Mayrones
  • Pierre (1339–?)
  • Jean Birelle (1344–?)
  • Aymeric (?–1357)
  • Pierre Johannis (1365–?)
  • Pierre Fradin (?–?)
  • Étienne (?–1375)
  • Michel Yzoré (1375–1383)
  • Élise Videmosa (1383–1385)
  • Bernard (1382–1393)
  • Pierre Airaldi (1393–1396)
  • Jacques de Silis (1393–1400)
  • Jean de Montalneuf I (1400–?)
  • Michel Duranthon (?–?)
  • Pierre Ferréoli (?–?)
  • Antoine de la Souchière (1407–1413)
  • Étienne de Vauclaire (1413–1414)
  • Jean D'Auberive (1414–1416)
  • Jean Alvetir (1416–1418)
  • Jean de Montalneuf II (1418–1421)
  • Martial Passage (1425–1427)
  • Antoine de la Soutière (1427–1429)
  • Guillaume Léobonet (1429–1430)
  • Pierre Ycé (ou Ferréoli) (1430–1433)
  • Guillaume Léobonet (1433–1435)
  • Michel Duranton (1435–1436)
  • Guillaume Léobonet (1436–1455)
  • Pierre Lacroix (1455–1461)
  • Pierre Malonis (1461–1467)
  • Jean Yvernauld (ou Ysnardi) (1467–1472)
  • Matthieu Blanchard (1472–1473)
  • Jean Molini (1473–1478)
  • Matthieu Blanchard (1478–1498)
  • Guillaume Boatheri (1498–1500)

Frühe Neuzeit (1500–1791)

  • Dominique de La Forest (1500–1528)
  • Jean Chabessier (1528–1529)
  • Jean Chaudon (1529–1530)
  • Pierre Sarde, später Generalminister des Kartäuserordens (1530–1531)
  • Guillaume Genèvre (1531–1535)
  • Inconnu (Zum Zeitpunkt der Ernennung verstorben)
  • Jean Rollin de la Valénie (1535–1542)
  • Jean de Libra (1542–1545)
  • Pierre Coalhaci (1545–1547)
  • Jean Sarde, später Generalminister des Kartäuserordens (1547–1548)
  • Raymond Rudelle (1548–1554)
  • Bernard Gayrard (1554–1556)
  • Pierre de Lestang (1556–1557)
  • Jean de Libra (1557–1563)
  • Jean Arcymol (1563–1566)
  • Bertrand de Beaurieu (1566–1578)
  • Jean Morgue (1578–1580)
  • Jean Soudais (1580–1585)
  • Crépin Nolin (1585–1588)
  • Gérard Pierrecourt (1588)
  • Christophe de Chave (1588–1595)
  • François Jeanneau (1595–1596)
  • Christophe de Chave (1596–1610)
  • Jean Balmane (1610–1612)
  • Clément Mathevon (1612–1613)
  • Christophe de Chave (1613–1614)
  • François Jeanneau (1614–1628)
  • François De Lingendes (1628–1630)
  • Jacques Raynaud de Vayres (1630–1648)
  • Jean Joyet (1648–1649)
  • Jacques Raynaud de Vayres (1649–1661)
  • Louis Le Mazuyer (1661–1677)
  • Nicolas Du Boys (1677–1679)
  • Jean-Claude de La Roche (1679–1686)
  • Jean Petiot (1686–1691)
  • Bernard Fargeix (1691–1706)
  • Hilarion Raymond (1706–?)
  • Hugues Grosjean (?–1715)
  • Pierre Orlémans (1715–1718)
  • Jean Étienne Villiers (1718–1721)
  • Jean-Auguste Dussol (1721–1724)
  • Étienne Jacquinet (1724–1725)
  • Charles Desmolez (1725–1728)
  • Denis Godard (1728–1730)
  • Joachim de la Chasserie (1730–1733)
  • Innocent Desmoulins (1733–1737)
  • Jean-Baptiste Feytaud (1737–1752)
  • Victor Icard (1752–1759)
  • Joachim Verneuil (1759–1760)
  • Jean Azam (1760–1768)
  • Michel Bordeneuve (1768–1770)
  • François Xavier Derrua (1770–1777)
  • Gabriel Morel (1777–1791)

Nach der Wiederbesiedelung

  • Timothée Arnoult (1869–1874)
  • Stanislas Séguret (1874–1875)
  • Adelphe Chatelain (1875–1885)
  • Chrysostome Duby (1885–1894)
  • Pierre Ligeron (1894–1901)

Marie Lafarge / Affäre Lafarge

Die Kartause war Ort der Handlung der Lafarge-Affäre. Marie Lafarge wurde acht Monate nach ihrer Eheschließung angeklagt, ihren Ehemann mit Arsen vergiftet zu haben. Am 19. September 1840 wurde zu lebenslanger Haft, Zwangsarbeit und öffentlicher Bloßstellung verurteilt.

Marie Lafarge wurde im 19. Jahrhundert berühmt wegen des Mordprozesses, in dem sie beschuldigt wurde, ihren Ehemann Charles Pouch‑Lafarge durch Arsenvergiftung getötet zu haben. Dieser Prozess fand im Zusammenhang mit dem Anwesen Glandier statt. Marie Lafarge wurde 1840 zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt und der öffentliche Pranger auferlegt. Louis-Napoléon Bonaparte begnadigte sie im Juni 1852 und sie wurde freigelassen. Der Fall erregte beträchtliche öffentliche Aufmerksamkeit. Der Prozess und das Anwesen wurden in zahlreichen Romanen, Artikeln und Gerichtsromanen thematisiert.

Situation & Zugang

Die Chartreuse liegt im Westen des Départements Corrèze, auf dem Gebiet der Gemeinde Beyssac, im Tal der Loyre (einem Nebenfluss der Vézère). Sie befindet sich zwischen den Ortschaften Troche, Beyssac und Orgnac‑sur‑Vézère.

Erreichbarkeit

Straßenverkehr: Der Zugang erfolgt über Departementsstraßen (z. B. RD 138, RD 7E1) und Verbindungsstraßen zu umliegenden Dörfern. Autobahn: In der Region ist die A20 eine wichtige Verbindung. Öffentlicher Verkehr: Der Ort ist abgelegen und nicht unmittelbar per Bahn erreichbar. Die nächsten Bahnhöfe sind Vigeois und Arnac‑Pompadour (jeweils etwa 9–11 km entfernt). Busverbindung: Es existieren Buslinien, die Dörfer in der Umgebung anbinden, aber direkte Bedienung des Geländes ist begrenzt.

Rezeption, Nachwirkung & Kultur

In Literatur & Medien

Der Name „Glandier“ taucht in Kriminalromanen auf – etwa in Le Mystère de la chambre jaune von Gaston Leroux, welcher das Motiv „Glandier“ als Schauplatz nutzt und auf die Affäre Lafarge anspielt. Gaston Leroux’ Freund Arthur Bernède veröffentlichte 1931 ein Buch L’Affaire Lafarge, le mystère du Glandier. In Gedichten der Zeit des Prozesses erschien ein 80‑Strophen-Gedicht (Chant), vertrieben zur Zeit des Prozesses, das Glandier im poetischen Kontext thematisiert. In Film und Fernsehen wurde der Fall mehrfach aufgearbeitet:

  • Film 1938: L’Affaire Lafarge von Pierre Chenal
  • Fernsehproduktionen: 1954 (Stellio Lorenzi), 1957, 2010 u. a.

Direkte Dreharbeiten auf dem Gelände von Glandier erfolgten nicht – meist wurde das Kloster nur literarisch oder thematisch referenziert.

Sonstige Nutzung & Initiativen

Während des Ersten Weltkriegs wurden belgische Kinder (z. B. aus Seraing) in Glandier aufgenommen; zurückkehrend gaben sie ihrer Pfadfindergruppe in Belgien den Namen „Le Glandier“. 1994 fand in Glandier ein internationaler Kongress zur Geschichte und Spiritualität der Kartäuser statt. Es wurden thematische Veranstaltungen wie Krimi‑Spaziergänge („Qui a tué Charles? / Wer hat Charles ermordet?“) organisiert, um die Affäre Lafarge als kulturelle Erinnerung zu aktivieren.

Literatur, Quellen & Verweise

  • André Ravier, Saint Bruno, le chartreux, Paris, Édition Lethielleux (parole et silence), 2003
  • Tim Peeters, La Voie spirituelle des Chartreux, Paris, Édition du Cerf, 2010, 186 Seiten
  • Cyprien‑Marie Boutrais, La Chartreuse de Glandier en Limousin, 1886 (Digitalisat)
  • Sophie et Didier Decaux, L'Affaire Lafarge : la rebelle du Glandier, Paris, Édition René Dessagne, 1978, 328 Seiten
  • Olivier Gabriel, Le Drame du Glandier, Édition Delanoê, 1938
Commons: Chartreuse de Glandier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. https://archive.wikiwix.com/cache/display2.php/attachment.pdf?url=https%3A%2F%2Fwww.correze.catholique.fr%2Fjournal-diocesain%2Fleglise-en-correze-mars-018 S. 12
  2. INNOCENT VI (Étienne Aubert) - Tombes sépultures dans les cimetières et autres lieux. Abgerufen am 26. September 2025.

Koordinaten: 45° 21′ 55″ N, 1° 26′ 55″ O